Der Karlsruher Musiker Rolf Ableiter ist der Kopf hinter "Field Commander C.".
Der Karlsruher Musiker Rolf Ableiter ist der Kopf hinter "Field Commander C.". | Foto: Stefan Bau

Songs von Leonard Cohen

Karlsruher Musikprojekt „Field Commander C.“ ist eine echte Erfolgsgeschichte

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Mit seinem Projekt „Field Commander C.“ spielt der Karlsruher Musiker Rolf Ableiter auf den großen Bühnen in Deutschland. Das Erfolgsgeheimnis lautet: die frühen Songs von Leonard Cohen kombiniert mit einem eigenen Stil. Momentan herrscht Pause wegen des Coronavirus – doch Ableiter arbeitet bereits an einem weiteren Projekt.

Die Geschichte erinnert an den American Dream – zunächst ganz klein anzufangen, um dann groß rauszukommen. Aber mit „American“ hat sie nun wirklich nichts zu tun. Schon eher handelt es sich um einen German-Canadian Dream: In den USA spielt sie nicht, sondern sie dreht sich um den Karlsruher Musiker Rolf Ableiter und sein Projekt „Field Commander C.“.

Mit diesem präsentiert er Songs von Leonard Cohen, dem 2016 verstorbenen kanadischen Singer-Songwriter, Schriftsteller, Dichter und Maler.

Im Kino fing alles an

Was nun ein großer Publikumserfolg ist, fing relativ unspektakulär an. Damals sei er gefragt worden, ob er im Kommunalen Kino in Pforzheim in der monatlichen Reihe „On Stage“ spielen wolle. Es war nicht sein erster Auftritt im Kino.

„Ich hatte damals einige Cohen-Songs im Programm“, erinnert sich der Sänger und Gitarrist. Nun sollte im Januar 2017 ein ganzer Cohen-Abend daraus werden. Drei Jahre vergingen seitdem und inzwischen kommen bis zu 1.500 Besucher zu den Konzerten von „Field Commander C.“. Ableiter sagt bescheiden: „Ich habe mich daran gewöhnt.“

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Und dabei klingt er, als wäre ihm noch gar nicht bewusst, welche Erfolgsgeschichte für ihn und das Projekt im Pforzheimer Kommunalen Kino begonnen hat. Dabei war der erste Abend eher ein Überraschungserfolg: „Wir haben es nicht groß beworben, und trotzdem war das Konzert schnell ausverkauft.“

Die Bühnen wurden immer größer

Kurz später sollte ein Auftritt bei „Kultur im Weingut“ im pfälzischen Oberotterbach folgen – die Gruppe war inzwischen auf zehn Musiker angewachsen. Eines führte zum anderen. Denn bei diesem Konzert entstand der Kontakt zum Förderkreis Karlsruhe.

Und schon im Januar hieß es in der Festhalle Durlach erneut: ausverkauft. Nur dieses Mal waren es schon 600 Besucher, die kamen. Die Hallen wurden wieder größer mit Auftritten in der Badnerlandhalle in Karlsruhe-Neureut und in der Badner Halle in Rastatt. Eine Konzertagentur wurde auf „Field Commander C.“ aufmerksam.

Diese habe erkannt, „dass das in solchen Sälen angenommen wird“. Solche Säle – das sind die Jahrhunderthalle in Frankfurt, das Gewandhaus in Leipzig oder auch der Kulturpalast in Dresden. „Alle Konzerte endeten wie hier“, erzählt Ableiter – mit einem begeisterten Publikum. Es ist nicht der Heimvorteil der Band, der zum Tragen kommt, sondern: „Offensichtlich funktioniert es überall.“

1979 war Cohen „outstanding gut“

„Field Commander C.“ greift bewusst auf den „frühen Cohen“ zurück. „Seine Stimme als alter Mann ist nicht meine“, meint Ableiter. Zu der Zeit, als die Pforzheimer Anfrage kam, habe er außerdem gerade die CD „Field Commander Cohen: Tour of 1979 gehört“ – eine Aufnahme von der vielleicht besten Tour des Musikers.

Die Songs des "frühen Leonard Cohen" stehen bei "Field Commander C" im Mittelpunkt.
Die Songs des „frühen Leonard Cohen“ stehen bei „Field Commander C.“ im Mittelpunkt. | Foto: imago images/United Archives

Ableiter meint: „Das war schon outstanding gut.“ Zu der Zeit, als die Platte aufgenommen wurde, war er bereits „weg vom Folk“ und es habe „viele Leute gegeben, die seinen Sound geändert haben“, darunter Jennifer Warnes.

Was den Reiz insgesamt ausmacht, ist für ihn klar: „Cohen ist hochemotional.“ Da sind die Traurigkeit, die Melancholie und die außergewöhnliche Lebensgeschichte des Singer-Songwriters. Und: „Unsere Epoche, aus der wir die Musik spielen, ist viele Jahrzehnte her.“ Bei denjenigen, die beispielsweise in den 60er und 70er Jahren studiert hätten, würden Erinnerungen wach.

Eigentlich ist Ableiter viel zu jung für seine Musik

Ableiter selbst ist für diese Erinnerungen definitiv zu jung. Er war, als der Mitschnitt „Field Commander Cohen“ entstand, erst zwölf Jahre alt. „Ich habe ihn erst später entdeckt“, erzählt er. Es war während der Schulzeit in den 80ern, als es eigentlich nur Popper und Punker gab – und eben die wenigen „Ewig-Gestrigen“, die beispielsweise Leonard Cohen hörten.

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Nun liegen aber zunächst wegen der Ausbreitung des Coronavirus weitere Konzertpläne von „Field Commander C.“ auf Eis.

Der Auftritt, der eigentlich am 14. März in der Badnerlandhalle Neureut hätte sein sollen, ist ins nächste Jahr verschoben und auch ein Konzert in Chemnitz hat bereits einen neuen, späteren Termin. Stattdessen plant Ableiter jetzt ein Solidaritäts-Projekt.

Entstanden ist es aus einem Gespräch mit der Karlsruher Musikerin Sandie Wollasch. Schnell kamen weitere hinzu: Schlagzeuger Marcel Millot, Keyboarder Michael Quast, Bassist Umbo Umschaden und Gitarrist Joerg Dudys.

Das Anliegen: Gekaufte Tickets behalten

Sie wollen darauf aufmerksam machen, dass für Musiker Hilfe nötig ist, wenn Konzerte verschoben werden. Wer Tickets gekauft habe, solle diese auch für den Nachholtermin behalten. Auch wolle man dazu aufrufen, CDs regionaler Musiker zu kaufen, die jetzt, angesichts der Konzertabsagen und -verschiebungen, besonders unter Druck stehen.

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Und es gehe natürlich um die Aussage des Songs selbst: „You’ve got a friend“, den sie in der Version von James Taylor spielen wollen. Ein Aufruf in der aktuellen Situation zu Solidarität und Gemeinsamkeit, „statt nur massenhaft Klopapier zu kaufen“, wie Ableiter sagt.

Der Instrumentalteil wurde am Sonntag aufgenommen. Dieser ging an Sänger und Sängerinnen in der Region. Sie alle sollen ihren Teil beitragen und zu hören sein. Ableiter hofft, dass sich etwa 30 bis 40 Sängerinnen und Sänger beteiligen. Veröffentlicht werden soll die fertige Version über YouTube. Die Musiker hoffen auf Solidarität mit den Kulturschaffenden – und auf bessere, normale Zeiten.