Berliner schwören auf Karlsruher Kompetenz: Ein Musikvideo für den Rapper Capital Bra brachte Dominic Flatter, David Bruchmann und Jakob Siegmund (von links) sogar eine Goldene Schallplatte ein, die der Musiker ihnen zum Dank schenkte.
Berliner schwören auf Karlsruher Kompetenz: Ein Musikvideo für den Rapper Capital Bra brachte Dominic Flatter, David Bruchmann und Jakob Siegmund (von links) sogar eine Goldene Schallplatte ein, die der Musiker ihnen zum Dank schenkte. | Foto: Jörg Donecker

Erfolgreich im Musikbusiness

Karlsruher drehen Videos für Capital Bra und Haze

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„Ich trag’ nur noch Gucci“, erklärt der deutsch-russische Rapper Capital Bra in seinem bisher erfolgreichsten Song, der ihm dank hoher Verkaufszahlen im vergangenen Jahr eine Goldene Schallplatte eingebracht hat. Ein Exemplar dieser Auszeichnung der Musikindustrie hängt auch an der Wand eines Büros in Mühlburg: Das Video zum Rapsong haben Jakob Siegmund, David Bruchmann und Dominic Flatter produziert.

Nur noch Designerklamotten tragen die Drei zwar nicht, doch den Erfolg des Songs führen sie auch auf ihre eigene Arbeit zurück. Denn das Bewegtbild zur Musik ist eine eigene Kunstform, die wesentlich zum Erfolg einer Platte beitragen kann. Wer es sich als Musiker leisten kann, engagiert fürs Musikvideo schon mal einen Oscar-Preisträger, Rapper Kanye West etwa arbeitete schon mit Regisseur Steve McQueen, die Band The Killers mit Tim Burton zusammen.

Musikvideos tragen zum Erfolg der Songs bei

Die drei Videoproduzenten aus der Fächerstadt, die in Mühlburg und Neureut aufgewachsen sind, haben in Karlsruhe bereits mit zahlreichen Musikern Interviews, Dokumentationen und Musikvideos gedreht: Unter anderem für die Kulturplattform Kavantgarde, deren Herausgeber Jakob Siegmund ist. „Das Portfolio ist sehr HipHop-lastig“, sagt David Bruchmann. Er nennt Namen Karlsruher Rapper wie Schote, Erabi und Haze, aber auch mit einigen Singer-Songwritern habe man schon gearbeitet.

Die Drei drehen als Agentur Triebfeder zudem Videos für Unternehmen und Institutionen in Karlsruhe. Für die Kunsthalle haben sie zuletzt etwa die Eröffnung der Sean-Scully-Ausstellung dokumentiert, mit dem Stadtmarketing drehten sie im Herbst die Youtube-Serie „Karlsruhe für Anfänger“ gegen die Wohnungsnot der Studenten.

Nach Berlin und in die „Champions League im Musikvideobusiness“, wie David Bruchmann es nennt, kamen sie eher zufällig: Siegmunds bester Freund, Journalist beim HipHop-Magazin Juice, stellte den Kontakt zu Rapper 3Plusss her, der jemanden für ein „Making Of“-Video seines Musikvideodrehs suchte. David Bruchmann flog mit nach Kalifornien, Anfang 2017 kamen alle drei Karlsruher nach Berlin, und von da an regnete es Aufträge aus der Hiphop-Szene. „Wir haben die Musikvideos nur so rausgeballert“, erzählt Bruchmann.

Gedreht wurde in Berlin, Ibiza, Valencia und Kosovo

Für den Rapper Capital Bra betreuten sie die gesamten Album-Projekte und drehten alle Musikvideos. In dieser Zeit waren die drei Männer im Alter von 32 bis 36 Jahren kaum zu Hause und hatten auch kein festes Büro. Die Produktion der Videos fand oft in Hotelzimmern oder in Straßencafés statt – die Technik für den Videoschnitt schleppten sie einfach mit sich.

„Berlin war ein intensiver, abenteuerlicher Ausflug“, sagt Jakob Siegmund. „Jetzt haben wir uns aber wieder auf Karlsruhe zurückbesonnen.“ Die Arbeit in der Musikvideoszene sei zwar aufregend und inspirierend, unter anderem hätten die drei im Vergangenen Jahr an Orten wie Ibiza, Valencia und im Kosovo gedreht. Aber die Konkurrenz gerade in der deutschen Hauptstadt sei sehr groß. „Es gibt dort 1 000 Produktionsfirmen, die den Job auch machen – zu einem Viertel des Preises“, erklärt David Bruchmann. Zudem sei die Musikvideowelt chaotisch, unberechenbar und anstrengend, so Jakob Siegmund.

„Unser erfolgreichstes Musikvideo entstand total spontan. Wir haben eine Woche lang das Konzept erarbeitet. Als wir dann in Berlin waren, wollte der Künstler ein Video zu einem ganz anderen Song machen – den hatte er über Nacht geschrieben.“ Man passe sich da natürlich den Wünschen des Künstlers an, meint Dominic Flatter. „Jetzt konzentrieren wir uns aber gerne wieder auf seriöse Projekte in Karlsruhe“, so Jakob Siegmund.

Bisher habe man die Produktionen aus der Musikvideosparte separat unter dem Namen „SMK Pro“ produziert – denn mit einem Gangsta-Rap-Video ziehe man keine Aufträge etwa von Anwaltskanzleien an Land, ebensowenig funktioniere es andersherum.

Musikvideos sind die Avantgarde

Ihre Erfahrung aus der Musikvideoproduktion wollen sie aber weiterhin auch mit der Agentur Triebfeder in ihren anderen Projekten einbringen. „HipHop ist zurzeit die größte Jugendkultur, und diese Prägung lassen auch große Werbefirmen in ihre Produktionen einfließen“, erklärt Jakob Siegmund. „Die Musikvideo-Welt ist die Avantgarde, was die Bildsprache angeht“, ergänzt David Bruchmann.

Das Medium Video werde auch deshalb immer wichtiger, weil damit Emotionen transportiert würden und gleichzeitig die Technik immer billiger werde, erklärt David Bruchmann. Auch Bildungsformate gebe es immer öfter in Videoform. „Wer wissen will, wie irgendetwas funktioniert, schaut sich dazu ein Video auf Youtube an“, ergänzt Dominic Flatter.

„Unsere musikalischen Ziele haben wir erreicht, haben oben mitgespielt“, meint Jakob Siegmund. Jetzt wollen sie sich auf Dokumentationen konzentrieren. „Eine Netflix-Produktion wie die Serie ,Chef’s Table‘ wäre toll“, träumt David Bruchmann. Der Musikwelt ganz den Rücken kehren wollen sie aber nicht. „Wir sehen die Musik als Liebhaberprojekt“, sagt Dominic Flatter.