Aktiv für die Klimapartnerschaft: Dirk Vogeley, Hannah Rapp und Karla Lieberg (von links). Hier begutachten sie einen neuen Flyer des Karlsruher Klimafonds.
Aktiv für die Klimapartnerschaft mit Ecuador: Dirk Vogeley, Hannah Rapp und Karla Lieberg (von links). Hier begutachten sie einen neuen Flyer des Karlsruher Klimafonds. | Foto: Kungl

Bäume für den Regenwald

Karlsruhes Klimapartnerschaft mit Ecuador

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Bäume in Ecuador pflanzen – was nützt das dem Karlsruher Klima?  Die Fächerstadt verfüge nicht über ausreichend große Flächen, um hier ausgestoßene Emissionen selbst durch Baumpflanzungen zu kompensieren, heißt es bei der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK). Eine Klimapartnerschaft soll’s richten.

Von Philipp Kungl

Der Klimawandel geht uns alle etwas an – nicht nur in den Polargebieten, wo sich die zunehmende Erderwärmung besonders drastisch zeigt, sondern auch hier in Karlsruhe. Aktuell liegt Baden-Württemberg 1,3 Grad über dem bisherigen Durchschnitt und bald könnten bereits Temperaturspitzen von plus sechs bis sieben Grad möglich sein.

Klimapartnerschaft mit der Gemeinde San Miguel de los Bancos

Die gemeinnützige Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) hat sich dem Einsatz für das Klima verschrieben, unter anderem durch eine Klimapartnerschaft mit der Gemeinde San Miguel de los Bancos in Ecuador. Doch was hat Karlsruhe nun konkret mit Ecuador zu tun? „Der Kontakt dorthin kam schon im Jahr 2004 zustande“, erinnert sich Dirk Vogeley, Geschäftsführer der KEK. Damals noch bei den Stadtwerken Karlsruhe, lernte er im Zuge eines Projekts ein deutsch-ecuadorianisches Ehepaar vor Ort kennen, das viel Zeit und Geld in den Klimaschutz steckte.

Ehemalige Weideflächen werden aufgeforstet

„Das Paar begann damit, selbstständig Bäume auf dem eigenen Grundstück zu pflanzen, das gab den Anstoß, aktiv zu werden“, erzählt Vogeley. 2012 wurde hierzu der Karlsruher Klimafonds gegründet und man erwarb ein 17 Hektar großes Grundstück ehemaliges Weideland, das rund 100 Kilometer von Ecuadors Hauptstadt Quito entfernt ist. Gemeinsam mit dem dortigen Umweltzentrum Mindo Lido begann man mit der Aufforstung des Areals.

Es geht um die CO2-Bilanz

Die Idee dahinter: Um den im Holz eingelagerten Kohlenstoff zu binden, nehmen Pflanzen das Haupttreibhausgas CO2 aus der Luft auf. Durch die Baumpflanzung in Ecuador sollen CO2-Emissionen möglichst wirtschaftlich reduziert werden. „Firmen und auch Privatleute können eine Tonne CO2 virtuell erwerben oder einen Baum spenden. So kann die eigene CO2-Bilanz an anderer Stelle reduziert oder sogar ausgeglichen werden“, erklärt Dirk Vogeley. Außerdem gehen mit der Aufforstung Klima- und Artenschutz Hand in Hand.

„Grüne Inseln“ für Tiere und Pflanzen

„Ecuador ist eines der artenreichsten Länder der Welt, gleichzeitig aber auch eines mit den am meisten bedrohten Tier- und Pflanzenarten“, sagt Karla Lieberg, die das Projekt seit 2016 hauptverantwortlich leitet. Durch das Pflanzen von über 40 verschiedenen heimischen Baumarten entstehen nach und nach sogenannte „Puntos Verdes“ – „grüne Inseln“ für Tiere und Pflanzen.

Von neutralem Gutachter kontrolliert

Neben der aktiven Aufforstung, die vor Ort von einem neutralen Gutachter kontrolliert wird, beinhaltet die Klimapartnerschaft weitere Projekte, zum Beispiel eine Schulpartnerschaft. So werden Schüler vor Ort in kleine Baumpflanzungen mit einbezogen, um das Bewusstsein für den Klimaschutz und den bedrohten Regenwald zu stärken. Neuerdings startet eine weitere Aufforstung in Zusammenarbeit mit der Artenschutzstiftung des Karlsruher Zoos.

Im Rahmen der Klimapartnerschaft mit Karlsruhe sollen auch Schülerinnen und Schüler in Ecuador an den Klimaschutz herangeführt werden.
Im Rahmen der Klimapartnerschaft mit Karlsruhe sollen auch Schülerinnen und Schüler in Ecuador an den Klimaschutz herangeführt werden -zum Beispiel mit Baumpflanzungsaktionen. | Foto: KEK

Schon 13.400 Bäume gepflanzt

Und wie läuft die Klimapartnerschaft und insbesondere die Aufforstung? Karla Lieberg war vor kurzem das zweite Mal in Südamerika. „Die Entwicklung zu sehen, ist schon beeindruckend“, erzählt sie. Viele der 13.400 gepflanzten Bäume seien mittlerweile über zwölf Meter hoch und es habe sich ein richtiger Wald mit typischen Tieren und Pflanzen gebildet. „Ein Monitoringsystem vor Ort zeigt etwa, dass sich diverse Vogelsorten, darunter auch der bedrohte Langlappen-Schirmvogel, angesiedelt haben“, so Lieberg. Auch die Resonanz im Bereich der CO2-Kompensation ist positiv.

Vor allem Geschäftskunden ziehen mit

Das Projekt bietet sich für Unternehmen an, die etwas für den Umweltschutz tun wollen. Nicht alle, aber das Gros der Kunden, kommt derzeit aus Karlsruhe. „Deutlich schwieriger als bei den Geschäftskunden war es, den Bürgern das Problem zu vermitteln“, gibt KEK-Mitarbeiterin Hannah Rapp zu.

Ein symbolischer Baum als Geburtstagsgeschenk

Da Bilder wie der bekannte CO2-Fußabdruck sehr abstrakt sind, entschied man sich für das Symbol des Baumes. Für 20 Euro kann man symbolisch einen Baum verschenken, was gerade zu Anlässen wie Geburtstagen oder Hochzeiten sehr gut angenommen werde.

Acht Tonnen CO2 pro Karlsruher

Dennoch gebe es noch viel zu tun. Für acht Tonnen ausgestoßenes CO2 ist der Karlsruher Bürger jährlich im Schnitt verantwortlich. Zur Verdeutlichung: Eine Tonne entspricht etwa dem Volumen eines Einfamilienhauses. Auf der Homepage des Karlsruher Klimafonds gibt es mehrere Möglichkeiten, die eigene Bilanz zu verbessern. Wer zum Beispiel nach Mallorca fliegt, der stößt dabei 0,6 Tonnen CO2 aus. Diese Daten lassen sich online berechnen – dann kann kompensiert werden. „Wir brauchen die Unterstützung der Karlsruher gegen den Klimawandel“, stellt Dirk Vogeley klar.

Die Karlsruher Klimaschutzagentur (KEK) wurde 2009 auf Initiative des Gemeinderats gegründet. Die Stadt Karlsruhe und die Stadtwerke sind gleichberechtigte Gesellschafter der Agentur. Die KEK möchte ein CO2-neutrales Karlsruhe schaffen und dabei insbesondere Lösungen für Unternehmen finden, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden. Mehr über die Klimapartnerschaft mit Ecuador lesen Sie hier.