Gewächshaus Karlsruhe
ROSEN AUF WASSER: Im erneuerten Palmenhaus, wo der Nachwuchs der Bäume mit den Wedeln, noch recht klein ist (links oben), dominieren die Pflanzen im neuen Becken die neu verglaste Szene. | Foto: jodo

Gewächshäuser beim Schloss

Karlsruhe blüht wieder unter Glas

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Von einem Säulenkaktus aus Arizona zu einer Bergpalme aus Mexiko die Augen wandern lassen – und weiter zu einem tropischen Blütentraum aus Bromelien und Orchideen. Der Spaziergang durch die Schlossanlagen ist wieder um seine exotische Note bereichert. Die Glashäuser sind offen.

Vier Jahre insgesamt dauerte die Sanierung der Pflanzenschaugebäude im Botanischen Garten am Schloss. Nun können die Karlsruher und ihre Gäste wieder wie seit rund 150 Jahren beim Spaziergang ums Schloss in die Tropen eintauchen. Auch die Welt der Palmen und Kakteen präsentiert sich ihnen unter Glas.

Es ist dort nicht mehr so, wie es vorher war, sondern so, wie es einst einmal gewesen ist. Umbauten und Ergänzungen aus der Nachkriegszeit wurden entfernt und die Architektur von Heinrich Hübsch aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weitgehend wiederhergestellt: Glasdach und Glaswand bilden keinen rechten Winkel mehr, sie sind wie vor dem Zweiten Weltkrieg übergangslos gerundet.

Das Stahlgerüst von 1865 ist entrostet und ertüchtigt. Die Heizungs- und Lüftungstechnik modernisiert. Nachträglich eingebaute Träger sind entfernt. Der Putz von den Sandsteinmauern gehauen, ein historischer Grottenbrunnen wiederentdeckt.

Auch bei vielen Pflanzen ist ein Wechsel vollzogen: Thomas Huber, der Chef der Gärten und Anlagen um das Schloss, und seine Leute haben nach dem historischen Pflanzplan von 1888 gearbeitet. Damit wachsen in der Fächerstadt wieder mehr von den exotischen Arten, die einst der großherzogliche Hof zur eigenen Erbauung nach Baden bringen ließ.

Doch hat dieses Revival für die höfische Gartenkunst in Architektur und Botanik auch ihren Preis. Die komplette Sanierung von Warmhaus, Palmenhaus und Kalthaus für die Kakteenhaus kostet nicht nur 3,5 Millionen Euro. Sondern das Üppige der Vegetation, das vor der Sanierung schier die Glasdächer bersten ließ, fehlt.

Bromelie
FARBZAUBER: Das Feuerrot der Bromelie im strotzenden Dschungelgrün. | Foto: jodo

Das neue Grün muss erst mal nachwachsen. Im Tropenhaus gehe das recht schnell, sagt Huber. „Die Bananen brauchen nur zwei Jahre, dann sind sie an der Decke.“ Doch bis die kleinen Wedel der Palmen in ihrem Haus, dem schlanken Mittelbau mit der zwölf Meter hohen Kuppel, das Oberlicht berühren, können Jahrzehnte vergehen.

So lange braucht „Viktoria Regina“ nicht. Noch hält der Setzling nur Blättchen über Wasser. Aber schon bald wird die Riesenseerose, der man bis zu dessen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg einen halbrunden Glashausanbau im Botanischen Garten gönnte, im neuen Becken des Tropenhauses erblühen. Erst mal besticht dort eine andere tropische Seerosenart die Besucher der Eröffnungsfeier mit einem Blütentraum in Pink.

 

Tropenhaus
FARBZAUBER: Das Feuerrot der Bromelie im strotzenden Dschungelgrün. | Foto: jodo

Auf kleinen Porzellanschildern wird jeder Exot namentlich ausgewiesen, was der Pflanzenschau eine nostalgische Zusatznote gibt. Gartenchef Huber hat für die historische Etikettierung gesorgt. Die Plaketten sind zwar neu, aber exakt der Ausschilderung von vor 150 Jahren für die feuchtwarmen Dschungelwesen nachgebildet, „so wie wir sie im Kriegsschutt gefunden haben“.

„Eine einzigartige Gartenkultur ist nun wieder erlebbar, für uns und für künftige Generationen“, schwärmt Gisela Splett. Die Staatssekretärin im Landesfinanzministerium, dem Herrn über die Landesbauten samt Schlössern und Gärten, feiert „die historischen Schaugewächshäuser“ als wichtigen Teil der „kulturgeschichtlichen Stadtidentität“.

Europaweit habe die Glashauskultur im 19. Jahrhundert für Aufsehen gesorgt, überhaupt habe Karlsruhe seit den Anfängen des Botanischen Gartens kurz nach der Stadtgründung von 1715 einen Namen. Oberbürgermeister Frank Mentrup macht in den Glashäusern bei der Orangerie „Identifikationsobjekte“ für die Karlsruher aus. Jetzt seien sie wieder „in wunderbarer Verfassung“, freut sich Mentrup und dankt dem Land.

Zwei Jahre wurden Palm- und Warmhaus saniert und modernisiert. Zuvor war 2014 das Kakteenhaus an der Reihe, in dem auch die Freiluftkübelzitronen des Botanischen Gartens überwintern. Früher zogen die Karlsruher Pflanzenschauhäuser in Spitzenjahren 18 000 Besucher an.