Lange Corona-Pause: Das Kinder- und Jugendhaus in der Oststadt ist nach wie vor geschlossen. Die Verantwortlichen bereiten nun die Öffnung vor. | Foto: jodo

Bolzplätze wieder offen

Karlsruher Jugendhäuser öffnen nach und nach

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Für Kinder und Jugendliche hat das Warten ein Ende: Seit Dienstag dürfen Bolzplätze sowie Kinder- und Jugendhäuser wieder besucht werden. Laut Stadtjugendausschuss öffnen am Mittwoch aber nur zwei der knapp 20 Jugendhäuser in Karlsruhe nach der langen Corona-Pause.

Der Kinder- und Jugendtreff „Blaues Haus“ in Hagsfeld und das Jugendhaus Südstadt bilden die Vorhut. Rudi Kloss schätzt, dass bis zum Ende der Woche etwa die Hälfte aller Einrichtungen in Karlsruhe wieder den Betrieb aufgenommen haben. Die jeweiligen Verantwortlichen müssen im Vorfeld Hygienepläne an den Fachbereichsleiter der offenen Kinder- und Jugendarbeit des Stadtjugendausschusses schicken.

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Das brauche Zeit, habe man doch erst vergangene Woche von den neuen Regelungen erfahren, sagt Kloss. „Manche Sozialarbeiter sind in der Pfingstzeit auch im Urlaub.“ Trotzdem rechnet er bis zur nächsten Woche damit, dass alle Kinder- und Jugendtreffs den Betrieb wieder aufgenommen haben.

Wegen Corona werden Schichtbetrieb und Ampel-System diskutiert

Dabei gelten besondere Richtlinien. Pro Person muss eine Fläche von zehn Quadratmetern gegeben sein. Weiter dürfen sich in den Einrichtungen nur feste Gruppen mit maximal 15 Personen treffen – der Betreuer wird dabei mitgezählt. Die Gruppen sollen sich in der Einrichtung nicht begegnen. Deshalb sei beispielsweise ein Schichtbetrieb denkbar, erklärt Kloss.

So haben wir noch nie gearbeitet.

Rudi Kloss, Fachbereichsleiter der offenen Kinder- und Jugendarbeit

Wenn eine Gruppe geht, werden die Räume desinfiziert. Dann können die nächsten Jugendlichen eintreten. Außerdem gebe es auch die Überlegung, mit einem Ampelsystem zu arbeiten. Grün: Die maximale Anzahl an Personen ist noch nicht erreicht. Rot: Stopp, es sind zu viele. „So haben wir noch nie gearbeitet. Das ist eine ganz neue Situation für uns“, betont der Fachbereichsleiter.

Online-Angebote konnten persönlichen Kontakt nicht ersetzen

Er freut sich, dass die offene Jugendarbeit mit persönlichem Kontakt wieder in die Gänge kommt. Zuletzt hätten die Sozialarbeiter zwar digitale Angebote als Alternative geschaffen. Live-Sendungen auf Instagram oder Online-Beratungen ersetzten aber keinesfalls die Arbeit im analogen Jugendhaus. Kloss rechnet in den nächsten Tagen mit vielen Besuchern in den Einrichtungen.

Während auf dem Bolzplatz beim Kühlen Krug in der Weststadt am Dienstagmittag noch nicht gespielt wird, kehren auf dem Bolzplatz in der August-Dürr-Straße langsam die Hobby-Kicker zurück. Der zwölfjährige Akbar Sabir und sein zehnjähriger Freund rennen lachend einem Ball hinterher. Akbar erreicht das Spielgerät und passt es zu seinem Freund. Den Bolzplatz haben die Karlsruher am Dienstagmittag ganz für sich alleine.

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„Wir haben zu Hause nichts zu tun“, sagt Akbar. Er hat das Bolzen sehr vermisst. Sein zehnjähriger Freund erklärt, dass daheim der Garten zu klein wäre, um Fußball zu spielen. Laut Akbar haben sich die Jungen vor der Corona-Pause mindestens einmal pro Woche auf dem Bolzplatz in der Südweststadt getroffen. Das ist nun wieder möglich. Auf den Bolzplätzen der Stadt müssen die gängigen Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.

Keine Maskenpflicht in Jugendhäusern

In den Jugendhäusern gilt derweil laut Rudi Kloss keine Maskenpflicht. Nur bei Spielen, bei denen der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann – etwa bei Brettspielen – solle die Gesichtsmasken getragen werden.

Daniel Melchien meint, dass die konkreten Vorlagen der Landesregierung lange unklar waren. Dabei sei schon länger absehbar gewesen, dass die Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit wieder ihre Pforten aufmachen dürfen.

Die Öffnung der Jugendhäuser war dringend notwendig.

Daniel Melchien, Vorsitzender Stadtjugendausschuss

Der Vorsitzende des Stadtjugendausschusses hofft nun auf ein „zügiges Voranschreiten“ der Politik. „Die Öffnung der Jugendhäuser war dringend notwendig“, betont Melchien. Die Schließung sei sehr abrupt gewesen und habe kaum Vorbereitungszeit für die Sozialarbeiter gelassen. Mit der jetzigen Regelung kehre man ein Stück weit zur Normalität zurück.

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