Dämmung und Photovoltaik können den Energieverbrauch in alten Häusern minimieren
Dämmung und Photovoltaik können den Energieverbrauch in alten Häusern minimieren | Foto: jodo

Klimaschutz in Karlsruhe

Tipps zur energetischen Sanierung von älteren Häusern

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Die energetische Sanierung eines Wohnhauses ist meist mit großem Aufwand und hohen Kosten verbunden. Das sorgt bei vielen Eigenheimbesitzern für Unsicherheit. Die Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) gibt bei persönlichen Beratungen nun Tipps für die besten individuellen Sanierungs-Strategien. So können Hausbesitzer ihren Energieverbrauch reduzieren und einen Beitrag für den Klimaschutz leisten.

Die Handflächen sind das wichtigste Messinstrument von Bernd Gewiese. Wenn der Berater der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) einen Altbau in Augenschein nimmt, ertastet er zunächst einmal mögliche Kältebrücken und undichte Stellen.

„Wer seine Hand auf ein Aluminiumfenster legt, merkt sofort, dass die eisigen Wintertemperaturen direkt in das Innere einer Wohnung transportiert werden“, sagt Gewiese. Ein kühler Windzug an einem schlecht isolierten älteren Rollladenkasten ist durch simples Handauflegen ebenfalls leicht zu verorten.

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In alten Häusern wird viel Energie zum Fenster hinausgeheizt

Wenn es um eine genaue Analyse geht, setzt Gewiese natürlich spezielle Thermosensoren zur Messung der Luftströme ein. Durch die Visualisierung der Temperaturdaten auf seinem Tablet kann der Physiker den Hausbesitzern dann eindrücklich vor Augen führen, an welchen Stellen warme Luft aus dem Wohnungsinneren ins Freie strömt.

„Wenn Wohnungseigentümer solche Bilder sehen, sind sie meistens ziemlich überrascht“, sagt Gewiese. Etliche Immobilienbesitzer nähmen nach einer solch eindrucksvollen Demonstration der täglichen Energieverschwendung dann auch die Sanierung ihrer Häuser in Angriff.

KEK will Hauseigentümer für Sanierung motivieren

Hauseigentümer für eine energetische Sanierung zu motivieren, ist bei der KEK Gewieses wichtigste Aufgabe. Auf große Reden kann der Fachmann für Gebäudedämmung dabei getrost verzichten.

Viel lieber lässt er Zahlen sprechen und führt den Bewohnern die Einsparpotenziale durch eine umfassende Sanierung vor Augen. Doch die Kosten wirken auch abschreckend. Beim Beispiel eines Hauses Baujahr 1955 schlagen die Dämmung von Fassade, Kellerdecke, Dachbodendecke sowie der Einbau von neuen Fenstern und einer modernen Heizung mit über 50.000 Euro zu Buche.

Allerdings können in diesem Beispiel die jährlichen Energiekosten von 2.546 Euro auf 752 Euro gesenkt werden und deshalb amortisiert sich die Investition – bei einer derzeit zugegebenerweise unrealistischen Inflationsrate – im günstigsten Fall nach 18 Jahren.

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Bester Zeitpunkt ist ein Eigentümerwechsel

„Aber 20 Jahre voraus möchte eigentlich niemand denken“, weiß Gewiese. Deshalb werden energetische Sanierungen auch meistens erst bei einem Eigentümerwechsel in Angriff genommen. Ein Umbau nach dem Kauf eines Hauses ist laut Gewiese deshalb auch der beste Zeitpunkt für eine Komplettsanierung.

„Wer das richtig macht, hat danach eine ähnlich gute Energieeffizienz wie bei einem Neubau“, sagt Gewiese. Dabei sei die Umweltbilanz bei der Sanierung immer deutlich besser als bei Neubauten.

Der Grund: Bei der Produktion von Baubeton wird sehr viel Kohlendioxid produziert. Und Neubauten aus Holz oder recycelten Materialien sind in Deutschland immer noch die Ausnahme.

Nur wenige Hausbesitzer nehmen Sanierung in Angriff

Etwa zehn Prozent der Hausbesitzer haben sich bislang von den KEK-Experten beraten lassen. Davon haben sich anschließend nur zwei Prozent für eine Gebäudesanierung entschieden.

Was sich nach wenig anhört, ist für KEK-Geschäftsführer Dirk Vogeley ein guter Wert. Der Grund: Die Handwerksbetriebe seien schon jetzt an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt. Außerdem sei eine möglichst flächendeckende Sanierung von Bestandsbauten Teil eines langfristigen Projekts, nämlich einer Klimaneutralen Kommune 2050.

Bis zum Jahr 2050 soll die Stadt Karlsruhe klimaneutral sein. Das hat sich die Stadtverwaltung selbst auf die Fahnen geschrieben. Dabei werden außer Industrie und Handel auch die Eigentümer von Wohnimmobilien in die Pflicht genommen.
Nach den Berechnungen der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) kann in Wohnhäusern durch eine energetische Sanierung die meiste Energie eingespart werden. Der Grund: In älteren Häusern wird knapp 90 Prozent der Energie fürs Heizen aufgebracht. Strom oder Warmwasser spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle.
Durch eine Erhöhung der Effizienz kann der Heizenergieverbrauch in einem Bestandsgebäude um bis zu 90 Prozent reduziert werden. Ein Rechenbeispiel: Bei Altbauten fallen für die Heizung bis zu 300 Kilowattstunden pro Quadratmeter an. Bei Neubauten sind es etwa 40. Nach einer Komplettsanierung beträgt dieser Wert bei Bestandsbauten zwischen 60 und 70.
In den Energiequartieren in Wettersbach, Aue, Knielingen und Rintheim wurden von der KEK insgesamt 3.630 Gebäude erfasst und energetisch bewertet. 3.463 dieser Häuser werden mit fossilen Energieträgern beheizt. Der jährliche Wärmeenergiebedarf in diesen Häusern beläuft sich nach den Berechnungen der KEK auf über 93 Millionen Kilowattstunden.

Nachhaltige Heizungen können Klimawandel ausbremsen

Fast noch wichtiger als Dämmung und neue Fenster ist für die Experten der KEK der Einsatz nachhaltiger Heizungsanlagen. In Stadtteilen abseits des Fernwärmenetzes sollten heutzutage entweder Pellets-Heizungen oder Blockheizkraftwerke mit energieeffizienten Wärmepumpen eingebaut werden.

Doch auch hier ist Geduld gefragt. „Wirtschaftlich ist eine solche Investition erst sinnvoll, wenn die alte Heizung ohnehin ausgetauscht werden muss“, sagt Vogeley. Und seiner Einschätzung nach ist das bei modernen Gasbrennern frühestens nach 25 Jahren der Fall.
Ein weiterer Faktor bei der Nachhaltigkeitsstrategie der Energieagentur ist der Ausbau der Photovoltaik auf Hausdächern.

Bereits heute kann sich jeder Karlsruher auf dem Solarkataster der KEK über mögliche Standorte informieren. Nun möchten Vogeley und Gewiese die Leute von den Vorteilen einer solchen Anlage überzeugen. „Elektromobilität könnte hier zu einem Treiber werden“, sagt Gewiese. Der Grund: Dann könnte das Auto durch den zu Hause produzierten Sonnenstrom umweltfreundlich und kostengünstig betankt werden.

Um den energetischen Sanierungsbedarf von älteren Wohngebäuden zu erfassen und Hauseigentümer zur Steigerung der Energieeffizienz zu motivieren, wurden von der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) mehrere Projekte initiiert.
Dabei hat die KEK vor allem Wohnviertel mit einem hohen Anteil an älteren Einfamilienhäusern im Blick. In den Ortsmitten von Rintheim, Knielingen, Durlach-Aue sowie in den beiden Wettersbacher Stadtteile Palmbach und Grünwettersbach wurden deshalb bereits Energiequartiere eingerichtet. Für Stupferich, Wolfartsweier, Hohenwettersbach und Grötzingen sind weitere Energiequartiere geplant. Nach Einschätzung der KEK bieten sich auch die dörflich geprägten Stadtteilzentren von Daxlanden oder Neureut für ein energetisches Quartiersmanagement an.
Die Resonanz auf die bisherigen Energiequartiere fiel unterschiedlich aus. In Rintheim war die Zeit fürs aktive Quartiersmanagement mit lediglich einem Jahr zu kurz bemessen. In den anderen drei Energiequartieren wurden zumindest zahlreiche Eigentümer über die Vorzüge einer energetischen Sanierung informiert.
Als Reinfall entpuppte sich dagegen der Energie-Effizienz-Konvoi in der Waldstadt, bei dem die Kosten für die energetischen Sanierungen durch eine Bündelung von Aufträgen gesenkt werden sollten.

Förderung durch KfW kann beantragt werden

Ein Patentrezept für die beste Strategie hat aber auch Fachmann Gewiese nicht auf Lager. Sein Tipp: Wer ohnehin einen größeren Umbau plant, sollte sich unbedingt über die verschiedenen Fördermöglichkeiten durch die KfW erkundigen.

Außerdem werden auch der altersgerechte Umbau sowie der Einsatz von modernen Heizanlagen vom Staat bezuschusst. Hausbesitzer sollten deshalb mehrere Dinge im Auge haben: Energiekosten senken, Umwelt entlasten sowie das Wohnklima durch das Beseitigen zugiger und undichter Stellen erhöhen.

Dabei können schon kleinere Maßnahmen für eine deutliche Verbesserung des Wohnklimas sorgen. Zugluft wird von vielen Menschen als besonders störend wahrgenommen. Deshalb sollten undichte Stellen an Fenstern und Rollladenkästen als erstes abgedichtet werden. Heizungsrohre im Keller mit Schaumstoffummantelungen zu isolieren, ist ebenfalls schon mit wenigen Euro machbar.