Kurzzeitparken
In Durlachs Altstadt ist es eng, ein Parkschein oft Pflicht. Per Brötchentaste ist eine halbe Stunde Parken in Durlach und Mühlburg bisher aber kostenlos. Dass dies abgeschafft wird, kritisieren ansässige Geschäftsleute. | Foto: jodo

Parken wird teurer

Karlsruher Händler sind unzufrieden mit der Abschaffung der Brötchentaste

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Das Aus für die Brötchentaste, mit der bisher 30 Minuten Parken in Durlach und Mühlburg kostenlos sind, ist beschlossene Sache. Auch ein Kurswechsel zu höheren Parkgebühren soll kommen. Das hat der Gemeinderat mehrheitlich bestimmt. Doch die ansässigen Händler hängen an der Brötchentaste.

Am Tag nach dem Beschluss zur Abschaffung, der eine Wende darstellt, reagieren die organisierten Händler in Durlach und Mühlburg höchst unzufrieden. Die Zusammenschlüsse der Einzelhändler in beiden Karlsruher B-Zentren hatten bis zuletzt vehement für die Kurzparktaste argumentiert.

B-Zentren werden daran zu knabbern haben

Schahryar Essari, Vorsitzender der Vereinigung „Durlacher Leben“

Nicht wirtschaftlich, sondern politisch begründet sei die Entscheidung gegen die Brötchentaste, sagt der Vorsitzende der Vereinigung „Durlacher Leben“, Schahryar Essari. „Die B-Zentren werden daran erheblich zu knabbern haben“, meint er.

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Kostenloses Kurzzeitparken fällt weg

Der Wegfall des kostenlosen Kurzzeitparkens werde „sicher keinen positiven Effekt“ haben, so Essari: „Es geht nicht um die blanke Münze, sondern ums Gefühl.“ Nun entstehe eine Hemmschwelle, die vom Einkauf in Durlach und Mühlburg abhalte. Der „Sturmlauf“ der Mitglieder von „Durlacher Leben“ sei erfolglos geblieben.

Erwartet habe man das Aus eigentlich nicht, sagt Essari, weil die Brötchentaste gerade „landauf, landab“ eingesetzt werde als Mittel, um den Einzelhandel in Mittel- und Unterzentren zu stützen.

Mühlburg
In Mühlburg ist in der Rheinstraße viel Einzelhandel gebündelt. Dessen Existenz werde durchs Aus für die Brötchentaste gefährdet, moniert die Händlervereinigung des Stadtteils. | Foto: jodo

„Man hat uns hier etwas weggenommen und spielt mit der Existenz der Einzelhändler und der Rheinstraße“, wettert in Mühlburg Massimo Ferrini. Er ist Vorsitzender des Bürgervereins im Stadtteil und stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Attraktives Mühlburg.

Viele Kunden kommen von außerhalb nach Mühlburg

Unterschriften und Stimmen für die Kurzparktaste hatte die Händlergemeinschaft mit dem Vorsitzenden Tobias Berthold und Ferrini an der Spitze noch am Samstag gesammelt – vergeblich. In Läden an der Rheinstraße habe die IG Kunden befragt. Mehr als die Hälfte derer, die Auskunft gaben, sei von außerhalb gekommen, von Rastatt, aus Durmersheim, der Pfalz oder Frankreich.

Wir brauchen die Brötchentaste

Massimo Ferrini, Vorsitzender des Bürgervereins Mühlburg

„Wir waren tagelang im Stadtteil unterwegs, das Ergebnis ist klar: Wir brauchen die Brötchentaste“, sagt Ferrini. „Selbst Leute, die kein Auto haben, sagen: Unsere Geschäfte brauchen die Taste.“ Klimaschutz sei nur der „Deckmantel“, ein „Totschlagargument“.

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Ferrini fürchtet mehr Suchverkehr und schwindende Kundschaft. Koste der Parkplatz künftig einen oder zwei Euro, werde er länger belegt, um die Zeit zu nutzen. Die Folge: „Leute fahren zweimal ums Quadrat, und wer nichts findet, ist wieder weg.“

Einen „Schlag gegen die B-Zentren“ sieht das Karlsruher Unternehmer-Netzwerk Mittelstand und Handwerk. Bürgerfreundlichkeit und Umweltschutz würden „ausgehebelt“, so der Sprecher Gregor Wick. Den Vorteil hätten Anbieter „auf der grünen Wiese“ mit kostenlosen Parkplätzen.

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VCD begrüßt den Kurswechsel

Der Kreisverband Karlsruhe des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) hingegen, der für sich in Anspruch nimmt, Fußgänger, Radfahrer, öffentlichen Verkehr und Autoverkehr gleichrangig zu vertreten, begrüßt den Kurswechsel in Karlsruhe.

Brötchentaste ist kontraproduktiv

VCD-Kreisvorsitzender Uwe Haack sagt, er sei „froh, dass die Brötchentaste wieder weg ist“. Sie begünstige den Autoverkehr. Ziel sei, wenig Autos in der Stadt zu haben. „Da ist die Brötchentaste kontraproduktiv.“