Atoll
Cirque Inextremiste ist ein Programm von Atoll in diesem September überschrieben. | Foto: pr

Mehr Zuschuss von der Stadt?

Karlsruher Tollhaus will Zirkusfestival Atoll weiter etablieren

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Gleich jetzt zum Vorverkaufsstart haben sich Fans des zeitgenössischen Zirkus Karten für das Atoll Festival gesichert. Das präsentiert das Tollhaus im September.

Die Veranstaltung geht dann in die dritte Runde und gilt schon als eine Art Leuchtturm: Das Karlsruher Kulturzentrum erkannte und förderte das künstlerische Potenzial des „Cirque Nouveau“ früher als der Rest der Republik.

Atoll begeisterte das Publikum

Der Erfolg war enorm. Gerade beim Publikum. „Die Zuschauer sind begeistert“, bilanziert Tollhaus-Chef Bernd Belschner.

Und Pressereferent Johannes Frisch ergänzt: „2017 waren bis auf eine Aufführung praktisch alle ausverkauft.“ Belschner sagt: „Unser gesamtes Team steht hinter der Sache.“

Tollhaus braucht mehr Geld von der Stadt

Gerne will man Atoll weiter etablieren, weiter entwickeln. Nur ist das Tollhaus dabei auf die Unterstützung der Stadt angewiesen.

Deshalb bittet das Haus nun um eine Erhöhung des städtischen Zuschusses – nicht nur, aber auch für eine Zukunft von Atoll. Es geht um 50.000 Euro mehr pro Jahr.

Aktuell 229.000 Euro Zuschuss

Seit 2009 erhält die als Verein geführte Kultureinrichtung auf dem Schlachthofareal von Karlsruhe 232.000 Euro Zuschuss pro Jahr.

2017 wurde der Betrag durch die allgemeinen Kürzungen auf 229.000 Euro herabgesetzt. Vom Land bekommt das Tollhaus zudem nochmals 50 Prozent von dem, was die Stadt gibt.

Miete fließt zurück an die Stadt

Von dem Geld, das Karlsruhe überweist, fließt ein Teil zurück in den Stadtsäckel: Seit 2009 stieg die direkt an die städtische Tochter Fächer GmbH gezahlte Miete von 91.000 auf nun 132.000 Euro.

Insgesamt hat das Tollhaus ein jährliches Budget von rund 3,7 Millionen Euro. „Anders als sämtliche soziokulturellen Zentren des Landes und die meisten anderen Kulturstätten erwirtschaften wir unseren Betrieb zu rund 90 Prozent aus direkten Einnahmen“, bilanziert das Haus.

135.000 Besucher bei 300 Veranstaltungen

Die Karlsruher Zahlen sind laut Belschner auf den Publikumszuspruch zurückzuführen. Bei im Schnitt 300 Veranstaltungen werden rund 135.000 Besucher gezählt.

Wobei Belschner betont: Die Ticketpreise seien in Karlsruhe im Vergleich zu Städten wie Stuttgart, München oder Hamburg eher günstig.

Breites Publikum

Gerade auch bei Atoll will das Tollhaus die Preise moderat halten: „Der Witz dieses Genres ist ja nicht zuletzt, dass es ein breites Publikum anspricht. Das soll auch für Familien erschwinglich sein“, sagt Belschner.

Er kämpft insgesamt mit steigenden Kosten, angefangen bei der Energie. Und die Personalkosten hätten sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Dabei arbeite das Kulturzentrum mit einer geringen Decke an Mitarbeitern, die dringend erweitert werden müsse.

Strahlkraft

Deshalb brauche man mehr Geld von der Stadt: „Um unsere Strahlkraft und damit einen nicht geringen Beitrag zur kulturellen Attraktivität der Stadt Karlsruhe zu erhalten.“

Einmalig hofft das Haus zudem auf 55.000 Euro als Zuschuss für die Ausstattung der Zirkusakademie im „Haus der Produktionen“ ebenfalls auf dem Schlachthofgelände. Erstmals in der 36-jährigen Geschichte des Kulturvereins wird das Tollhaus dort Räume anmieten, die nicht für öffentliche Vorführung genutzt werden. Sie werden vielmehr zum Proben und Erarbeiten neuer Produktionen benötigt. Dies soll das Schwerpunktthema „zeitgenössischer Zirkus“ um eine Facette bereichern.

Artisten sollen am Frühjahr proben

Die ersten Artisten sollen dort ab Frühjahr für jeweils ein bis drei Wochen proben dürfen. Ende dieses Jahres übernimmt das Tollhaus von der Fächer GmbH den „veredelten Rohbau“ und will dann in drei Monaten und viel Eigenarbeit alles aufbauen.

Die beantragten 55.000 Euro sind die Hälfte des Minimums, was das kosten wird, so Belschner. Über die Soziokultur-Mittel für Ausstattung neuer Kulturräume versuchte man zudem vom Land einen einmaligen Ausstattungszuschuss in Höhe von ebenfalls 55.000 Euro zu bekommen.

Atoll kostete 160.000 Euro

Zirkusakademie und steigende Kosten sind also Gründe, warum man mehr Unterstützung braucht. Und dann ist da eben noch Atoll. 160.000 Euro kostete das Festival im vergangenen Jahr.

Damals flossen vom Land aus dem Investitionsfond einmalig 40.000 Euro. Ein Drittel der Gesamtausgaben wurden über den Eintritt erwirtschaftet, ein Drittel waren Drittmittel, Eigenmittel, Spenden und Sponsorengelder. Der Rest floss als öffentlicher Zuschuss – darunter 5.000 Euro von der Stadt.

70.000 Euro für Künstlergagen

70 000 Euro waren Künstlergagen. Reisekosten schlugen mit 13.000 Euro zu Buche. „Im normalen Betrieb buchen wir meist Künstler, die eh auf Tournee sind. Bei Atoll ist das anders“, so Belschner. Deshalb könne man viele Erstaufführungen in Deutschland präsentieren.
Das Tollhaus kann sich vorstellen, das Festival künftig über zwei Wochenenden zu erstrecken. Der Leuchtturm könne sich entwickeln, weiter strahlen – nach innen und außen.

Bundesweite Aufmerksamkeit

Immerhin begeisterte man nicht nur die Karlsruher, sondern erregte ebenso bundesweit Aufmerksamkeit. Inzwischen fragte gar eine Stadt aus einem anderen Bundesland an, ob die Karlsruher dort nicht ebenfalls einen Atoll-Ableger entwickeln wollen.
Im Herbst wird der Doppelhaushalt 2019/20 vom Gemeinderat verabschiedet. Belschner sagt: Käme der Antrag nicht durch, wäre das ein Schlag für das Tollhaus.