Von Anfang bis Ende: Janosch Schneider würde am liebsten auch noch die Materialien für seine Schmuckstücke selber sammeln.
Von Anfang bis Ende: Janosch Schneider würde am liebsten auch noch die Materialien für seine Schmuckstücke selber sammeln. | Foto: Sandbiller

Tradition in der Gegenwart

Karlsruher Goldschmied Janosch Schneider möchte jeden Produktionsschritt selber machen

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Ringe mit Juwelen, Goldketten, aber auch Obstschalen und Silberbesteck, dass alles fertigt Janosch Schneider an. Der 23-Jährige ist Goldschmied. BNN-Redaktionsmitglied Christel Manzey hat im Rahmen der Serie „Tradition in der Gegenwart“ mit dem Handwerker über seinen selten gewordenen Beruf gesprochen.

Sich auf eine Richtung oder Tätigkeit festzulegen, ist nicht sein Ding: Janosch Schneider mag es, Dinge von Anfang bis Ende selbst in die Hand zu nehmen. Der 23-Jährige begeisterte sich schon als Teenager für das Goldschmiedehandwerk.

2016 machte er seinen Abschluss als Gold- und Silberschmied an der Goldschmiedeschule in Pforzheim, doch dieses Wissen reichte ihm nicht aus: Schneider zog es in die Welt hinaus. Er ging nach Paris und lernte dort die Kunst des Juwelenfassens und befasste sich in der französischen Hauptstadt auch mit dem Perlenknüpfen.

Zu Weihnachten 2017 eröffnete er dann im Alten Schlachthof seine eigene Goldschmiede. Schneider will sich nicht auf einen bestimmten Stil festlegen. Seine Stücke sind einfach gehalten, aber vielschichtig und mit versteckten Details. „Weniger ist manchmal mehr“, erklärt er sein Konzept.

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Handgefertigtes Besteck aus Silber

Sich als so junger Mensch an ein traditionsreiches, aber inzwischen rar gewordenes Handwerk zu wagen, ist etwas Besonderes. Wirklich Gedanken über die Risiken habe er sich aber nicht gemacht, sagt Schneider. Er wolle einfach das tun, was ihm Spaß macht.

Das beschränkt sich nicht nur auf Schmuck: Als Silberschmied fertigt er auch Obstschalen oder Silberbesteck an. Auch einige Möbel in seinem Atelier hat er selbst gebaut, ebenso manches Werkzeug. Er wolle eben jeden Schritt selbst machen, jedes Teil durch den gesamten Fertigungsprozess begleiten. „Am liebsten würde ich auch noch in ferne Länder reisen und die Edelsteine selber schürfen“, gibt er lachend zu.

Den Schmuckstücken Raum geben

„erdling“, der Name seiner Werkstatt, drückt Schneiders tiefe Naturverbundenheit aus. Neben Gold und Silber aus der Erde verarbeitet er auch andere Materialien wie Holz zu Schmuckstücken, versucht sich aber auch gerne mal im Schnitzen einer Skulptur.

Ein Rädchen im Getriebe will Schneider nicht sein. Die Vorstellung, immer nur einen Handgriff zu verrichten, sei ihm ein Graus. Vielmehr möchte er jedem Schmuckstück Raum geben, um sich zu entwickeln. Auch seine Entwürfe macht er selbst.

Ist das noch Handwerk? „Kann man Kunst und Handwerk denn überhaupt unterscheiden?“, gibt er die Frage zurück. Seine Werke seien ja „mit den Händen gemacht“, betont Schneider. Er sieht sein Handwerk eher als ein künstlerisches, eben Kunsthandwerk. Hauptsache, er kann jeden Schritt selber machen.

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