Eine gewohnte Kulisse, die aber bald Geschichte ist: Die Haupttribüne im Wildpark wird bald einem neuen Stadion weichen. Davor Redakteur Theo Westermann, der die wendungsreiche Geschichte seit Jahren intensiv begleitet.
Eine gewohnte Kulisse, die aber bald Geschichte ist: Die Haupttribüne im Wildpark wird bald einem neuen Stadion weichen. Davor Redakteur Theo Westermann, der die wendungsreiche Geschichte seit Jahren intensiv begleitet. | Foto: jodo

Journalismus zeigt Gesicht

Karlsruhe: Das Ringen um ein Fußballstadion

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In Zeiten von Falschmeldungen und erstarkendem Rechtspopulismus ist das Vertrauen der Menschen in unabhängige Berichterstattung sehr wichtig – gerade auch im Lokalen. In der Kampagne „Journalismus zeigt Gesicht“ werden ausgewählte Journalisten vorgestellt, die direkt vor Ort im Einsatz sind – wie Theo Westermann.

Niemand braucht ein Fußballstadion. Zumindest nicht so dringend wie ein Krankenhaus, eine Kläranlage oder eine Rettungsleitstelle. Dennoch rollen die Bagger im Karlsruher Wildpark. Für 125 Millionen Euro Gesamtkosten entsteht ein neues Stadion samt Infrastruktur. Seit Jahrzehnten hat Karlsruhe über ein neues Stadion diskutiert, das Thema beherrscht die Kommunalpolitik – und damit auch die Schlagzeilen der BNN.

Fußball ist Nationalsport in Deutschland und natürlich auch ein Millionengeschäft. Dem KSC gehört die Leidenschaft vieler Fans in Stadt und Region. Die Emotionen kochten hoch in der Debatte – aber es gab auch eine klare Erkenntnis: Ohne eine neues Stadion wird es keinen Profifußball in Karlsruhe mehr geben.

Das 20 Jahre andauernde Ringen um ein neues Stadion ließ Männerfreundschaften in Karlsruhe zerbrechen und politische Karrieren beginnen – oder sie endeten. Und allzu hochfliegende Träume platzten jäh. Die Leser der BNN waren immer in der ersten Reihe dabei, weil sie sich auf Journalisten verlassen konnten, die beobachteten und genau hinhörten.

Tiefe Einblicke in Karlsruher Befindlichkeiten

Zwar wurde manches in Sachen Stadion auf offener Bühne verhandelt, auch dies erfordert kundige Bewertung durch die Zeitung. Aber vieles passierte eben nur hinter den Kulissen, in Amtsstuben, Vereinszentralen, Rechtsanwalt- oder Notarbüros. Viele Entscheidungen fielen in internen Zirkeln, es kam zu Auseinandersetzungen und Krisen, die das Projekt an den Rand des Scheiterns brachten – aber die BNN machten es öffentlich.

Nur eine Auswahl aus den vergangenen Jahren: Ein leibhaftiger IHK-Präsident muss als Mediator einspringen, um den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Ein deutsch-niederländischer Baukonzern bekommt den Millionenauftrag. Ein letzter Notartermin im Dezember 2018 droht zu platzen – und dies wegen eines Nebenkriegsschauplatzes.

Langjährige Kontakte zahlen sich aus

Und die neueste Wendung in einem wendungsreichen Spiel bringt eine exklusive BNN-Schlagzeile ans Licht: Der KSC verklagt den Bauherr Stadt, weil er mit der Planung unzufrieden ist. Wer kann mit wem – und wer nicht? Die Zeitung erklärt und ordnet ein: Hier zahlen sich gute oft über Jahre gepflegte Kontakte aus – ein Muster übrigens, was natürlich bei vielen Themen der Lokalredaktion hilft.

In Sachen Stadion erfolgt der Einsatz auch jenseits von üblichen Zeiten: Hektische SMS aus nächtlichen Verhandlungsrunden, Telefonate auch mal kurz vor Mitternacht, vertrauliche Treffen in mittelmäßigen Pizzerien am Stadtrand gehören dazu wie der heiße Draht zu den Entscheidungsträgern. Und eine Erkenntnis ist gereift: Das neue Stadion gibt es erst, wenn der erste Ball drin rollt. Die Geschichten gehen den BNN nicht aus.