Das schlechte Wetter hielt einige Radler nicht davon ab, auf Teilen der Karlsruher Karlstraße eine Autospur umzuwidmen und dort entlang zu fahren.
Das schlechte Wetter hielt einige Radler nicht davon ab, auf Teilen der Karlsruher Karlstraße eine Autospur umzuwidmen und dort entlang zu fahren. | Foto: Karsten Kilian/Greenpeace Karlsruhe

Pop-up-Aktion von Greenpeace

Karlsruher Radler hatten auf der nördlichen Karlstraße kurzzeitig ihre eigene Spur

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Die Corona-Pandemie inspiriert weltweit Städte dazu, ihren öffentlichen Raum neu zu ordnen. Brüssel beispielsweise hat seine Innenstadt zur Rad- und Fußgängerzone erklärt. Ein kleineres Zeichen hat am Samstag die Karlsruher Greenpeace-Gruppe gesetzt.

Klar, das Konzept gab es auch schon vor Corona. Pop-up-Radwege waren zunächst einfach kurzzeitig eingerichtete Fahrspuren für Radler auf städtischen Straßen. Initiatoren solcher Aktionen stellten Leitkegel in Warnfarben auf Autospuren, um zu zeigen, wie eine sichere Umgebung für alle Verkehrsteilnehmer aussehen könnte.

Durch die Corona-Pandemie haben solche Pop-up-Radwege nun eine ganz neue Bedeutung erhalten. „Wir wollen ja alle ein bisschen mehr Abstand halten“, sagt Volker Klasen von der Karlsruher Greenpeace-Ortsgruppe. „Die Menschen wählen weniger den öffentlichen Nahverkehr und weichen entweder aufs Fahrrad oder aufs Auto aus.“

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Karlsruher Pop-up-Radweg als Teil einer bundesweiten Aktion in 30 Städten

Von Mailand bis Madrid würden deswegen in zahlreichen Städten zusätzliche Radwege eingerichtet, auf denen sich Menschen in sicherem Abstand bewegen können. Am Samstag haben Greenpeace-Gruppen in mehr als 30 deutschen Städten kurzzeitig solche Pop-up-Radwege eingerichtet. Eine davon fand sich in der nördlichen Karlstraße in Karlsruhe.


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„Wir hatten uns überlegt, wo man so etwas in Karlsruhe besonders gut machen könnte“, erklärt Klasen. Gesucht war eine Straße mit zwei oder drei Spuren, von denen man zumindest eine temporär für Radler absperren könnte. „Über die Karlstraße ist ja schon viel diskutiert worden“, so Klasen. „Da gibt es Pläne von verschiedenen Gruppen, die dort etwas einrichten wollen, weil beispielsweise der Radverkehr von Norden nach Süden nicht möglich ist.“

Stadt Karlsruhe unterstützte Fahrrad-Aktivisten und sperrte Fahrspur ab

Rund eine Woche vor der Aktion habe man die Aktion als Demonstration im Rathaus angemeldet. „Die Stadt ist uns dann sehr entgegengekommen und hat die linke Spur zwischen Kaiserstraße und Akademiestraße mit Baken abgesperrt.“ Schon vor der Ampelkreuzung mit der Kaiserstraße seien Autofahrer mittels Hütchen auf die rechte Spur geleitet worden, damit die Radler die linke für sich hatten.

Im nördlicheren Abschnitt zwischen Akademie- und Stephanienstraße sei eine kurzfristige Absperrung laut Stadtverwaltung wegen der dortigen Parkplätze nicht möglich gewesen.

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Und dann gab es noch ein weiteres Problem: „Das Wetter hat leider nicht mitgespielt, es war nur mal eine halbe Stunde trocken“, erzählt Klasen. Deswegen seien während der rund dreistündigen Aktion nicht so viele Radfahrer vorbeigekommen wie erwartet.

Manch ein Radler sei sogar trotz der eigens eingerichteten Spur auf der Seite der Autos mitgefahren. „Das ist einfach etwas, an das sich die Leute noch gewöhnen müssen“, resümiert Klasen.

Nicht alle Radler nutzten direkt die neue Pop-up-Spur

Für den Karlsruher Greenpeace-Sprecher war die Aktion in Kooperation mit Fridays For Future, Lastenkarle und der Autofrei-leben-Initiative trotz schlechten Wetters ein Erfolg. Kein Autofahrer habe gehupt, niemand habe sich beschwert. Vielmehr lobte eine Autofahrerin beim Warten an der roten Ampel sogar die „gute Sache“.

Auf Dauer hält Klasen eine Radspur entlang der Karlstraße in der jetzt erprobten Form allerdings nicht für möglich, weil sich Radler am Beginn und Ende der linksseitigen Radspur am Verkehr vorbei einfädeln müssten.

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Die Greenpeace-Ortsgruppe fordert die Stadt Karlsruhe dazu auf, dort eine fahrradfreundliche Regelung zu finden und insgesamt mehr Platz fürs Rad zu schaffen. „Die rechtlichen Möglichkeiten für sichere Radwege sind da, der Bedarf auch“, so Klasen. Was fehlt, sei bisweilen der politische Wille.