Zum 43. Mal setzt Karlsruhe dem Komponisten Georg Friedrich Händel dieses Jahr mit den Festspielen am Badischen Staatstheaer ein Denkmal.
Zum 43. Mal setzt Karlsruhe dem Komponisten Georg Friedrich Händel dieses Jahr mit den Festspielen am Badischen Staatstheaer ein Denkmal. | Foto: dpa/Deck

Höhepunkte des Programms

Komponist Händel war wohl nie in Karlsruhe – Warum sich die Festspiele trotzdem lohnen

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Die 43. Händel-Festspiele starten am Valentinstag in Karlsruhe. Auf dem Programm stehen, passend dazu, auch Opern über Liebeskummer. Aber warum gibt es diese Veranstaltung eigentlich jedes Jahr – und was ist geboten?

Kann denn Arie Sünde sein? Natürlich nicht. Aber sündhaft schön von der süßen Sünde singen, das kann die Arie der barocken Oper. Ganz galant werden da zweideutige Verse in harmlose Bilder der Natur verpackt: „Du siehst den angeschwollenen Fluss; spiele nicht an seinen Ufern“, warnte zum Beispiel der Counter-Tenor Franco Fagioli vor einigen Jahren bei einem Solo-Abend am Badischen Staatstheater mit einer Arie von Pasquale Cafaro (1716 bis 1787). Wohlgemerkt: In der Stimmlage einer Frau.

Händel war vermutlich nie in Karlsruhe

Die Welt der barocken Oper ist bunt und schillernd und wird auch heute immer wieder gerne zum Leben erweckt. Bedeutende Werke schuf der in Halle geborenen und später in England wirkende Komponist Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759).

In Karlsruhe war er vermutlich nie. Gleichwohl räumt ihm die Stadt jährlich einen Ehrenplatz ein. Zu den mittlerweile 43. Händel-Festspielen lockt das Badische Staatstheater in diesem Jahr. Und öffnet mit zwei Opern, mehreren Konzerten und einem Symposium den Vorhang für den reizvollen Kosmos rings um kunstvollen Gesang.

Im Barock sangen Männer so hoch wie Frauen

Dass dabei ein Mann so hoch singt wie sonst nur Frauen, war im Barock gewissermaßen der letzte Schrei – und kostete viele Sänger auf dem Weg zum Kastraten-Star ihre Männlichkeit.

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Heute ist das verboten. Zum Glück. Aber es gibt einen Trick: das Falsett. Und diese den Kastratengesang imitierende Technik der Counter-Tenöre ist mittlerweile abermals so beliebt, dass auch sie als Stars der Barock-Szene gefeiert werden. Franco Fagioli ist einer von ihnen, auf den Karlsruhe diesmal verzichten muss. Doch gibt es in mehrfacher Hinsicht würdigen Ersatz.

„Serse“ kehrt auf die Bühne zurück

Unter den beiden Händel-Opern, die man jährlich bei den Festspielen in Karlsruhe erleben kann, gibt es stets eine Wiederaufnahme aus dem Vorjahr. Mit „Serse“ kehrt also erneut köstliche Unterhaltung auf die Bühne zurück.

Max Emanuel Cenčić – selbst Counter-Tenor von höchster Güte – hat als Regisseur für Karlsruhe eine quirlige Inszenierung rings um den Perserkönig geschaffen und singt darin selbst dessen Bruder Arsamene. In der Titelrolle glänzte im Vorjahr Fagioli als großkotziger Entertainer. Dies übernimmt nun David Hansen, der 2019 als Ruggiero in der Oper „Alcina“ begeisterte.

International gefragter Counter-Tenor kommt für Titelrolle nach Karlsruhe

Zum Auftakt der Festspiele hat Jakub Joséf Orliński seinen großen Auftritt in der Neuinszenierung von Händels Meisterwerk „Tolomeo, Re d’Egitto“. Der 29-jährige Counter-Tenor wird als Shootingstar momentan heiß gehandelt und in Szene gesetzt.

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Warner-Classics präsentiert den Sänger und sein Album „Facce d’amore“ in einem Musikvideo als Schmachtlappen und die Barock-Arie „Pena Tiranna“ mit einem triefend süßen Popballaden-Dreh. Auch, dass Orliński Break-Dancer ist, befeuert die Medien.

Opern, Konzerte, Gala und Symposium auf dem Plan

Fast muss man erinnern, dass hinter diesem Rummel eine einzigartige Stimme steht. Nach einem Auftritt mit seinem früheren Chor vor vielen Jahren und seinem Konzert-Debüt bei den Händel-Festspielen im Jahr 2017 hat Orliński nun erstmals eine Titelrolle am Staatstheater. In einer Inszenierung von Benjamin Lazar, der in Karlsruhe mit einer poetischen Deutung von Debussys „Pelléas et Mélisande“ überzeugte.

Doch was wäre Gesang ohne würdevolle Begleitung? Im Orchestergraben agieren die bewährten Deutschen Händel-Solisten mit Originalklanginstrumenten. Auch die Konzerte warten mit spannenden Programmen auf. Erneut gibt es in der Christuskirche Konzerte mit erlesenen Barock-Spezialisten, eine Gala mit Valer Sabadus und ein Symposium rings um Tolomeo.

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Höhepunkte aus dem Programm
Oper: Tolomeo, Re d’Egitto mit Jakub Józef Orliński (Tolomeo), Benjamin Lazar (Regie), Federico Maria Sardelli (Dirigent), 14., 16., 19., 22., 25. Februar. – Serse mit David Hansen (Serse), Max Emanuel Cencic (Regie, Arsamene), George Petrou (Dirigent), 21., 23., 26., 28. Februar.
Konzert: Gala Valer Sabadus (15. Februar, 19 Uhr). – Abendsterne 1 mit CoroPiccolo (16. Februar, Evangelische Stadtkirche), Abendsterne 2 mit Cameron Shahbazi (18. Februar, 20 Uhr, Christuskirche). – Abendsterne 3 mit Terry Wey (23. Februar, Christuskirche).
Symposium: Von Rom nach London- Wege zu Händels „Tolomeo, Re d’ Egitto“: 43. Internationale Händel-Akademie am 15. Februar, 11 Uhr, 13.30 Uhr (Konzert), 15.15 Uhr.