Käuflein
Auch ihm fehlen Theater und Co: Bürgermeister Albert Käuflein verweist darauf, dass es in der Krise um Geld, aber auch um Spielstätten und damit Raum geht. | Foto: jodo

Existenzsicherung ist angesagt

Karlsruhe will der Kultur durch die Krise helfen

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Ob Substage und Alte Hackerei auf dem Schlachthof-Areal oder der Kulturraum P8 in der Nordstadt: Im Zuge der Corona-Krise droht Karlsruhe ein Sterben von Kultureinrichtungen. Genau das gilt es zu verhindern, betont der zuständige Bürgermeister Albert Käuflein (CDU).

Käuflein sagt: „Ich möchte, dass nach und unter Corona keine Kulturinstitution sowie kein Künstler oder Kulturschaffender verloren gehen.“ An oberster Stelle stehe die Existenzsicherung.

Die Stadt soll helfen und braucht selbst Hilfe

Albert Käuflein (CDU), Bürgermeister in Karlsruhe

Käuflein verweist auf Bundes- und Landeshilfen. „Mit der Soforthilfe für Kunst- und Kulturschaffende liegt Baden-Württemberg bundesweit vorne.“ Dennoch werde es Einrichtungen geben, die am Ende finanzielle Unterstützung von der Stadt benötigen, um zu Überleben.

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„Die Stadt soll helfen und braucht selbst Hilfe“, fasst Käuflein die Lage zusammen. Der Bürgermeister will aktuell keinen Betrag nennen, den die Stadt zur Verfügung stellen soll. „Keiner weiß, wie lange die Situation andauert, was die Rettung tatsächlich kostet und wie die Stadt finanziell dasteht.“

Bürgermeister Käuflein ist für die Prüfung jedes Einzelfalls

Die Karlsruher Liste (KAL) fordert einen städtischen Rettungstopf von fünf Millionen Euro. Käuflein ist gegen einen mit einer Zahl versehenen städtischen Topf. „Ich bin dafür, dass wir jeden Einzelfall betrachten.“ Mit dieser Position geht er Mitte Juni in den Kulturausschuss. Danach muss dann der Gemeinderat entscheiden.

In einer Vorlage der Verwaltung heißt es: „Die von der Stadt geförderten Strukturen und Institutionen im Bereich der Kultur sind unbedingt zu erhalten. Die Verwaltung fordert in diesem Sinne alle Betroffenen auf, sich in finanzieller Existenzgefährdung rechtzeitig an die Stadt zu wenden, um im jeweiligen Einzelfall die notwendigen und möglichen Hilfen, in Ergänzung zu den Bundes- und Landeshilfen, gegebenenfalls gewährleisten zu können.“ Diese Hilfe erfolge nach klaren vorgegebenen Kriterien.

Badischer Sportbund als Vorbild?

Möglicherweise sehen sie ähnlich aus wie die Unterstützung, die der Badische Sportbund Vereinen geben wird. Auch da schaut man individuell, wer Kredite oder am Ende Zuschüsse braucht. „Die Frage ist, was zurückbezahlt werden muss“, sagt Käuflein.

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Stand jetzt stundet die Stadt den in städtischen Immobilien residierenden Kulturbetrieben bis 30. Juni die Miete. Zuschüsse, die für das ganze Jahr 2020 angelegt waren, konnten schon abgerufen werden. „Zudem fördern wir gezielt digitale Projekte.“ Auf diesem Weg habe man etwas Zeit gewonnen und Liquidität gesichert.

Es geht um Geld und um Raum

Nun wollen die Häuser zeitnah Ansagen, mit welcher Hilfe sie darüber hinaus rechnen können. Viele stecken in einem Dilemma: Bieten sie jetzt wieder Kultur an, findet das wegen der Auflagen vor wenigen Zuschauern statt. Sie werden somit nicht wirtschaftlich arbeiten, sondern beim ersten Hochfahren wohl sogar drauflegen. „Auch da gilt: Bei den städtischen Hilfen hat Existenzsicherung Priorität“, so Käuflein.

Ohnehin gehe es nicht nur um Geld, sondern ebenso um Raum – gerade, wenn Kultur auf Abstand stattfinden muss. „Kleinere Einrichtungen brauchen mittlere Räume. Mittlere Einrichtungen brauchen große Räume.“ Das Tollhaus hat bereits Bereitschaft signalisiert, sein kleines Haus einigen Theatern zur Verfügung zu stellen, die in ihren Räumen vielleicht noch Platz für 20 Zuschauer hätten. Im Tollhaus sind es 100.

Werden Kirchen zu Konzertsälen?

„Es gibt Gespräche zwischen weiteren Einrichtungen“, berichtet Käuflein. Beteiligt daran sei auch das Badische Staatstheater. Käuflein kann sich Kultur im Bürgerzentrum Südwerk, in Kirchen oder kirchlichen Räumen vorstellen. „Der Oberbürgermeister sucht dazu gerade das Gespräch mit den Dekanen.“

Die Idee, Kultur in Hallen der Messe stattfinden zu lassen, halten Käuflein und Frank Mentrup für nicht zielführend. „Wenn größere Veranstaltungen erlaubt sind, läuft absehbar auch das Messe- und Kongressgeschäft an. Dann sind die Hallen nicht verfügbar“, urteilt der Bürgermeister.

Das Kulturamt, aber ebenso das Amt für Stadtentwicklung helfen den Einrichtungen bei der Suche nach Räumen, versichert Käuflein. „Das gilt auch für Vereine, die beispielsweise eine Jahreshauptversammlung abhalten müssen.“

Käuflein beobachtet dabei beim privaten Gottesdienstbesuch: „Es kommen weniger Leute als es Kapazitäten gibt.“ Ähnlich sehe es im Handel und bei der Gastronomie aus. Er hält es für möglich, dass auch beim Wiederhochfahren der Kultur mancher zögert.

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Kurzweil im Autokino

Dabei gesteht der Dezernent: „Mir fehlt etwas.“ Immer wieder sehe er Vormerkungen im Kalender, die jetzt mit dem Zusatz „abgesagt“ versehen sind. Dafür besuchte Käuflein die Premiere des Autokinos auf dem Messplatz, „Die Känguru-Chroniken“ liefen.

„Ich finde, das Autokino ist ein Beispiel, dass jemand ein Risiko eingeht und in der Krise die Initiative ergreift.“ Käuflein berichtet: „Nach dem Besuch im Autokino stellte meine Frau fest, dass sie nach langer Zeit mal zwei Stunden nicht mehr an Corona gedacht hatte.“