Kunsttischler Volker Lück verarbeitet meist heimische Hölzer, wie hier eine Eibe. Aus ihr wird ein Tisch werden.
Kunsttischler Volker Lück verarbeitet meist heimische Hölzer, wie hier eine Eibe. Aus ihr wird ein Tisch werden. | Foto: Donecker

Tradition in der Gegenwart

Karlsruher Kunsttischler Volker Lück kämpft mit dem Holz

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Auslöser waren wohl die schönen Rokoko-Möbel seiner Eltern: Bereits mit 17 Jahren wusste Volker Lück, dass er Kunsttischler werden wollte. Weil es die Ausbildung in dieser Form in Deutschland nicht gab, zog es den heute 58-Jährigen nach dem Abitur ins elsässische Wissembourg, um eine Lehre zu machen. BNN-Redaktionsmitglied Christel Manzey hat im Rahmen der Serie „Tradition in der Gegenwart“ mit dem Handwerker über seinen seltenen Beruf gesprochen.

Nach seiner Lehre ging Volker Lück mit den „Compagnons du Devoir“ auf Wanderschaft. Er arbeitete in 15 verschiedenen Werkstätten in Frankreich, Irland und Italien, bevor er nach sechseinhalb Jahren in seine Heimatstadt zurückkehrte und 1989 in einem Wohngebiet in Knielingen mit gerade einmal 29 Jahren seine eigene Werkstatt eröffnete. „Die Selbstständigkeit war für mich immer eine Selbstverständlichkeit“, so der Kunsttischler. In diesem Jahr feiert er sein 30-jähriges Betriebsjubiläum.

Die Hälfte seiner Arbeit bestehe aus der Anfertigung neuer Möbel, die andere aus der Restaurierung alter Stücke, erklärt Lück. Besonders beim Restaurieren zeigt sich, wie viel Kopfarbeit in seinem Handwerk steckt. „Die Frage ist: Wie haben die das früher gebaut? Nicht, wie würden wir es heute bauen.“

Lück lässt sich vom Holz leiten

In seiner eigenen Bibliothek hat Lück etwa 1. 800 Fachbücher in fünf Sprachen stehen, mit denen er die verschiedenen Landesstile und Epochen-Besonderheiten seiner Restaurierungsstücke zu ergründen versucht. Teilweise verwendet er dazu historische Werkzeuge, um auf dem Holz die gleichen Spuren zu hinterlassen.

Überhaupt sei Holz ein Werkstoff, der jedes Mal anders ist. „Mit Holz kann ich kämpfen“, fasst Lück es zusammen.

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Manchmal schreibe ein Stück Holz durch seine Eigenarten eine andere Form vor als ursprünglich gedacht. Und so werde aus einer geplanten Dose aufgrund eines Astes schon mal ein Pokal. Lück lässt sich oft vom Holz leiten, denn „die Natur kann es besser als wir.“

Nachfrage nach großen Massivmöbeln sinkt

In erster Linie verarbeitet Lück heimische Hölzer wie Eibe, Nuss- oder Kirschbaum. In seinem 130 Holzsorten umfassenden Lager finden sich aber auch exotische Arten. Jedes Möbelstück verlange sein eigenes Holz, erklärt Lück.

Antikmöbel hätten in den vergangenen Jahren erheblich an Wert verloren, bedauert Lück. Als Grund sieht er die immer kleineren Wohnungen. Für große Massivmöbel habe heute keiner mehr Platz. Umso mehr freut es ihn daher, wenn er in Kirchen oder Schlössern arbeiten kann, wie beispielsweise im Bruchsaler Schloss.

„Meine Stücke sollen mich überleben“, sagt Lück. Mit seiner Arbeit will er ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen. Mit halb fertigen Produkten oder minderwertigen Materialien kann der Kunsttischler nichts anfangen. Er ist stolz darauf, in seinem Leben noch nie eine Spanplatte geschnitten zu haben.

Auch wenn sein Handwerk stark künstlerisch beeinflusst ist, macht Lück keinen Unterschied zwischen seiner Arbeit und der eines „normalen“ Schreiners. Für ihn gibt es kein besseres oder schlechteres Handwerk. Auf seiner Wanderschaft habe er gelernt, dass jedes Handwerk sein Können fordert. „Meisterschaft liegt darin, immer weiter zu wollen, immer die nächste Herausforderung zu suchen“, ist Lück überzeugt. Er bedauert, dass das Handwerk an gesellschaftlichem Prestige eingebüßt hat.

Bisher erschienen im Rahmen der Serie:
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