U-Strab-Baustelle
Anfang des Stadtumbaus: Im Januar 2010 begannen die Arbeiten zur Karlsruher Kombilösung am Europaplatz. Damals verlor auch der Greif seinen dort angestammten Platz. Zehn Jahre später sind die Bauarbeiten zum Stadtumbau noch in vollem Gange und prägen das Karlsruher Stadtbild bis heute. | Foto: Archiv/jodo

Gedenktage 2020

Karlsruhe ist zehn Jahre Baustelle

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Die Zwanzigerjahre beginnen. Nicht nur das Doppelzifferdoppeljahr 2020 lockt. Eine ganze Dekade liegt vor den Karlsruhern. Was sich binnen zehn Jahren Denkwürdiges und die Stadtwelt um die Pyramide Veränderndes ereignen wird, wer kann das sagen? Wie hat sich doch das Karlsruher Leben in der zurückliegenden Dekade 2010 bis 2020 verändert.

Vor zehn Jahren, am 21. Januar 2010, begann der Stadtumbau per Kombilösung auf dem Europaplatz. Viele Karlsruher können sich ihre Heimat schon gar nicht mehr anders als die Baustellenstadt vorstellen. Und wer erinnert sich noch daran, dass Günther Oettinger, damals Ministerpräsident von Baden-Württemberg, neben Oberbürgermeister Heinz Fenrich symbolisch den Spaten schwang.

Abschied vom Greifen

2010 verlor der Greif seine überragende Position hoch über dem „Euro“. Wird er in den Zwanzigerjahren zurückkehren? Und wird vorher die Kombi aus U-Strab und Autotunnel tatsächlich bis 2022 aufgehen? Und was wird erst  „In the year 2525“ geschehen, von dem Zager & Evans schon 1969 sangen?

Sicher wird Denkwürdiges geschehen, manche besondere Geburtstage gefeiert oder runde Gedenktage begangen. Ein ganzer Feiersommer wie zum 300. Stadtgeburtstag 2015 scheint aber nicht in Sicht. Doch bereits das Jahr mit der magischen Zahl 2020 bietet einige herausragende Erinnerungstermine.

Schon dieser Tage geht es los: Vor 40 Jahren, am Wochenende 12./13. Januar 1980, haben sich die Grünen in der Karlsruher Stadthalle als die deutsche Partei der Umweltbewegung gegründet.

Angelika Sauer vom Stadtarchiv Karlsruhe hat einige Termine zusammengestellt. Am 25. Januar jährt sich der 75. Todestag von Reinhold Frank. Der Karlsruher Rechtsanwalt und Politiker der katholischen Zentrumspartei war Mitglied der Widerstandsbewegung gegen den Diktator Adolf Hitler. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er in Berlin hingerichtet.

Mit „Dulli“ begann CDU-Macht

Am 11. Februar 2020 wäre der Vorvorvorgänger von OB Frank Mentrup 100 Jahre alte geworden. Der Christdemokrat Otto Dullenkopf hat die Geschicke der Fächerstadt in zwei Amtsperioden über insgesamt 16 Jahre von 1970 bis 1986 gelenkt. Bereits 1947 zog er als Mann der gerade mal zwei Jahre alten CDU in den Stadtrat ein, später war er Landtagsabgeordneter, Bürgermeister und schließlich OB.

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Im Februar würde Otto Dullenkopf 100 Jahre alt. | Foto: BNN-Archiv

Der Musikliebhaber Dullenkopf wirkte also 40 Jahre an herausragender Stelle für Karlsruhe. Seinen Namen trägt der große Park um Schloss Gottesaue. Das Ostauegelände zwischen Musikhochschule, Schlachthof und Ostring heißt seit 2012 Otto-Dullenkopf-Park. Dabei stammte „Dulli“, wie der Rathauschef nicht nur bei seinen Freunden hieß, aus Mühlburg. Sein Geburtshaus stand nahe des Fliederplatzes.

Spitze der Stadt und des KSC

Ein Kind der Weststadt ist dagegen ein anderer großer CDU-Politiker der Fächerstadt. „Dullis“ Nachfolger Gerhard Seiler kann am 21. Oktober 2020 seinen 90. Geburtstag feiern. Von 1986 bis 1998 hatte Seiler das Sagen im Rathaus.

Seiler
90 Jahre alt wird Gerhard Seiler am 21. Oktober. | Foto: BNN-Archiv

 

Der Haushalts-Professor Seiler hat zudem etwas geschafft, wovon Mentrup und sein Widersacher Ingo Wellenreuther nur träumen können: 2002 rettete der Ex-OB seinen von der Insolvenz bedrohten KSC als dessen Präsident in der Not.

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Fenrich wird 75

Heinz Fenrich ist der Dritte im Bunde. Der CDU-Mann, der in der Oststadt aufwuchs, folgte 1998 auf seine Parteikollegen Dullenkopf und Seiler.

 

Fenrich
Seinen 75. Geburtstag feiert Heinz Fenrich am 9. Februar. | Foto: Archiv/jodo

Bis 2013 amtierte Mentrups Vorgänger. Am 9. Februar kann er den 75. Geburtstag feiern.

Die Franzosen marschieren ein

Am 4. April vor 75 Jahren – also rund einen Monat vor dem offiziellen Ende, war für die Karlsruher der Krieg aus. Sechs Jahre des Grauens, des Tötens und Zerstörens, der Bombenangriffe und der Deportation der jüdischen Mitbürger lagen hinter der Stadt. Allein am 4. Dezember 1944 starben bei einem britischen Bomberangriff 375 Menschen. Besonders Mühlburg wurde verheerend getroffen. Insgesamt kamen durch rund 100 Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg 1 745 Menschen in Karlsruhe ums Leben.

An jenem Aprilmorgen des Jahres 1945 setzten französische Truppen über den Rhein und nahmen Karlsruhe ein. Am 8. Juni vor 75 Jahren wurden die Franzosen von amerikanischen Truppen abgelöst. Am 4. August ernennt die US-Militärverwaltung den Sozialdemokraten Hermann Veit zum ersten Oberbürgermeister der Stadt nach der Nazidiktatur.

Krieg gegen Frankreich

Am 19. Juli vor 150 Jahren begann der Deutsch-Französische Krieg. Karlsruhe wird zur Lazarettstadt erklärt. Dieser Waffengang endete im Januar 1871 – vergleichsweise schnell. Deutschland gewann und diktierte den Frieden.

Die Proklamation des Preußenkönigs zum Deutschen Kaiser Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles sah den Badischen Großherzog Friedrich I. direkt an dessen Seite. Und dieser Mann aus dem Karlsruher Schloss brachte vor versammelter Schar der Fürsten und Generale das erste Hoch auf den neuen Kaiser aus.

Egon und der „Lange Eugen“

Am 19. Juli 1970, also vor 50 Jahren, stirbt Egon Eiermann. Der Architekt, der 22 Jahre an der Uni Karlsruhe den Lehrstuhl für Bauplanung und Entwerfen innehatte. Der Architekt schuf beispielsweise den „Langen Eugen“, das Abgeordnetenhaus des Bundestags, als Bonn noch Hauptstadt war.

Der Karlsruher Gustav Landauer, der in München als Anarchist, Revolutionär und Schriftsteller, nach dem Ersten Weltkrieg berühmt wurde, wäre am 7. April 150 Jahre alt.

Erste Kinderklinik

Am Nikolaustag 1920 beginnt die Geschichte des Karlsruher Kinderkrankenhauses im heutigen KIT-Gebäude und ursprünglichen Viktoria-Pensionat am Durlacher Tor.

Der berühmte Arzt Franz Lust baute die Kinderklinik als beispielhaft für ganz Deutschland auf. Der von den Nazis diskriminierte und entrechtete deutsche Jude Lust nahm sich 1939 aus Verzweiflung das Leben. 2003 zog das Kinderkrankenhaus zum Städtischen Klinikum an der Moltkestraße in einen Neubau unter ein Dach mit der Frauenklinik.