Karlsruhe ist nun offiziell die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands.
Karlsruhe ist nun offiziell die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands. Das ist schön. | Foto: Archiv/Hora

ADFC-Fahrradklima-Test

Karlsruhe ist die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands

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Karlsruhe stößt Münster als Fahrradhauptstadt Deutschlands vom Thron. Im ADFC-Fahrradklima-Test 2018 geht der erste Platz im Wettstreit der Großstädte um gute Bedingungen für Radfahrer in die einstige badische Hauptstadt.

Sie überrundet damit in der Klasse der Städte mit maximal 500.000 Einwohnern die lange führende Universitätsstadt im Münsterland. Ihr war Karlsruhe schon im jüngsten Klimatest 2016 dicht auf den Fersen. Auf Distanz gehalten ist auch Freiburg, das gleichfalls viel für den Radverkehr tut. Bei den ganz großen Städten rangiert Bremen vor Hannover und Leipzig.

Stimmungsbarometer alle zwei Jahre

Der ADFC-Fahrradklima-Test findet alle zwei Jahre statt. Als bundesweites Stimmungsbarometer wird er vom Bundesverkehrsministerium gefördert. Es ist die größte Befragung zur Fahrradfreundlichkeit weltweit. Von September bis November 2018 bewerteten rund 170.000 Menschen mehr als 650 Städte und Gemeinden – das ist eine Rekordbeteiligung. In Karlsruhe beteiligten sich diesmal 1.900 Menschen.

Schon 2014 Titel für Karlsruhe

Mit einer glatten Eins oder zumindest einem schlicht-schönen „Gut“ bewerten deutsche Radfahrer bisher keine Großstadt. Karlsruhe schnitt 2016 mit der Note 3,09 ab (Münster: 2,89). Den Titel „Fahrradhauptstadt Süddeutschlands“ errang Karlsruhe bereits im Fahrradklima-Test 2014.

Bestnoten für kleinere Städte

In Orten mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern fühlen sich Radfahrer laut Testergebnis am wohlsten. Dort kommt diesmal nur aufs Podest, wer mindestens eine Durchschnittsnote von 2,95 erzielt. Als „Aufholer“ glänzt dort das badische Emmendingen (Note 3,5). Dieser Klasse gehören auch Achern, Bretten, Bruchsal, Bühl, Ettlingen, Gaggenau und Rastatt an.

Schlechte Platzierung für Bretten

In der Klasse der Städte und Gemeinden mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern berücksichtigt sind 311 Orte. Ettlingen fällt leicht zurück auf Rang 57, Bruchsal hat Rang 176. Recht schlecht kommt Bretten weg: Radfahrer vergeben kaum einmal mehr als Note vier für die dortigen Verkehrsbedingungen. Unter dem Strich steht die Gesamtnote 4,5. Das ist Rang 295.

ADFC Karlsruhe reagiert mit gedämpfter Freude

„Wir haben uns in der Bewertung eher ein bisschen verschlechtert“, sagt der Vorsitzende des ADFC-Kreisverbandes Karlsruhe, Christian Büttner. Man könne zwar nicht von Stillstand in Karlsruhe sprechen, „aber wir treten auf der Stelle“.

Sieger zu sein, weil andere abgestiegen sind, erzeugt kein Jubelgefühl.

Büttner sieht durchaus einzelne erkennbare Verbesserungen im Straßenbild, nicht aber bei der Gesamtwirkung. „Sieger zu sein, weil andere abgestiegen sind, erzeugt kein Jubelgefühl“, sagt er. Schlechte Bewertungen kassiere Karlsruhe an Knackpunkten wie zugeparkten Radwegen, Baustellenführungen für Radler und Fahrraddiebstahl. Miese Noten dafür hält Büttner für berechtigt, „weil da auch nicht viel geschieht“.

Karlsruhes Pluspunkte

Die Fahrradmitnahme in Bus und Bahn gehört zu den Stärken der Fahrradstadt Karlsruhe. Gute Noten vergeben Radfahrer auch für die Freigabe vieler Einbahnstraßen in Karlsruhe für Radverkehr in Gegenrichtung. Die Stadt punktet zudem mit guter Erreichbarkeit des Zentrums und dem Leihradangebot, das just weiter ausgebaut wird.

Karlsruher Mängel sind typisch

Bundesweit nimmt die Unzufriedenheit der Radfahrer mit den Radwegen zu. Bemängelt wird vor allem, dass Radwege zu schmal seien oder von Falschparkern blockiert werden. Büttner vom ADFC Karlsruhe zufolge zeigt sich an neu angelegten Radwegen in der Stadt hingegen „ein Bestreben zu Verbesserungen“. Die Stadtplaner setzten geltende Empfehlungen weitgehend um, urteilt Büttner.

Konflikte mit Fußgängern als Minus

Als Karlsruhes Schwächen weist das Testergebnis häufige Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern aus. Weiterer Minuspunkte ist eine hohe Quote bei Fahrraddiebstählen. Außerdem monieren die Testteilnehmer erneut, dass es zu wenig gute Abstellmöglichkeiten für Fahrräder gebe.

Radverkehrsförderer im Rathaus

Karlsruhes Radverkehrspolitik trug bisher die Handschrift von Michael Obert, Karlsruher Baubürgermeister bis September 2018: Obert war acht Jahre lang auch Chef der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK).

Die ausführlichen Ergebnisse gibt es hier.