Infektionsschutz auf rotem Sand: Beim Tennistraining müssen Übungsleiterin Barbara Lado (Zweite von rechts) und die Jugendlichen des FC Südstern den Mindestabsand von 1,50 Meter einhalten. Die Ballsammelröhren aus Kunststoff werden nach jeder Einheit gereinigt und desinfiziert
Infektionsschutz auf rotem Sand: Beim Tennistraining müssen Übungsleiterin Barbara Lado (Zweite von rechts) und die Jugendlichen des FC Südstern den Mindestabsand von 1,50 Meter einhalten. Die Ballsammelröhren aus Kunststoff werden nach jeder Einheit gereinigt und desinfiziert | Foto: jodo

Durchwachsener Wiedereinstieg

Spagat zwischen Sport und Schutz: Karlsruhe trainiert wieder

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In Karlsruhe wird wieder trainiert. Natürlich unter Einhaltung der Sicherheitsvorkehrungen. In manchen Sportarten fällt der Wiedereinstieg leichter als in anderen. Während die Tennisspieler vielerorts bereits die ersten Bälle schlagen, wird bei anderen Sportarten noch an den Corona-Konzepten gearbeitet.

Vorhand longline, Rückhand longline, Vorhand cross, Rückhand cross: Konzentriert und motiviert gehen die drei Mädchen auf der Anlage des FC Südstern bei ihrem ersten Tennistraining seit zwei Monaten zu Werke. Verlernt haben die kleinen Filzballkünstlerinnen während der Zwangspause offenbar nichts, und deshalb muss Trainerin Barbara Lado beim Balltraining keine allzu großen Kompromisse eingehen.

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Ausnahmesituation ist erst auf den zweiten Blick zu sehen

Auch sonst ist auf den ersten Blick nur wenig von einer Ausnahmesituation zu sehen. Dass Tennisspieler Abstand halten erscheint ebenso normal wie das Aufsammeln der Bälle mit speziellen Kunststoffröhren. Dass Lado die Kinder nicht abklatscht, ist allerdings ebenso den Hygieneverordnungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geschuldet wie das Desinfizieren der Sammelröhren zwischen den einzelnen Übungseinheiten.

„Die Vorgaben zur Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs sind recht detailliert. Außerdem haben wir uns noch eigene Gedanken zum bestmöglichen Umgang mit der Situation gemacht“, sagt Abteilungsleiter Andreas Schößler. Selbst bei strenger Einhaltung sämtlicher Vorgaben sei beim Tennis allerdings ein weitgehend normaler Trainingsbetrieb möglich.

Für einen erhöhten Aufwand sorge neben der regelmäßigen Desinfektion der Sportgeräte vor allem die Dokumentation sämtlicher Trainingsgäste zur Erfassung möglicher Infektionsketten.

Auch in anderen Sportvereinen wird in dieser Woche bereits wieder Tennis gespielt. Am Montag fiel der verspätete Saisonauftakt zwar dem starken Regen zum Opfer, aber bereits am Dienstag wurden überall im Stadtgebiet die ersten Bälle geschlagen.

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Wiedereinstieg nach Corona-Zwangspause ist nicht in allen Sportarten einfach

So einfach der Wiedereinstieg in den organisierten Vereinssport beim Tennis oder beim Golf erscheint, so schwierig gestaltet sich die Umsetzung der Verordnungen jedoch in anderen Sportarten. „Unsere Fußballer scharren zwar schon mit den Hufen. Dennoch werden wir erst mal auf die Bremse treten und schauen, was wirklich sinnvoll ist“, sagt Roland Löffler.

Der Vorsitzende des SC Wettersbach will zunächst einmal den Bedarf für die einzelnen Angebote erheben und dazu noch mögliche Risiken reduzieren. „Es wäre Wahnsinn, etwas mit großem Aufwand anzuschieben, das am Ende gar nicht gebraucht wird“, sagt Löffler.

Arbeit an der Umsetzung von Corona-Konzepten

Mit Hochdruck an der Umsetzung von Corona-Konzepten arbeiten in dieser Woche die größten Sportvereine. Auf der Anlage des SSC Karlsruhe südlich der Waldstadt sollen bereits am Freitag die ersten Kurse über die Bühne gehen. Beim PS Karlsruhe in Rüppurr ist der Wiedereinstieg in den organisierten Reha- und Gesundheitssport für Montag geplant.

Die größte Herausforderung stellt neben der Einhaltung von sämtlichen Hygiene-Vorgaben das Erstellen eines angepassten Zeit- und Raumkonzepts dar. Weil sich auf einer Fläche bis zu 1.000 Quadratmetern lediglich fünf Sportler inklusive Übungsleiter aufhalten dürfen, wird bei den Großsportvereinen deshalb schichtweise die komplette Anlage bespielt.

Um den richtigen Umgang mit der Krise ringen dagegen noch die Handballer des TSV Rintheim. „Natürlich haben wir uns in den vergangenen Wochen viele Gedanken gemacht und über mögliche Trainingsformen gesprochen“, sagt Abteilungsleiter Olaf Hebel. Allerdings sei weder das Passen noch ein gemeinsames Training eines gesamten Teams möglich und deshalb ein Handballtraining bei Jugendlichen derzeit wenig zielführend.

Mir persönlich gehen die Lockerungen und die Öffnungen derzeit aber eigentlich zu weit

Olaf Hebel, Abteilungsleiter Handballer TSV Rintheim

Pro Jugend müssten nach dem derzeitigen Stand gleich mehrere verschiedene Trainingszeiten eingerichtet werden. „Den Kindern fehlen die sozialen Kontakte und das Miteinander im Team. Mir persönlich gehen die Lockerungen und die Öffnungen derzeit aber eigentlich zu weit“, betont Hebel. „Wenn wir im Verein eine Infektionskette haben, dann haben wir ein echtes Problem und müssen uns auch vor den Eltern rechtfertigen.“

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Schutz von Kindern steht an oberster Stelle

Ähnlich sieht es Enrico Steinbach. Der Jugendleiter der SG Daxlanden will mit dem Trainingsbetrieb erst nach den Pfingstferien beginnen. „Hoffentlich hat sich die Lage bis dahin etwas entspannt und es gibt neue Erkenntnisse zum Umgang mit der Situation“, sagt Steinbach. Bei der Nachwuchsarbeit in einem Breitensportverein stehe schließlich der Schutz der Kinder an oberster Stelle. Dieser könne derzeit nicht zu 100 Prozent garantiert werden.

Die Runde wird eh abgebrochen. Da fragen wir uns, ob Fußballtraining überhaupt sinnvoll ist

Eckhard Dobovolny, DJK Mühlburg

Doch auch erwachsene Mannschaftssportler treibt es noch nicht mit aller Gewalt zurück auf die Rasenplätze. „Die Runde wird eh abgebrochen. Da fragen wir uns, ob Fußballtraining überhaupt sinnvoll ist“, sagt Eckhard Dobrovolny von der DJK Mühlburg.

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Für das hauptberufliche Tennistrainer-Paar Barbara Lado und Andreas Schößler spielen allerdings auch wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle. Schößler: „Wenn wir den Sommer durchspielen können, sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen.“