Mathe lernen mit Digitaltechnik – das ist für Schüler der 8a der Rennbuckel-Schule bei Lehrer Malte Schütz (an der Tafel) längst Routine.
Mathe lernen mit Digitaltechnik – das ist für Schüler der 8a der Rennbuckel-Schule bei Lehrer Malte Schütz (an der Tafel) längst Routine. | Foto: Jörg Donecker

Digitalpakt ausgeschöpft

Karlsruhe treibt Digitalisierung an Schulen schrittweise voran

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Die Digitalisierung hält an Karlsruher Schulen Schritt für Schritt Einzug. Die Mittel aus dem Digitalpakt wird die Stadt wohl voll ausschöpfen – doch reichen wird das allein nicht, um die Schüler an allen Schulen der Stadt mit Geräten und digitalen Kompetenzen zu versorgen. 

Ins Schulheft gezeichnet wird in Malte Schütz’ Matheunterricht schon noch. Doch an der Rennbuckel-Realschule kommen zusätzlich digitale Lernmittel zum Einsatz: Auf dem ausgedruckten Arbeitsblatt ist ein QR-Code, der mit dem Tablet eingescannt wird – und schon spannt sich auf dem Bildschirm das Trapez auf, dessen Flächeninhalt die Schüler berechnen sollen.

Bei den Fremdsprachen haben die Schüler ebenfalls digitale Unterstützung. „Sie können unterschiedliche Apps nutzen, zum Beispiel zum Wortschatz“, erklärt Sascha Sütterlin, Konrektor der Rennbuckel-Realschule. „Die Schüler können miteinander in Wettbewerb treten, mit den Programmen zu Hause an die Lerninhalte aus dem Unterricht anknüpfen – oder anders herum.“

Unterricht verändert sich durch digitale Hilfsmittel

Flipped Classroom nennt sich die Methode, bei der die Schüler als Hausaufgabe ein Lernvideo anschauen sollen, an das dann die nächste Schulstunde mit Anwendungsaufgaben anknüpft. „Die Schüler können indiviuell und kooperativ arbeiten, ohne dabei im selben Raum sein zu müssen“, gibt Sütterlin ein weiteres Beispiel fürs digitale Lernen. „Es geht darum, die Eigenverantwortung der Schüler zu stärken.“

Der Unterricht verändere sich durch den Einsatz von Digitaltechnik, könne produktiver werden. Die Rennbuckel-Realschule habe durchweg gute Erfahrungen mit der Digitalisierung des Unterrichts gemacht, will sie weiter ausbauen. Sie ist damit ebenso wie etwa die Ernst-Reuter-Schule eine der digitalen Vorreiterinnen in der Karlsruher Schullandschaft.

Andere Schulen werden erst nach und nach durch städtische Maßnahmen technisch ausgestattet. Anfang Dezember beschloss der Hauptausschuss des Gemeinderats die Auslieferung von Geräten an 41 Schulen – mehr als 1 200 Tablets samt Zubehör, drei Computer, acht Laptops und 121 internetfähige TV-Systeme der Marke Apple für insgesamt gut 570 000 Euro.

Karlsruhe kommt dem Digitalpakt zuvor – mit eigenem Konzept

Auf Nachfrage der Stadträte erklärte Joachim Frisch, Leiter des Schulamts Karlsruhe, dass man sich in Zusammenarbeit mit den Schulen und dem Stadtmedienzentrum (SMZ) für die Apple-Geräte entschieden habe, weil diese von den Nutzern leicht zu handhaben und die Wartung im laufenden Betrieb vom SMZ gut zu managen sei. Das sei auch der Grund, warum die Stadträte Apple-Tablets nutzten.

Die Karlsruher Schulen können seit Mai dieses Jahres Mittel aus dem Digitalpakt von Bund und Ländern beantragen. (Siehe Stichwort). Bis jetzt sei aber noch kein Antrag gestellt worden, erklärt Frisch auf BNN-Anfrage. „In Karlsruhe haben wir die Besonderheit, dass es ja schon ein Digitalisierungskonzept gibt.“ Es trägt den Namen „Medienmoderne Schule/IT-Schulstadt Karlsruhe“ und sieht laut Frisch im Prinzip schon die Maßnahmen vor, die auch durch den Digitalisierungspakt finanziert werden sollen.

Der Digitalpakt Schule ist ein Finanzierungsinstrument, mit dem Bund und Länder die digitale Bildungsinfrastruktur und den Erwerb digitaler Kompetenzen an Schulen verbessern wollen. So sollen etwa Tablets und interaktive Tafeln in den Klassenräumen sowie WLAN im Schulgebäude ermöglicht werden.
Finanziert aus dem Digitalinfrastrukturfonds, stellt der Bund rund fünf Milliarden Euro zur Verfügung. Baden-Württemberg bekommt 650 Millionen Euro. Davon sind 585 Millionen Euro für Investitionen an den Schulen vorgesehen. Im Durchschnitt erhält damit jede Schule 142 000 Euro, pro Schüler sind das 433 Euro.
Für die 90 Karlsruher Schulen in städtischer Trägerschaft stehen aus dem Digitalpakt 15,7 Millionen Euro zur Verfügung. Ausgaben in Höhe von 15,3 Millionen Euro wurden bereits im Digitalisierungskonzept „Medienmoderne Schule/IT-Schulstadt Karlsruhe“ veranschlagt, das die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Schulamt und dem Stadtmedienzentrum Karlsruhe 2017/18 erarbeitet hat.

15,7 Millionen Euro stünden Karlsruher Schulen insgesamt aus diesem Topf zu – 15,3 Millionen wurden bereits bei den Planungen 2017/2018 veranschlagt. „Ob da tatsächlich noch was übrig bleibt, weiß ich nicht“, sagt Frisch gegenüber den BNN. Kostensteigerungen seien immer möglich. Die Finanzspritze aus dem Digitalpakt schöpft die Stadt Karlsruhe also wohl komplett aus.

Schritt für Schritt ins digitale Zeitalter

Doch es reicht nicht, die technische Infrastruktur, also Geräte und Internetanschlüsse, einmalig anzuschaffen. Die Technik muss regelmäßig gewartet werden – eine Aufgabe, die allzu oft noch an Lehrern hängenbleibt. Das Stadtmedienzentrum hatte bei der Ausarbeitung des Digitalisierungskonzeptes errechnet, dass sechs Vollzeitstellen nötig wären, um die technische Betreuung für alle Karlsruher Schulen abzudecken.

Aus finanziellen Gründen einigte man sich mit der Stadtverwaltung auf zwei Mitarbeiter, die am SMZ angestellt sind und im Projekt „Technischer Support für Karlsruher Schulen (TeSKA)“, zunächst 38 ausgewählte Schulen versorgen. „Schon zu Beginn haben wir gemerkt, dass manche Schulen noch gar nicht ausreichend mit Geräten ausgestatten waren“, erklärt SMZ-Leiter Jörg Schumacher.

Drei Geräte pro Klasse pro Jahr

Das geschehe Schritt für Schritt, und so ziehe das Thema Medienbildung erst langsam in den Schulalltag ein. „Alle Karlsruher Schulen werden in den nächsten vier Jahren ans Glasfasernetz angeschlossen und mit WLAN ausgestattet“, erklärt Schumacher. Jeder Unterrichtsraum soll mit Präsentationstechnik ausgestattet werden – rein rechnerisch seien das drei Geräte pro Klasse und Jahr.

„Was wir in Karlsruhe machen, ist schon extrem innovativ, wenn man es beispielsweise mit der Situation im Landkreis vergleicht“, so Schumacher. Dennoch: Nicht nur in den Schulen, in der ganzen Stadt finde das Thema Digitalisierung noch zu wenig Beachtung. „Wir müssen die Technologien als Lerngeräte in die Schulen bringen, weil wir unsere Kinder für eine Welt fit machen müssen, die sich in den nächsten Jahren radikal verändern wird“, ist der SMZ-Leiter überzeugt.

Die Mittel aus dem Digitalpakt werden nicht ausreichen

Die Digitalisierung bricht sich auch bei den Unterrichtsinhalten Bahn: Seit dem Schuljahr 2018/2019 ist an Gymnasien das Profil IMP (für Informatik, Mathematik, Physik) in der Mittelstufe möglich. Laut Schulamtsleiter Joachim Frisch ist es an den öffentlichen Schulen in Karlsruhe sehr beliebt: Am Gymnasium Neureut, am Goethe-, Humboldt- und Markgrafen-Gymnasium kann das Profil aktuell gewählt werden. „Fürs nächste Jahr gibt es bereits zwei weitere Schulen, die Interesse haben“, so Frisch, „ich denke, das zeigt den Bedarf.“

Derweil werden weiter Stück für Stück, Meter für Meter Tablets verteilt und Internetkabel verlegt. An der Rennbuckel-Realschule hat jeder Schüler sein eigenes Tablet, gekauft von den Eltern. Die Wartung hat die Schule somit ausgelagert. „Es ist das Einzige, was funktioniert“, erklärt Rektor Ralf Gerner. „Selbst die Mittel aus dem Digitalpakt werden nicht ausreichen, ansatzweise genügend Geräte zur Verfügung zu stellen.“