An den Adventssamstagen fahren die Bahnen im Karlsruher Stadtgebiet und drei Linien im Landkreis für die Menschen gratis. | Foto: KME-Jodo

Komplettes Stadtgebiet

Karlsruher Gemeinderat beschließt Gratis-Nahverkehr an vier Adventssamstagen

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An den vier Samstagen im Advent kann jeder in Karlsruhe Busse und Bahnen kostenfrei nutzen. Das hat der Gemeinderat am Dienstag beschlossen. Vom Landkreis kommend gilt das Angebot zudem für die Linien S1/S11 und S2. Hintergrund ist, dass die Stadt in der heißen Phase des Geschenkekaufs ein Verkehrschaos fürchtet, weil unter anderem in der Kriegsstraße die Baustellen dominieren. Der für die Nutzer kostenfreie ÖPNV schlägt für die Stadt an den vier Tagen mit rund 570.000 Euro zu Buche.

Mehr Besucher in der City und gleichzeitig weniger Autoverkehr: Darauf hofft der Gemeinderat in der Vorweihnachtszeit. Das Stadtparlament beschloss deshalb am Dienstag, dass an allen vier Samstagen im Advent der ÖPNV kostenfrei genutzt werden kann.

Mehr zum Thema: Kostenlose Busse und Bahnen beim Stadtfest Karlsruhe sind Testlauf für Weihnachten

Egal ob Geschenkekauf oder Besuch auf dem Christkindlesmarkt: An den vier Samstagen braucht man in der das komplette Stadtgebiet umfassenden Wabe 100 kein Ticket für Bus oder Bahn. Gleiches gilt für die S1/S11 (Bad Herrenalb/ Karlsbad-Ittersbach bis Linkenheim-Hochstetten) und S2 (Stutensee bis Rheinstetten) im südlichen und nördlichen Landkreis. In allen anderen Linien müssen die Kunden ein Ticket kaufen bis zur letzten Station außerhalb Karlsruhes.

Kostspielige Aktion

Für die Aktion, für die es im Oktober einen Testlauf beim Stadtfest gab, erstattet die Stadt dem Karlsruher Verkehrsverbund 569.000 Euro. „Das ist viel, aber gut angelegtes Geld“, zeigte sich Grünen-Stadtrat Johannes Honné überzeugt. Allerdings könne man dieses Angebot nicht unbedingt jeden Tag unterbreiten, an Wochentagen reichten dafür weder die Schienen- noch die Bahnkapazitäten.

Das ist viel, aber gut angelegtes Geld.

Grünen-Stadtrat Johannes Honné

Auch Oberbürgermeister Frank Mentrup verdeutlichte, dass die Entscheidung jetzt den Baustellen geschuldet und kein Einstieg in einen grundsätzlich kostenfreien ÖPNV sei. Doch Lukas Bimmerle von den Linken meinte: „Es werden Erwartungen geweckt in Richtung ticketfreier ÖPNV.“ Deshalb müsse nun strategisch debattiert werden, wohin man will.

Es werden Erwartungen geweckt in Richtung ticketfreier ÖPNV.

Lukas Bimmerle, Die Linke

Parsa Marvi (SPD) sieht in der Aktion ein gutes Signal für die Mobilitätswende. Seine Partei sei offen für Überlegungen zu einer Reform der Tarifstruktur, allerdings brauche es da Unterstützung von Bund und Land. Lüppo Cramer von der Fraktion Karlsruher Liste/Die Partei betonte: „Es muss jetzt weitergehen, wir können nicht durchschnarchen bis zum nächsten Jahr.“ Auch er will dabei Bund und Land in die Pflicht nehmen.

Es muss jetzt weitergehen, wir können nicht durchschnarchen bis zum nächsten Jahr.

Lüppo Cramer, Karlsruher Liste/ Die Partei

Bei der Aktion an den vier Samstagen im Advent gehen aus Sicht von Sven Maier (CDU) Ökologie und Ökonomie Hand in Hand. Für die Bürger sei die Sache ein schönes Weihnachtsgeschenk. Friedemann Kalmbach (Freie Wähler/Für Karlsruhe) erklärte, es sei eine der wichtigsten Aufgaben, die Menschen wieder in die Stadt zurückzuholen. Danach müsse man aber genau schauen, was das koste.

Der ÖPNV ist in den nächsten Jahren eines der wichtigsten Projekte in der Stadt. Da geht es finanziell ans Eingemachte.

FDP-Stadtrat Thomas Hock

Thomas Hock von der FDP erklärte: „Der ÖPNV ist in den nächsten Jahren eines der wichtigsten Projekte in der Stadt. Da geht es finanziell ans Eingemachte.“

AfD stimmt dagegen

Die AfD wollte aus Kostengründen erreichen, dass nur die beiden Samstage vor Weihnachten kostenfrei sind, setzte sich damit aber nicht durch. Die Fraktion stimmte gegen das Angebot an allen vier Samstagen, das ansonsten von allen Gruppierungen mitgetragen wurde.

Ergänzend zum ticketfreien ÖPNV gibt es im Advent unter anderem Park & Ride-Angebote.