Schmerzhafter Ausfall: Karlopolis, das begehrte Angebot des Stadtjugendausschusses, wird es 2020 nicht geben.
Schmerzhafter Ausfall: Karlopolis, das begehrte Angebot des Stadtjugendausschusses, wird es 2020 nicht geben. | Foto: jodo

Mangels Vorgaben aus Stuttgart

Karlsruher Kinderspielstadt Karlopolis wegen Corona abgesagt

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Der Karlsruher Stadtjugendausschuss muss sein Sommerferienprogramm absagen. Weil es keine klaren Vorgaben und Öffnungsperspektiven der Landesregierung gibt, ist die Planung von Karlopolis und Co. in diesem Jahr nicht möglich.

Die Verordnungslage in Baden-Württemberg, was die Einschränkungen während der Coronavirus-Pandemie angeht, ändert sich zwar wöchentlich, und die Zeichen stehen angesichts geringer Zahlen auf weiteren Lockerungen, doch der Stadtjugendausschuss muss nun dennoch die Notbremse ziehen.

2.000 Kinder waren schon für Sommerprogramm angemeldet

Am Freitag gingen rund 2.000 Briefe an jene Eltern raus, deren Kinder bei Sommerferienprogrammen des Stadtjugendausschusses und des Jugendfreizeit- und Bildungswerks angemeldet waren.

Hintergrund ist die weiter unsichere Verordnungslage in Baden-Württemberg und die damit entstandene Planungsunsicherheit, führen Daniel Melchien, Vorsitzender des Stadtjugendausschusses und Elisabeth Peitzmeier, Geschäftsführerin im Gespräch mit den BNN aus.

Das größte und ehrgeizigste Einzelprojekt, das von der Absage betroffen ist, ist die Kinderspielstadt Karlopolis mit rund 700 angemeldeten Kindern in der Oststadt. Sie sollte eigentlich vom 10. bis 21. August stattfinden.

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Wegen Corona eigentlich erhöhter Bedarf an Angeboten

„Wir wollten das Heft des Handelns in der Hand behalten“, begründet Peitzmeier die Absage sämtlicher bisher geplanter Ferienaktivitäten. Sowohl Peitzmeier wie Melchien betonen aber, dass sie eher einen größeren Bedarf an Ferienangeboten in Karlsruhe sehen. Und zwar angesichts der Tatsache, dass die Coronavirus-Krise viele Ferienpläne der Familien über den Haufen geworfen hat.

Deshalb beginnt der Stadtjugendausschuss nun mit den Vorbereitungen für ein groß angelegtes Alternativangebot. Jugendverbände und die Kinder- und Jugendeinrichtungen des Stadtjugendausschusses bündeln ihre Kräfte und starten eine Ferienoffensive namens „RELAX! Dein Sommer“.

Alternativangebot für Kleingruppen in den Jugendhäusern geplant

Dabei sollen Ferienangebote bei den Jugendverbänden und in den Kinder- und Jugendhäusern ermöglicht werden. Vor allem die Jugendhäuser sollen lokale Ankerpunkte sein. Dabei geht es um Angebote für maximal 40 Kinder, diese werden wiederum in kleinere Gruppen unterteilt.

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„Wir nehmen die Situation der Kinder sehr ernst. Das neue Angebot soll allen helfen, ein Stück Normalität herzustellen. Die Kinder sollen wieder unbeschwert spielen können“, so der Vorsitzende. Überhaupt haben er und die Jugendverbände auch klare Erwartungen an die Politik.

Der Stadtjugendausschuss hat jüngst die Entscheidungsträger in Politik und in Verwaltung aufgefordert, in einer gemeinsamen Kraftanstrengung die Räume der Kinder und Jugendlichen wieder nutzbar zu machen.

Manches könne auf später verschoben werden, Kinder und Jugendliche aber hätten ein Recht auf ein gutes Hier und Jetzt. Dazu gehöre auch, die Kinder- und Jugendhäuser in der Stadt so schnell wie möglich wieder öffnen.

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Bei weiteren Lockerungen könnte Karlsruher Ferienprogramm noch wachsen

Um das neue Angebot „RELAX“ nutzen zu können, muss man sich auch anmelden. Der Anmeldetermin wird nach bisheriger Planung am 15. Juni ab 17 Uhr stattfinden. Die Planung für eine „Erstversion“ von „RELAX“ soll bis zu diesem Termin stehen, aber „das Projekt kann wachsen“.

Sprich, wenn es weitere Partner für dieses Ferienprogramm gibt oder weiter gelockerte Regelungen, ist auch an eine Erweiterung gedacht. Daniel Melchien verweist auch darauf, dass verschiedene Jugendverbände noch nicht klar entschieden hätten, was sie mit ihren eigenen Angeboten machen.

Hygienevorgaben wären in Karlopolis unmöglich gewesen

Was Karlopolis angeht, wäre es zudem unmöglich gewesen, die Hygienerichtlinien einzuhalten, führt Peitzmeier aus. Die Wasserversorgung musste auch in vergangenen Jahren aufwendig organisiert werden. Die Kinderspielstadt war ein höchst erfolgreiches Kind des Stadtgeburtstages 2015.

Unter der damaligen Ägide von Rolf Fluhrer schlug das Konzept ein wie eine Bombe. Kinder gestalten über zwei Wochen eine eigene Stadt, mit eigenen Betrieben, Postamt, Bank, Autowerkstatt, Bauernhof, Feuerwehr und Stadtreinigung, auch einer (von den BNN organisierten und geleiteten) Kinderzeitung und viele andere Möglichkeiten – das war neu für Karlsruhe.

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Karlopolis-Team engagiert sich im Alternativprogramm

Die ersten drei Jahre fand Karlopolis im Schlossgarten unter hohen alten Bäumen statt, dann musste der Stadtjugendausschuss den Schlosspark verlassen und fand die vergangenen beiden Jahre im Otto-Dullenkopf-Park eine neue Bleibe, die auch – nach anfänglicher Skepsis – alle Erwartungen erfüllte.

Die Kinder erwarteten das Angebot immer mit Spannung, in Minutenschnelle war die Kinderspielstadt schon kurz nach Ausschreibungsbeginn komplett ausgebucht. Das Team der ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Karlopolis wird aber auch bei „RELAX“ mitmachen.