Gunnar Martinsson, 1975. Marktplatz Karlsruhe. Blick zur östlichen Baumarkade und zur Stadtkirche (Ausschnitt).
Gunnar Martinsson, gutachten 1975: Marktplatz Karlsruhe. Blick zu der östlichen Baumarkade und zur Stadtkirche (Ausschnitt). | Foto: saai/Günter Mader

Ausstellung in der BLB

Für den Karlsruher Marktplatz plante Gunnar Martinsson Baum-Boutiquen

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Schattenspendende Baum-Arkaden sah Gunnar Martinsson 1975 für den Karlsruher Marktplatz vor. Doch der international renommierte Garten- und Landschaftsarchitekt bekam den Auftrag zur Neugestaltung von Karlsruhes guter Stube nicht. Jetzt sind Zeichnungen von Martinsson in der Badischen Landesbibliothek ausgestellt. Auch Perspektiven vom Schlossgarten Rastatt sind darunter.

Die Straßenbahn muss weg vom Karlsruher Marktplatz. Das forderte Gunnar Martinsson schon 1975 in einem Gutachten. Damals waren Fußgängerzonen gerade im Kommen.

Dem schwedischen Landschaftarchitekten und Professor an der Universität Karlsruhe schwebte ein ruhiger, vornehmer Architekturplatz vor mit großformatigen, rechteckigen Sandsteinplatten. Und mit Bäumen. Dort, wo der bekannte badische Baumeister Friedrich Weinbrenner in seinem Generalbebauungsplan von 1797 „Boutiquen“ vorgesehen hatte, wollte Martinsson Arkaden aus Platanen errichten – grüne, Schatten spendende Dächer im Herzen der Stadt. Es wurde nichts draus. Martinsson hat den Auftrag nicht erhalten.

Gunnar Martinsson, Gutachten 1975. Marktplatz Karlsruhe. Unter den Baum-Arkaden. Keine Beauftragung.
Gunnar Martinsson, Gutachten 1975. Marktplatz Karlsruhe. Unter den Baum-Arkaden. | Foto: saai/Günter Mader

Gunnar Martinsson:
1965 wurde Gunnar Martinsson (1924–2012) auf den neu gegründeten Lehrstuhl für Landschaft und Garten an der Architekturfakultät der Universität Karlsruhe (heute: KIT) berufen. Der Schwede hatte dessen Leitung bis 1991 inne. Martinsson brachte wichtige Impulse der skandinavischen Landschaftsarchitektur nach Deutschland. In unserer Region gestaltete er unter anderem Plätze und Fußgängerzonen in Karlsruhe, Ettlingen, Calw und Schwetzingen. Zu Martinssons bekanntesten Werken zählt die Neugestaltung des Schlossgartens Rastatt. Zudem realisierte er Außenanlagen von Verwaltungsbauten, Kliniken und Hochschulen.

Ausstellung in der Badischen Landesbibliothek

Mehrere Zeichnungen vom Karlsruher Marktplatz, die der international renommierte Landschaftsarchitekt anfertigte, sind jetzt in der Badischen Landesbibliothek (BLB) ausgestellt. „Gunnar Martinsson. Zeichnungen und Projekte 1957–2008“ heißt die Schau. Karl Bauer, ein Schüler und Kollege des 2012 verstorbenen Martinsson, hat sie für das Südwestdeutsche Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai) zusammengestellt. Ehrenamtlich, wie Gerhard Kabierske vom saai betont.

Bäume soll es auch künftig nicht auf dem Karlsruher Marktplatz geben

Rund 1.400 Zeichnungen von Martinsson haben sich in der schwedischen Heimat des Landschaftsarchitekten, im KIT und in Bauers Büro erhalten. 60 Perspektiven sowie 40 Grundriss- und Detailpläne hat der Kurator für die Ausstellung ausgewählt.

Ist es ein Zufall, dass darunter etliche vom Karlsruher Marktplatz-Projekt sind, bei dem Martinsson nicht zum Zuge kam? Gerade jetzt, wo wieder eine baumlose Neugestaltung des oberirdisch mittlerweile straßenbahnfreien Marktplatzes ansteht? „Ich hoffe, dass da ein bisschen Diskussion hinein kommt“, räumt Bauer ein.

Gunnar Martinsson, 1975. Blick über den Marktplatz Karlsruhe mit Baum-Arkaden.
Gunnar Martinsson, Gutachten 1975. Blick über den Marktplatz Karlsruhe mit Baum-Arkaden. | Foto: saai/Günter Mader

Gunnar Martinsson – Planer mit Perspektiven

Die Marktplatz-Zeichnungen versprühen ein bisschen den Charme der 1970er Jahre. Und doch wirken sie anziehend; sie versprechen Aufenthaltsqualität. Überhaupt war Gunnar Martinsson, das sieht man auch bei vielen anderen Projekten, ein Zeichner mit Perspektiven. Die Grundrisse seien oft noch gar nicht fertig gewesen, eher „Schmierskizzen“, wenn sich der Schwede bereits an die stimmungsvollen Perspektivzeichnungen machte, erzählt Bauer: „Sie spielten im Planungsprozess eine wichtige Rolle.“

Strenge Linien und vegetative Naturformen

Der Mann, der die skandinavische Garten-Moderne nach Deutschland brachte, beherrschte den Gegensatz von architektonisch strengen Linien und vegetativen Naturformen. Seine Zeichnungen, unverkennbar im Stil, vermittelten ein gestochen scharfes Bild des Geplanten. Sie ließen nichts im Vagen. „Für die Auftraggeber war das sehr interessant“, meint Bauer.

Gunnar Martinsson 1980, Perspektive des Schlossgartens Rastatt.
Gunnar Martinsson 1980, Schlossgarten Rastatt. Perspektive | Foto: saai/Günter Mader

Drei Entwürfe für den Rastatter Schlossgarten

Überzeugen ließ sich der Bauherr etwa, als es Ende der 1970er Jahre um eines der bekanntesten Projekte Gunnar Martinssons ging: die Neugestaltung des Schlossgartens Rastatt. Einige Ideen allerdings – Gunnar Martinsson plante große Wasserflächen, eine Eislaufbahn für den Winter und Glaspavillons – waren dem Land Baden-Württemberg zu teuer.

Verzicht auf teure Extras

Der Gartenarchitekt legte daraufhin einen Sparentwurf vor. Der erschien dem Bauherrn jedoch allzu „reduziert“. So wurde schließlich ein dritter Entwurf aus dem Jahr 1984 umgesetzt. Er ging in  vielen Teilen auf den ersten Entwurf zurück, verzichtete aber auf die kostspieligen „Extras“.

Gärten und Landschaften brauchen Pflege

Und wie steht es um die Bewahrung von Martinssons realisiertem Erbe? Bei dieser Frage bilden sich Sorgenfalten auf der Stirn seines Schülers. Karl Bauers Blick bleibt an Zeichnungen vom Karlsruher Weinbrennerplatz hängen – auch er ist ein „Gunnar Martinsson“. Doch Gärten und Landschaften brauchen stete Pflege, damit sie „funktionieren“, wie ihr Schöpfer es plante. Dieser Aufwand werde leider nicht überall in ausreichender Form betrieben.

„Es geht ja um das Stadtbild“

Bauer hofft, dass die Ausstellung dazu beitragen kann, die Landschaftsarchitektur wieder mehr in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken. „Es geht ja um das Stadtbild“, sagt der Kurator. Und um Räume, in denen sich Menschen wohlfühlen.

„Gunnar Martinsson. Zeichnungen und Projekte 1957–2008“

Die Ausstellung ist bis zum 22. September zu sehen in der Badischen Landesbibliothek, Erbprinzenstraße 15 in Karlsruhe. Geöffnet montags bis freitags 9 bis 19 Uhr sowie samstags 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. In der Ausstellung des Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai) werden rund 60 Perspektiven sowie 40 Pläne präsentiert.

Zum Begleitprogramm gehören unter anderem Kuratorenführungen sowie Führungen auf den Spuren Gunnar Martinssons in Ettlingen und Rastatt. Mehr dazu erfahren Sie hier.