Kindertagesstätte
An den Kitas läuft die Notfallbetreuung. | Foto: dpa

Debatte über Kitabeiträge

Karlsruhe baut Notfallbetreuung für Kinder in Folge des Coronavirus aus

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In Karlsruhe nutzen aktuell 391 Kinder die Notfallbetreuung. Die will die Stadt nun ausbauen. Das Angebot soll dann unabhängig vom Beruf der Eltern gelten, wenn diese mit dem Nachwuchs daheim überfordert sind. Möglicherweise läuft das Programm auch in der Zeit der Schulferien.

Um eine Gefährdung von Kindern oder sehr problematische Situationen innerhalb von Familien zu vermeiden, will die Stadt in den nächsten Tagen die Notfallbetreuung ausbauen. Das Angebot soll – unabhängig vom Beruf der Erziehungsberechtigten – auch dann gelten, wenn eine Überforderung droht, erklärt Michael Gleitz, der den Fachbereich Jugendhilfe und Soziale Dienste leitet.

Er denkt dabei beispielsweise an Familien, die bereits Beratung vom Allgemeinen Sozialen Dienst oder ambulante Programme in Anspruch nehmen. Die Stadt kontaktiere entsprechende Personen, werde aber auch selbst angesprochen. „Und wir stehen in engem Austausch mit der Polizei mit Blick auf mögliche Fälle von häuslicher Gewalt“, so Gleitz.

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Streetworker sind jetzt im Videochat unterwegs

Er versichert: „Ob Kinderschutz oder Inobhutnahme: Unsere Arbeit läuft.“ Streetworker beispielsweise sind aktuell zwar nicht auf der Straße unterwegs, blieben jedoch per Videochat mit ihren Klienten in Verbindung.

Gleitz weiß: Wenn Eltern und Kinder jetzt gezwungenermaßen eng beieinander sitzen müssen, kann es vereinzelt zu problematischen Situationen kommen. Beim Anspruch auf Notbetreuung gebe es daher auch die Kategorie, dass eine Betreuung des Kindes daheim objektiv unmöglich ist.

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Ansonsten steht dieses Angebot für Eltern bereit, die beide in sogenannten systemrelevanten Berufen tätig sind. Darunter fallen zum Beispiel medizinische Berufe und die Lebensmittelversorgung.

Von den 11.000 Kindern in Karlsruher Kitas werden aktuell 232 so betreut – in der Regel in ihrer Stammeinrichtung. Bei den Erst- bis Sechstklässlern sind es aktuell 159.

Gebühren sollen erstattet werden – das braucht Zeit

„Derzeit wird ermittelt, ob dieser Betreuungsbedarf an den Schulen auch für die Zeit der Osterferien besteht. Wenn ja, wollen wir das anbieten“, sagt Sozialbürgermeister Martin Lenz. Schließlich wurde manche fest eingeplante Betreuung – sei es bei Großeltern, sei es ein Ferienprogramm – gestrichen.

In einem Punkt bittet Lenz Eltern indessen um Geduld: Es stehe die Zusage, dass die Stadt für die Zeit der durch Corona bedingten Schließung von Kitas und Horten die Gebühren zurückerstattet.

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„Wir brauchen aber Zeit, das verwaltungsintern zu regeln.“ Das Verfahren werde dem ähneln, das nach dem Streiks im Öffentlichen Dienst angewandt wurde.

Kitabeiträge waren schon vor Coronavirus im Visier

An diesem Mittwoch, 25. März, wird sich der Jugendhilfeausschuss mit Kitabeiträgen befassen – erst einmal unabhängig von der Corona-Krise. Lange bevor diese aufkam, entschied die Kommunalpolitik, mittelfristig beitragsfreie Kitas anzubieten. Ein Schritt auf diesem Weg – für den fünf Millionen Euro zur Verfügung stehen – soll nun die Erweiterung der einkommensabhängigen Beitragsreduzierung sein.

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Das Konzept sieht vor, Familien, die mit ihrem Einkommen 20 Prozent der allgemeinen Einkommensgrenze nicht überschreiten, ab September die Elternbeiträge für Kitas und Krippen komplett zu erstatten. Bei der 30-Prozent-Grenze sollen 50 Prozent erstattet werden.

Können Familienpolitik in Krisenzeiten nicht aussetzen

Martin Lenz, Sozialbürgermeister von Karlsruhe

Lenz hält es für richtig, dass der Jugendhilfeausschuss das Thema jetzt berät. „Wir können Familienpolitik in Krisenzeiten nicht aussetzen.“ Dabei müsse man passgenau die unterstützen, die es wirklich benötigen.

Und ansonsten sei es an der Politik zu entscheiden, ob man am Wunsch der beitragsfreien Kita festhalte und wenn ja, wie schnell man dieses Ziel erreichen will.