OB Frank Mentrup (Foto) und Bürgermeisterin Bettina Lisbach starten Online-Beteiligung. | Foto: Sönke Möhl (dpa)

Online-Beteiligung

Karlsruher Bürger schmieden am Klimakonzept

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Karlsruhe macht Klima und die Bürger können mitmischen: Beim Klimaforum am Freitagabend im Bürgerzentrum Südwerk in der Südstadt haben Oberbürgermeister Frank Mentrup und Bürgermeisterin Bettina Lisbach den Startschuss für die Online-Beteiligung gegeben. Ab sofort kann jeder seine Ideen für das Karlsruher Klimaschutzkonzept 2030 vorbringen – und zwar auf dem Beteiligungsportal der Stadt.

Bis zum 26. Januar kann dort jeder Karlsruher seine Vorschläge aufschreiben. „Je konkreter sie formuliert sind, desto besser“, sagt Bürgermeisterin Bettina Lisbach. Anschließend werden die Einträge ausgewertet und beraten. Der Gemeinderat soll dann am 24. März des nächsten Jahres das Klimaschutzkonzept 2030 beschließen.

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Entwurf zum Klimaschutzkonzept 2030

Den ersten Stoß an Wünschen, Ideen und Anregungen gibt es schon am Freitagabend. Nachdem Bettina Lisbach und Vertreter mehrerer Ämter den bisherigen Entwurf zum Klimaschutzkonzept 2030 skizziert haben, sind die Teilnehmer des Forums aufgerufen, zu Themen wie Bauen und Sanieren, Wärme und Strom oder Mobilität mit den Experten zu diskutieren und eigene Anregungen einzubringen. Die gut 250 Bürger machen sich rasch an die Arbeit. Vorschläge und Ideen werden zu Papier gebracht. Im Minutentakt füllen sich die großen Schautafeln zu den einzelnen Handlungsfeldern mit den beschrifteten gelben Aufklebern.

Wunsch nach mehr Kurzstreckentarifen

Ein Ziel der Agenda ist die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs. Dieses Thema stößt auch bei den Anwesenden auf großen Zuspruch. Als jemand das Stichwort kostenloser Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) nennt, brandet Applaus auf. Passend dazu sind auch viele der gelben Zettel beschriftet: „ÖPNV als billigstes Mobilitätskonzept“, „kostenloser ÖPNV für Studenten, Auszubildende und Schüler“, „Das Modell 365 Tage – 365 Euro“. Der Wunsch nach mehr Kurzstreckentarifen, auch außerhalb von Karlsruhe, wird formuliert, ebenso nach mehr innerstädtischen Express-Linien zum Hauptbahnhof zum Beispiel. Einen besseren Anschluss der Höhenstadtteile an den ÖPNV wünscht sich ein Teilnehmer.

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Kritik der Bürger

Ein anderer regt an, die kostenlose Nutzung des ÖPNV drei Monate lang zu testen und zu sehen, wie stark sich der Autoverkehr dann in der Stadt reduziert. Eine Ausweitung von Tempo 30 auf die Innenstadt und sogar die gesamte Stadt wird ebenfalls gewünscht. Auch eine City Maut und eine autofreie Innenstadt könnten zielführend sein, schreiben Teilnehmer. „Ich finde, dass Karlsruhe bereits eine super Vorreiterrolle beim Klimaschutz hat“, lobt eine Bürgerin. Zugleich regt sie an, nicht nur auf Elektromobilität zu setzen, sondern auch nach weiteren Alternativen zu suchen. Und: „Bevor man mehr Stellplätze für Fahrräder schafft, sollte man zunächst die vorhandenen überprüfen. Am Bahnhof gibt es sehr viele Abstellplätze, die teilweise von Rädern blockiert sind, die dort schon sehr lange stehen und um die sich niemand kümmert. Die Stadt sollte sich überlegen, wie sie dieses Problem lösen könnte“, so die Teilnehmerin. In Frage gestellt wird die Beteiligung der Stadt Karlsruhe am Baden-Airpark. Die Klimaschutzziele der Stadt und die Beteiligung am Flughafen – das passe nicht zusammen, kritisieren Bürger und fordern: „Aufgeben!“

Klimafreundliche Firmen bevorzugen

Weitere Anregungen: Gründung von Bürgergenossenschaften für Gebäudesanierung und Bürger-Energie-Genossenschaften, mehr Passivhäuser aus Holz und ein Moratorium für fünf Jahre, in denen keine neuen Gewerbe-Immobilien entstehen sollen. Zudem sollen Möglichkeiten der Windenergie für Karlsruhe erneut geprüft werden. Ebenfalls auf der Wunschliste: Flachdächer konsequent für Fotovoltaik nutzen. Die Stadt sollte zudem Firmen bevorzugen, die klimafreundlich sind und nachhaltig handeln.

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Längerer Prozess der Diskussion

Zum Klimaschutz sagt OB Mentrup: „Die Bedeutung dieses Themas ist uns allen bewusst. Es macht keinen Sinn, die Welt zu betrachten und zu schauen, wo die größten Sünder sind. Es macht nur Sinn, dazu zu stehen, dass wir in den letzten Jahrzehnten mit zu den größten Sündern gehört haben, und dass wir deswegen auch unseren Beitrag leisten müssen und das vorleben müssen, was wir von den anderen erwarten.“ Zugleich wünscht sich Mentrup eine lebhafte Beteiligung und appelliert an die Teilnehmer des Klimaforums, Bekannte und Nachbarn auf das Bürgerbeteiligungsformat hinzuweisen. Es müsse ein längerer Prozess der Diskussion werden, der auch nicht mit dem Gemeinderatsbeschluss im kommenden März zu Ende sein wird, versichert Mentrup.