Spektakuläre Sprünge gehören in der Parkour-Halle in der Karlsruher Nordstadt zum Alltag. Foto: jodo

Ausschuss sucht Alternativen

Karlsruher Parkour-Halle muss neuen Wohnhäusern weichen

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Die Trendsporthalle in der Karlsruher Nordstadt muss in spätestens drei Jahren für den Bau von neuen Wohnhäusern abgerissen werden. Der Betreiber Stadtjugendausschuss Karlsruhe sucht nun nach Alternativen. Doch geeignete Flächen sind im dicht besiedelten Stadtgebiet rar.

Ein Sprungpferd ist Roman nicht genug. Also schiebt der Zwölfjährige zwei der gut einen Meter hohen Turngeräte hintereinander, nimmt fünf Schritte Anlauf, springt ab und hockt darüber. Ohne Sprungbrett, wohlgemerkt. „Solche Sprünge machen übelst Spaß“, sagt Roman.

Aber noch viel lieber mache er Flips, also Salti. Wie das geht? „Ganz einfach“, sagt Roman. Dann läuft er an einer schrägen Wand nach oben, drückt sich nach hinten ab, macht einen Überschlag und landet mit beiden Beinen auf der Weichbodenmatte.
Roman ist einer der regelmäßigen Besucher der Parkour-Halle des Stadtjugendausschusses.

Beim Parkour herrscht jeden Tag Hochbetrieb

In der ehemaligen Fabrikhalle neben dem NCO-Club herrscht bei Kursen und beim freien Training jeden Tag Hochbetrieb. In den vergangenen Jahren wurde in der Nordstadt mit geringem finanziellem Aufwand und viel ehrenamtlicher Arbeit ein Paradies für die Anhänger des Trendsports eingerichtet.

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„Parkour ist einfach cool. Wir haben vieles ausprobiert und improvisiert. Aber nun haben wir hier die besten Voraussetzungen“, sagt Fabian Barreto, der den Trendsport mit einigen Mitstreitern von der Straße in die Halle brachte. Ausrangierte Sprungpferde wurden mit Panzerband instandgesetzt, Rampen und Sprungtürme aus Sperrholzplatten selbst gezimmert, dazwischen Metallstangen zum Hangeln und Schwingen eingesetzt. Schutz gegen Verletzungen bieten Matten auf dem Boden.

Und gegen die Kälte in der zugigen Halle helfen ständige Bewegung, gute Laune und Musik. „Uns gefällt es hier super. Und eigentlich wollen wir nirgendwo anders hin“, sagt Baretto.

Pläne für neue Halle liegen auf dem Tisch

Doch allzu lange wird Parkour an diesem Standort nicht mehr möglich sein. Weil die Halle auf dem Gebiet des sogenannten C-Areals steht, wird sie im Rahmen eines Entwicklungsprojekts wohl in spätestens drei Jahren für den Bau von Wohnhäusern abgerissen. Einen Ersatzstandort für die beliebte Halle hat die Geschäftsführung des Stadtjugendausschusses bereits im Auge.

Auf einer Rasenfläche hinter dem NCO-Club, der wegen seinem erwiesenen Nutzen für die Allgemeinheit nicht abgerissen werden darf und im geplanten Neubaugebiet für die wohnortnahe Jugendarbeit erhalten bleibt, soll eine neue Halle für Trendsportarten wie Parkour oder Tricking entstehen.

Kaltsporthalle ist ausreichend

Gespräche mit Architekten wurden schon geführt. „Eine Kaltsporthalle ist vollkommen ausreichend. Aber die neue Halle muss gebaut werden, bevor die alte abgerissen wird“, sagt Projektleiter Rudi Kloss vom Stadtjugendausschuss.

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Zum einen kann der Umzug der gesamten Sportgeräte auf diese Weise ohne aufwendige Zwischenlagerung über die Bühne gehen. Zum anderen wird Par-kour dann ohne Unterbrechung weiterhin in der Nordstadt angeboten werden. „Bei den Kindern und Jugendlichen aus dem Stadtteil ist das Interesse an Trendsportarten enorm. Wenn wir auf einmal keine Halle mehr haben, könnte uns eine wichtige Säule der Jugendarbeit wegbrechen“, betont Kloss.

„Für Trendsportarten gibt es zuwenig Platz“

Außerdem fehlt es im Stadtgebiet derzeit an Alternativen. „Für Trendsportarten gibt es schlichtweg nicht genügend Platz in der Stadt“, sagt Stadtjugendausschuss-Geschäftsführerin Elisabeth Peitzmeier. Ein temporärer Umzug in eine städtische Sporthalle ist gerade beim Parkour wegen der zahlreichen fest installierten Turnelemente nicht möglich. Deshalb läuft die Suche nach geeigneten Hallen-Standorten für boomende Freizeitbeschäftigungen auf Hochtouren.

Auch das Fan-Projekt muss umziehen

Für Entspannung kann nach Peitzmeiers Einschätzung eine Umnutzung der leer stehenden Werkstatthallen auf der Südseite des Otto-Dullenkopf-Parks sorgen. Die gehören der Stadt, und aktuell werden die Möglichkeiten für die Einrichtung eines neuen Trendsportzentrums sowie den Umzug des Fan-Projekts von der Nordstadt an die Wolfartsweierer Straße ausgelotet.

Die bisherigen Räumlichkeiten des Fanprojekts genießen keinen Bestandsschutz und werden bei der Entwicklung des C-Areals abgerissen. Für den sozialpädagogisch betreuten Treffpunkt für jugendliche KSC-Fans schwebt Peitzmeier wegen der recht unterschiedlichen Klientel jedoch ein anderer Standort vor, nämlich das Stadtwerke-Gelände südlich des Messplatzes.

In der Parkour-Szene werden die Diskussionen über Standorte verfolgt. „Die Kinder rennen uns die Bude ein. Deshalb brauchen wir schnellstmöglich eine Alternative“, sagt Barreto. Allzu große Ansprüche wollen die Sportler dabei gar nicht stellen. „Uns reichen vier Wände und ein Dach über dem Kopf. Hauptsache die Geräte sind vor Regen und Vandalismus geschützt.“