Im Alten Stadion wird nicht nur zum Kurs des AKK das Tanzbein geschwungen. Auch der Tanz in den Mai findet hier statt. | Foto: jodo

Tanz in den Mai in Karlsruhe

„Karlsruhe hat ein tanzfreudiges Publikum“

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Zu steif, zu elitär, zu sehr aus der Mode gekommen: Die Vorurteile gegenüber dem klassischen Gesellschaftstanz sind zahlreich. Zwar erfreuen sich Fernseh-Shows wie „Let’s Dance“ auch nach mehreren Staffeln weiterhin großer Beliebtheit, doch wie sieht es tänzerisch eigentlich jenseits des Fernsehbildschirms aus?

Tanzschulen kämpfen gegen angestaubtes Image

„Karlsruhe hat ein sehr tanzfreudiges Publikum“, davon ist Roberto Fasiello überzeugt. Der Inhaber der Tanzschule Guthmann, die kürzlich von der Deutschen Tanzschulkassifizierung (DTK) mit fünf Sternen ausgezeichnet wurde, ist als gebürtiger Freiburger nach eigenen Aussagen in Sachen Tanzen etwas verwöhnt. „Karlsruhe ist aber nicht weit davon entfernt“, so Fasiello.

Er glaubt, dass die Tanzschulen heutzutage lockerer geworden seien und gegen ihr angestaubtes Image ankämpfen würden. „Tanzschulen sind jung, Tanzschulen sind modern. Natürlich darf heute auch die Dame mal den Herren auffordern.“

Einen großen Tanz in den Mai feiert die Tanzschule Guthmann in Karlsruhe jedoch nicht. Der wird aufgrund der schöneren Räumlichkeiten in der größeren Partnerschule in Freiburg stattfinden.

Auch an männerdominierten Universitäten wird getanzt

Eine feste Institution in Karlsruhe ist der Tanz in den Mai des Arbeitskreises Kultur und Kommunikation (AKK) am KIT. Bereits sei 1997 wird im Alten Stadion in den Mai getanzt. Zwischen 80 und 120 Tänzer kommen im Schnitt. Bei den Tanzkursen sind es sogar noch mehr Teilnehmer, meistens um die 200. „Ich kenne keine Uni, die einen so großen und traditionellen Tanzkurs hat. Unsere Kurse sind bereits als Institution etabliert“, sagt Florian Pott. Er ist einer der Tanzlehrer und unterrichtet während der Vorlesungszeit jeden Mittwoch die Teilnehmer in den klassischen Tänzen des Tanzverzeichnisses, unter anderem Rumba, Walzer oder Tango. Den ersten Kurs gab es bereits 1984.

In diesem Jahr findet der Tanz in den Mai das erste Mal nach dem Umbau des Alten Stadions statt. „Man kommt, tanzt und freut sich“, fasst Pott die Veranstaltung kurz zusammen. Da außer den Zutaten für die Maibowle nichts zusätzlich angeschafft werden muss, seien die Vorbereitungen zudem rasch erledigt.

Beim Tanzen kommt man seinem Partner sehr nah, weiß Tanzlehrer Florian Pott. Mit seiner Tanzlehrer-Partnerin Sarah Paetow bringt er seinen Schülern aber gleichzeitig bei, die Distanz zu wahren. Frei nach dem Motto „Das ist mein Tanzbereich, das ist dein Tanzbereich“. | Foto: jodo

Doch was macht die Faszination am Tanzen aus? „Wenn man zur Musik mit dem Zeh wippt, ist das eigentlich schon Tanzen“, findet Pott. Für ihn ist es gerade die Möglichkeit, einem Fremden sehr nahezukommen, ohne die Distanz zu verlieren, die ihn so reizt. Gerade Leuten, die sich sonst im zwischenmenschlichen Miteinander schwertun, biete das Tanzen einen zwanglosen Aufhänger, um in Kontakt und ins Gespräch zu kommen. Der soziale Kontext, vor allem aber der Umgang miteinander sind für Pott dabei zentral: „Tanzen war zwar schon immer den oberen Zehntausend vorbehalten, aber heute ist es ganz egal, wie einer aussieht oder woher er kommt. Man muss den Respekt vor dem anderen leben. Das ist die Voraussetzung für einen gelungenen Tanzkurs.“

In den schon 35 Jahren seit Beginn der Tanzkurse hat sich auch schon das ein oder andere Pärchen zusammengefunden. „Wer sich im Tanzkurs kennenlernt, muss eine Flasche Sekt mitbringen – das ist die Regel“, verrät Pott.

Tanzsportklubs bieten unterschiedliche Leistungslevels

Die Kurse beim AKK verstehen sich als Basisausbildung. Wer mehr lernen möchte oder größere Ambitionen hat, den schicken Florian Pott und sein Team gerne zu den großen Tanzsportklubs weiter. Elke Stoltze ist Pressesprecherin des TSC Astoria Karlsruhe und weiß, dass gerade viele jüngere Mitglieder gerne die Veranstaltungen des AKK besuchen.

700 Mitglieder hat der Verein, von hobbymäßigen Gesellschaftsgruppen über Breitensport bis hin zum Turniertanz sind hier alle Leistungsniveaus vertreten. „Let’s Dance“ habe zwar keinen Mitglieder-Boom gebracht, dennoch findet Elke Stoltze positiv, dass durch das dargestellte Training der Stars gezeigt wird, dass Tanzen eben doch ein Hochleistungssport ist. Mit den Show-Effekten der Sendung kann sie sich allerdings weniger identifizieren. „Im Gesellschaftsbereich kam einmal ein Paar mit der Idee an, ,so tanzen zu lernen wie im Fernsehen‘, also mit vielen Showelementen. Sie blieben trotzdem dabei.“

Der Tanz in den Mai des AKK findet am Dienstag, 30. April ab 20.15 Uhr im Alten Stadion statt. Der Eintritt ist frei.