Die Brücke am Schwarzwaldkreuz in Karlsruhe ist eine von rund 270 in städtischer Hand, die künftig mindestens einmal pro Jahr gereinigt werden sollen. Neu eingestellte Mitarbeiter entfernen ab Februar Staub, Laub oder Streusalz, um den Verfall zu bremsen.
Die Brücke am Schwarzwaldkreuz in Karlsruhe ist eine von rund 270 in städtischer Hand, die künftig mindestens einmal pro Jahr gereinigt werden sollen. Neu eingestellte Mitarbeiter entfernen ab Februar Staub, Laub oder Streusalz, um den Verfall zu bremsen. | Foto: jodo

Sanierungsbedarf

Karlsruhe will durch Brücken-Putztrupp Millionen sparen

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Einen Besen hat so manche verwinkelte Ecke an den Brücken der Stadt seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. In den nächsten Monaten soll sich das ändern. Mit großem Personal- und Materialaufwand werden die Bauwerke gereinigt. Geht es nach den Verantwortlichen, ist das nur der Anfang. Mindestens einmal pro Jahr soll ein gerade erst geschaffener Putztrupp künftig an jeder Brücke für saubere Flächen, Ecken und Kanten sorgen.

„An manchen Stellen“ sei das bislang vernachlässigt worden, gibt ein Vertreter des Tiefbauamtes (TBA) auf Nachfrage der BNN zu. Dabei könne die Grundreinigung den Verfall der Konstruktionen abbremsen und Sanierungen um Jahre hinauszögern.

Viele Brücken sind mindestens 30 Jahre alt

Die meisten der rund 150 Straßen- und 120 Fußgängerbrücken im Stadtgebiet sind zwischen 1960 und 1990 gebaut worden. „Wir müssen ihnen mehr Aufmerksamkeit schenken“, sagt der im TBA für die Brücken verantwortliche Tobias Pfister. „Schon um eine wirtschaftliche Brückenerhaltung sicherzustellen.“

Erste Schäden träten je nach Konstruktion nach zehn bis 15 Jahren auf. Nach 30 bis 40 Jahren stehe oft eine größere Sanierung an. Dass diese längst nicht alle in die Jahre gekommenen Brücken erfahren haben, liege an der unterschiedlichen Nutzungsfrequenz und Bauart, erklärt Pfister.

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Laub, Staub und Streusalz können den Verfall beschleunigen

Ab Februar sollen also Besen und Bürsten dabei helfen, die Lebenszeit der Bauwerke zu verlängern. „Staub oder Laub speichern Feuchtigkeit, die in die Betonstrukturen eindringen und sie schwer beschädigen kann“, erläutert Pfister. Auch andere organische Substanzen oder Streusalz-Reste setzen den Konstruktionen aus Beton und Stahl schwer zu. „Je länger man es liegen lässt, desto schneller geht an den Brücken etwas kaputt.“

Das Amt für Abfallwirtschaft (AfA) hat für die zusätzliche Reinigungsaufgabe neue Mitarbeiter eingestellt und Ausrüstung gekauft. Trotz technischer Unterstützung wird das Reinigungsteam oft auf Handarbeit angewiesen sein, da beispielsweise sogenannte Widerlager unter den Brücken nur schwer zugänglich sind.

Bisher hatte das Amt sich wie gesetzlich vorgesehen nur um die Straßen-, Rad- und Gehwegflächen auf den Brücken gekümmert. Aufträge zur präventiven Reinigung waren die Ausnahme – ab Februar sind sie die Regel.

Man kann vermuten, dass für Sanierung und Neubau bald mehr Geld notwendig ist.

Tobias Pfister, Tiefbauamt Karlsruhe

Durch die Neuorganisation hofft man in der Verwaltung, Millionen-Investitionen um Jahre nach hinten schieben zu können. Für Sanierung, Instandhaltung und Neubau steht dem Tiefbauamt derzeit rund eine Million Euro pro Jahr zur Verfügung.

Dazu kommen regelmäßig Großprojekte jenseits der 500.000-Euro-Grenze, wie die Erneuerung der Zeppelinbrücke. „Man kann vermuten, dass für Sanierung und Neubau aufgrund des Alters vieler Brücken bald mehr Geld notwendig ist“, sagt Pfister.

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Stadt reinigt auch Brücken von Bund und Land

Wann dieses „bald“ eintritt, darauf hat das Großreinemachen einen gehörigen Einfluss. Wo es beginnt, ist derzeit noch nicht klar. Man habe dem AfA eine Liste übergeben, sagt der Brückenverantwortliche. Ganz oben stehen große Bauwerke und Hauptverkehrsstraßen.

„Um die Arbeitssicherheit zu gewährleisten, müssen wir sicher die ein oder andere Tagesbaustelle einrichten“, erklärt Pfister. Halbseitige Sperrungen oder der Einsatz von Ampeln sind nicht auszuschließen. Neben den eigenen rund 270 Bauwerken kümmern sich die Ämter auch um Bundes- und Landesbrücken auf Gemarkung der Stadt, für deren Unterhalt sie seit der Verwaltungsreform im Jahr 2005 zuständig sind.

Den Zustand der eigenen Brücken kontrollieren Mitarbeiter des TBA in regelmäßigen Abständen. An vereinzelten Bauwerken gibt es laut dieser Bestandsaufnahmen schon jetzt Schäden. Zu Problemen mit der Verkehrssicherheit haben sie aber noch nicht geführt. Brückensperrungen stehen keine im Raum. „Das wäre das allerletzte Mittel“, sagt Pfister.