Oftmals bestanden Behandlungsraum und Wartezimmer für Iris Wichel nur aus Hütten, die aus Holz und Stroh gebaut sind. Die Karlsruher Ärztin war sechs Wochen lang für die Organisation German Doctors auf der Philippinen-Insel Mindoro im Einsatz.
Oftmals bestanden Behandlungsraum und Wartezimmer für Iris Wichel nur aus Hütten, die aus Holz und Stroh gebaut sind. Die Karlsruher Ärztin war sechs Wochen lang für die Organisation German Doctors auf der Philippinen-Insel Mindoro im Einsatz. | Foto: Wiechel

Für German Doctors

Karlsruher Ärztin im Einsatz auf den Philippinen

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„Meine Hände, meine Ausbildung, meine Sinne, Stethoskop, Spatel und Ohrenspiegel“, zählt Iris Wiechel die wichtigsten Diagnoseinstrumente auf, die ihr zur Verfügung standen. Die Liste wirkt spärlich, und natürlich hat die moderne Medizin mehr zu bieten. Nicht aber auf Mindoro, der siebtgrößten Insel der Philippinen, auf der die Karlsruher Ärztin im Einsatz war. Sie behandelte dort sechs Wochen lang Mitglieder der Bevölkerungsgruppe der Mangyan.

Iris Wiechel behandelte 60 bis 70 Patienten am Tag

Zurück in Karlsruhe berichtet Wiechel von ihren Erfahrungen, die sie gemacht hat im Einsatz für und mit German Doctors. Die 1983 als „Ärzte für die Dritte Welt“ gegründete Organisation ist seit 2015 auf Mindoro aktiv. Dort betreibt sie sogenannte Rolling Clinics. Für Wiechel hieß das: Gemeinsam mit zwei Helferinnen – die eine war für die Medikamente zuständig, die andere kümmerte sich um Laboruntersuchungen – sowie einer Krankenschwester fuhr sie in insgesamt 20 abgelegene Orte, jeden Tag in einen anderen, und behandelte dort täglich 60 bis 70 Patienten. Auf den Fotos, die sie mitgebracht hat, sind zumeist einfachste Hütten zu sehen, oft nur aus Holz und Stroh gebaut.

Krankheiten, die so es in Deutschland nicht mehr gibt

Dort begegnete sie Krankheiten, die es so in Deutschland überhaupt nicht mehr gibt. Wiechel erinnert sich an einen sechsjährigen an Tuberkulose (TBC) erkrankten Jungen, der seit sechs Monaten nicht mehr laufen konnte. Sie berichtet von einer ebenfalls TBC-kranken 27-Jährigen, die in einem aufgeschnittenen Kanister zu ihrer provisorischen Praxis gezogen wurde. Da waren Verbrennungen wegen der in den Hütten vor sich hin glimmenden Feuer, zahllose Haut- und Wurmerkrankungen und Eiweißmangel. Vieles davon ist in den Griff zu kriegen – auch dank der Medikamente, die German Doctors aus Spenden finanziert, vor Ort kauft und kostenlos an die Bedürftigen abgibt.

Oft katastrophale hygienische Verhältnisse

„Viele klagen über Schmerzen“, erzählt Wiechel: „Und wenn Sie dann fragen, wann sie das letzte Mal etwas gegessen haben, ist das zwei Tage her, und das ist die Ursache.“ Auf der anderen Seite gebe es in jedem noch so kleinen Dorf Süßigkeiten zu kaufen, gleichzeitig mangle es aber an der Mundhygiene: „Ich habe noch nie zuvor so schlechte Zähne gesehen.“ Neben der allgegenwärtigen Mangelernährung nennt sie weitere Probleme. Die hygienischen Verhältnisse seien oft katastrophal. Auf einigen von Wiechels Fotos sind Schweine und Hühner zu sehen, die frei im Dorf und auch quer durch die provisorische Praxis laufen. „In der Kultur der Mangyan gilt: Wasser ist schädlich“, weiß sie. Der Grund sei, dass dieses oft schmutzig und mit Keimen belastet sei – doch so absolut formuliert erleichtere die Regel die Arbeit nicht. Diese besteht, auch deshalb, ungefähr zur Hälfte aus Aufklärung.

Einsatz für German Doctors war Eintauchen in andere Welt

Warum sie ihren Urlaub unter diesen Bedingungen verbringt? „Ich fühle mich moralisch verpflichtet zu helfen“, sagt Wiechel. Und verliert zugleich nie den Blick für die positiven und die schönen Aspekte, die für manchen anderen vielleicht von Armut und den damit verbundenen Problemen verdeckt würden.

Iris Wiechel behandelte für German Doctors auf der Insel Mindoro Mitglieder der Bevölkerungsgruppe der Mangyan.
Iris Wiechel behandelte für German Doctors auf der Insel Mindoro Mitglieder der Bevölkerungsgruppe der Mangyan. | Foto: pr

Für sie selbst sei der Einsatz ein „Eintauchen in eine andere Welt mit vielem, das hier in Deutschland nicht vorstellbar ist,“ gewesen: „Ich habe gesehen, wir sind nicht die Götter der Welt, aber auch, dass man im Kleinen viel bewegen kann.“

Philippinische Mitarbeiter sind die Konstante

Außerdem stellt sie fest: „Die Menschen dort sind zufrieden. Und sie sind froh, wenn man ihnen hilft.“ Da sei eine Lebensfreude – trotz, der Not, des Hungers und der schwierigen Wetterverhältnisse. Sie wolle, „in der Kultur helfen“, nicht alles verändern. Ganz im Sinne des Mottos von German Doctors gehe es dabei um „Hilfe die bleibt“. Wer auch bleibt, sind die philippinischen Mitarbeiter. „Das Team ist die Konstante“, betont Wiechel. Die Mitarbeiter ermöglichten es, Distanz zu überwinden. Nicht nur, dass die Krankenschwester auch übersetzt, das Team ist in den Dörfern bekannt, weil es immer wieder kommt – im Gegensatz zu den Ärzten, die nach sechs Wochen wieder nach Deutschland zurückkehren. Es kenne auch die sozialen Verhältnisse.

Iris Wiechel erkennt positive Dinge – ohne das Negative zu ignorieren

Wenn Wiechel über ihren Einsatz erzählt, ist da oft eine besondere Art der Freude. Sie erkennt die positiven Dinge, sieht die schönen Erfahrungen – ohne die Probleme zu ignorieren oder nicht klar zu benennen. Das
Negative gewinnt nur nie die Oberhand. „Es war erfüllend“, sagt sie selbst. Zu Hause hat sie nun etwas vor: „Ich will meinen Patienten etwas von dem, was ich dort erfahren und gelernt habe, weitergeben.“ Zudem ist sie sich sicher: Ihr vergangener Einsatz für German Doctors auf den Philippinen soll nicht der letzte gewesen sein: „Ich will wieder dort hin.“