Der Karlsruher Kinderarzt Rolf-Dieter Löw hat als Senior-Experte in einem Krankenhaus in Tansania gearbeitet. Was er dort erlebte, bewegt ihn sehr. | Foto: ©ARTIS-Uli Deck

Rolf-Dieter Löw

Karlsruher Kinderarzt hat in Tansania unter schwierigen Zuständen gearbeitet

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Strahlende Kinderaugen und eine Mutter, die wieder lachen kann. Ihr Baby hat die Malaria überstanden. Das Foto, das Rolf-Dieter Löw aus Tansania mitgebracht hat, ist eine schöne Erinnerung. Aber der Karlsruher Kinderarzt hat auch ganz andere Bilder im Computer gespeichert – und vor allem im Kopf.

Bilder von Frühgeborenen etwa, die mit einer Venenkanüle in der Hand in rostigen Säuglingsbettchen liegen, während ihre Mütter auf dem nackten Boden der Intensivstation in einen kurzen Schlummer sinken. Bilder von kleinen Aids-Patienten, die viel zu spät in die Klinik gebracht werden. Und Bilder von kranken Mädchen und Jungen, für die eine sachgerechte Therapie nicht möglich ist, weil geeignete Medikamente fehlen – oder ihre Eltern die Behandlung nicht bezahlen können. Die Erlebnisse in Tansania, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, wirken nach. „Man muss etwas tun“, sagt Rolf-Dieter Löw.

Kinderarzt mit viel Erfahrung

„Doc Löw“ ist ein Kinderarzt mit viel Erfahrung. 31 Jahre lang hatte er eine Praxis im Dammerstock. Zudem betreute er Neugeborene in der Karlsruher Marienklinik. Rund 42.000 Kinder hat er in dieser Zeit behandelt. Doch als er 2016 in den Ruhestand ging, legte Rolf-Dieter Löw das Stethoskop nicht in die Schublade.

Als Senior-Experte im Ausland

Er registrierte sich beim „Senior Experten Service“ (SES). Dieser engagiert sich als Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit in Entwicklungs- und Schwellenländern. Als ehrenamtlicher Senior-Experte für Kinderheilkunde war Rolf-Dieter Löw bereits in Nepal und China im Einsatz. Die jüngste Anfrage führte den Kinderarzt ins St. Benedikt’s Referral Hospital in Ndanda im Süden Tansanias.

Tansania gilt als einer der politisch beständigsten und friedlichsten Staaten in Afrika südlich der Sahara. Seine Wirtschaft wächst. Doch das Gesundheitswesen des Landes, in dem Infektionskrankheiten wie Malaria und Aids weit verbreitet sind, stufen Fachleute als „stark verbesserungswürdig“ ein. Für Behandlungen müssen oft hohe Zuzahlungen geleistet werden, die für die arme Bevölkerung unerschwinglich sind.  Zudem ist die medizinische Versorgung häufig „technisch, apparativ und hygienisch problematisch“, wie es beim Auswärtigen Amt heißt.  Reisenden empfiehlt es, sich möglichst mit einer „Evakuierungsversicherung, zum Beispiel bei Amref-Flying Doctors“ abzusichern.

Ein Kind in Tansania | Foto: imago images/photothek/Ute Grabowsky

„Noch schlimmer als erwartet“

Natürlich wusste der Karlsruher Kinderarzt um die Unzulänglichkeit des tansanischen Gesundheitswesens. Und um die hohe Säuglings-, Kinder- und Müttersterblichkeit in dem bitterarmen Land. Was er vor Ort erlebte, war aber schlimmer, als er es sich vorgestellt hatte.

In der Kinderabteilung des St. Benedict’s Hospital

Dabei spricht er mit Hochachtung von der Klinikleitung und den Kollegen in der Kinderabteilung. Ausführlich seien sie auf ihre kleinen Patienten eingegangen und hätten die Krankheitsbilder mit anderen Ärzten und Pflegern diskutiert. Viele als notwendig erkannte Maßnahmen konnten sie jedoch nicht durchführen – weil die Eltern nicht in der Lage waren, sie zu bezahlen.

Die Kinderabteilung des St. Benedict’s Referral Hospital der Abtei Ndanda besteht aus einer Allgemeinstation mit 28 Betten sowie einer Früh- und Neugeborenen-Intensivstation mit zehn Bettchen. Zudem gibt es eine Ambulanz, in die pro Jahr rund 4.500 kleine Patienten gebracht werden.

Weite Wege mit kranken Kindern

Viele kommen zu Fuß oder in den Tragetüchern ihrer Mütter aus einer Umgebung von bis zu 40 Kilometern, erzählt Rolf-Dieter Löw. Husten, Hautausschläge, infizierte Wunden, Bauchschmerzen, Krampfanfälle … Wurden Kinder wegen „Fieber“ vorgestellt, habe sich dahinter nicht selten eine Malaria verborgen oder eine bakterielle Infektion. Dazu gehörten auch Lungen- oder Hirnhautentzündungen.

Zuständig für die Abteilung waren zwei Kinderärzte. Sie wurden von sechs bis acht „Internship Doctors“ unterstützt. Letztere seien mit Ärzten im Praktikum vergleichbar, erläutert Löw: „Meine Aufgabe bestand in der pädiatrischen Qualifikation der Internship Doctors, die in der Regel alleine und ohne Überwachung die Kindersprechstunde hielten.“

„Schwerkranke sterben sowieso“

Immer wieder wies der Senior-Experte die Internship Doctors auf die Notwendigkeit der Händedesinfektion hin. Was allerdings schwer durchzusetzen gewesen sei. Warum? Es dauerte eine Weile, bis Löw das herausbekam.

„Junge Kollegen meinten resignierend, dass sie ihr medizinisches Wissen aufrund der Umstände sowieso nur bedingt anwenden könnten. Schwerkranke Patienten würden mit und ohne Hygiene sterben.“ Er habe die jungen Ärzte ermutigt, die hygienischen Standards trotzdem einzuhalten – „schon aus Selbstachtung“.

Malaria und Aids

„Relativ gut versorgt werden konnten die Kinder, die an einer Malaria erkrankt waren, weil der tansanische Staat die Kosten für Diagnostik und Therapie übernahm“, berichtet der Karlsruher Kinderarzt. Probleme hätten aber Kinder bereitet, – „nicht wenige an der Zahl“ – die an Aids erkrankt waren und zudem an Zweit- oder Dritterkrankungen litten.

„Aids ist in Tansania ein Tabuthema“, sagt Löw. „Deswegen kommen die Patienten recht spät in die Klinik und sind dann sehr schwer erkrankt, sodass oft keine effektive medikamentöse Behandlung mehr möglich ist.“

Eine Großmutter füttert im St. Benedict’s Hospital in Tansania ihren Enkel – die Mutter des Neugeborenen ist schwer krank und kann nicht stillen. Die Verköstigung der Patienten obliegt den Angehörigen. | Foto: Löw

Kleine Patienten schlafen mit ihren Müttern in einem Bett

Ausschließlich den Angehörigen überlassen blieb die Pflege und Verköstigung der Patienten. In der Kinderstation schliefen die Mädchen und Jungen zusammen mit ihren Müttern in einem Bett. In der Früh- und Neugeborenen-Intensivstation lagen die Frauen neben den Bettchen – auf dem nackten Boden.

Sterile Verbände fehlen

Traurig sah es nach Löws Berichten auch bei der Ausstattung aus. Selbst an Pflastern und sterilen Verbänden habe es gehapert. In der Intensivstation seien Einmalverbrauchsmaterialien wie Magensonden solange verwendet worden, bis sie auseinanderfielen.

Weil in dem Krankenhaus in Tansania Inhalationshilfen fehlen, hat Kinderarzt Rolf-Dieter Löw aus Infusionsflaschen selbst eine gebastelt. | Foto: Löw

Der Kinderarzt will wiederkommen

Immerhin plant das katholische Krankenhaus, eine neue, besser ausgestattete Kinderintensivstation zu bauen. Bruder Jesaja Sienz, der aus der Erzabtei St. Ottilien in Bayern nach Tansania gesendet wurde, arbeitet im St. Benedict’s Hospital als Arzt. Er bat den Kollegen aus Karlsruhe, eine Liste von notwendigen Geräten zusammenzustellen und Kostenvoranschläge einzuholen.

„Das habe ich gerne zugesagt“, sagt Löw. Wenn es so weit ist, will der Senior-Experte wieder nach Tansanias reisen, um bei der Einrichtung und Eröffnung der Station dabei zu sein.

Spendenaktion gestartet

Mit Freunden hat Rolf-Dieter Löw inzwischen zudem eine Spendenaktion für das St. Benedikt’s Hospital gestartet. „Damit zumindest die stationär aufgenommenen Kinder kostenfrei behandelt werden können. Und ihre Familien wegen der hohen Krankheitskosten nicht noch weiter verarmen“.

Kuscheln verordnet

Dass man auch mit minimalen Mitteln manchmal beeindruckende Erfolge erzielen kann, hat er in Ndanda erlebt.  In der dortigen Frühgeborenenstation werden die Mütter angehalten, intensiv mit den Babys zu kuscheln. Durch die „Känguru-Methode“ lässt sich die Überlebenschance der Winzlinge steigern.

Viele Mütter scheuen aber den engen Kontakt mit ihren Frühchen.  „Angesichts der hohen Sterblichkeit ist dies wohl eine emotionale Schutzfunktion“, sagt Rolf-Dieter Löw.  So ließ sich auch eine Mutter, deren Baby mit gerade mal 1 200 Gramm Gewicht zur Welt gekommen war, nur widerwillig auf das „von uns Ärzten forcierte Kangarooing“ ein. „Doch nach zwei Wochen nahm die Mutter plötzlich von selbst ihr Kind freudestrahlend an die Brust und liebkoste es“, erzählt der Karlsruher Kinderarzt.  Noch eine schöne Erinnerung.

Spendenaktion

Der Karlsruher Kinderarzt Rolf-Dieter Löw  hat eine Spendenaktion gestartet. Die Spenden sind steuerlich abzugsfähig. Sie werden ausschließlich zur kostenlosen Behandlung der Kinder im St. Benedict’s Referral Hospital in Ndanda verwendet. „Dafür bürgt Bruder Jesaja Sienz, der in diesem Hospital als Arzt arbeitet“, berichtet Rolf-Dieter Löw.

Wer Fragen dazu hat, kann denn den Karlsruher Kinderarzt kontaktieren unter: docloew@googlemail.com

Spendenkonto: Ndanda Tansania, Missionsprokura St. Ottilien, Erzabtei I, 86941 St.Ottilien
IBAN: DE89 7005 2060 0000 0146 54
BIC: BYLADEM1LLD
Kennwort: Bruder Jesaja Exemption for children.
Online kann man über die Abtei Königsmünster spenden. Einfach die  die Position „Hospital Ndanda Tansania“ aufrufen