Das Mannschaftsfoto des FC Phönix Karlsruhe aus dem Jahr 1897. | Foto: Stadtarchiv Karlsruhe, 8/SpoA 5552

Vorgängerverein FC Phönix

125 Jahre KSC: Wie aus dem FC Phönix der Karlsruher Sport-Club entstand

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Großer Geburtstag dank des FC Phönix: Der Karlsruher SC wird an diesem Donnerstag 125 Jahre alt. Am 6. Juni 1894 wurde der FC Phönix gegründet, aus dem zusammen mit dem VfB Mühlburg 1952 der KSC hervorging. Der will das Jubiläum im Herbst mit einem Festakt feiern.

Da sind sie gekommen, eines „schönen Sonntagvormittags“, mit ihren „weißen, langen Hosen“ und in „fröhlichster Stimmung“. So erinnerte sich Gerhard Benstz, einer der ersten Fußballer beim Karlsruher Club FC Phönix, an die Ankunft der Turner auf dem Engländerplatz. Diese hatten „ersichtlich noch nie einen Ball unter den Füßen gehabt“, notierte Benstz weiter, der mit seinen damaligen Mitschülern über die ersten Kick-Versuche der Turner „herzlich lachte“. Die aber hatten ihrerseits derart Spaß an dieser neuartigen Sportart, dass sie zu den Wegbereitern des Karlsruher SC wurden.

Turner bereiten den Weg

Dass der KSC an diesem Donnerstag Geburtstag feiert, das hat der badische Traditionsclub also Turnern zu verdanken. Und zwar starrsinnigen wie fußballbegeisterten Turnern gleichermaßen. Dass nämlich am 6. Juni vor 125 Jahren der FC Pönix, neben dem VfB Mühlburg einer der beiden Vorgängervereine des KSC, aus der Taufe gehoben wurde, das lag maßgeblich daran, dass die damalige Turngemeinde keine Fußballabteilung gründen wollte. Obwohl im Jahr 1894 eben auch einige ihrer Mitglieder das Spiel mit dem Ball für sich entdeckt hatten. Aus dem gemeinschaftlichen Kick auf dem Karlsruher Engländerplatz entstand so der FC Phönix.

6. Juni 1894: Geburtsstunde des FC Phönix

Der Engländerplatz an der Moltkestraße, der heute teilweise bebaut ist, war zu jenen Zeiten der Anlaufpunkt für Karlsruher Fußballer. Auch Phönix trug zunächst dort seine Spiele aus, immer am Sonntagnachmittag – und immer mit dem gleichen Ball. „Es gab nur einen. Der Ball wurde zuhause von einem Spieler gepflegt und notfalls auch geflickt“, erinnerte sich Phönix-Spieler Benstz, wie in der Stadtarchiv-Veröffentlichung „Sport in Karlsruhe“ nachzulesen ist.

„Es gab nur einen. Der Ball wurde zuhause von einem Spieler gepflegt und notfalls auch geflickt“

Dass der Verein sich dann derart erfolgreich entwickelte, das lag auch daran, dass schon 1902 eine Jugendabteilung gegründet und 1906 der eigene Platz auf Neureuter Gemarkung bezogen wurde.  Das war die Basis für den Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1909, als Phönix im Finale Viktoria Berlin mit 4:2 bezwang. Es waren die Glanzzeiten des Karlsruher Fußballs, im Jahr darauf holte der Karlsruher FV den Titel. In einem Zwischenrundenspiel zur Meisterschaft hatte der KFV den Lokalrivalen Phönix mit 2:1 bezwungen – vor mehr als 6000 Zuschauern am früheren KFV-Stadion an der Hertzstraße.

 

Stempel mit Phönix-Logo und handschriftlicher Vermerk "Spätjahr 1897"
Postkarte aus dem Jahr 1906: Gruß vom Sportplatz des damaligen Phönix-Kapitäns Artur Beier an seinen Mannschaftskameraden Fritz Reiser. | Foto: Stadtarchiv Karlsruhe, 8/SpoA 555

Für Phönix war die erfolgreichste Zeit damit aber vorbei. Es kam zu einem Zusammenschluss mit dem FC Alemannia, der eigene Platz musste aufgegeben werden. Nach dem ersten Weltkrieg bekam der Club Anfang der 1920er-Jahre eine Fläche am Wildpark vom Land pachtweise überlassen, wo eine Sportanlage mit mehreren Plätzen entstand und an deren Stelle 1955 das erste Wildparkstadion eröffnet wurde – bis heute die Heimat des KSC.

Umzug in den Wildpark

Sportlich aber brachte der Umzug keinen Erfolg. Nach dem zweiten Weltkrieg spielte Phönix nur kurz in der damals höchsten Klasse (Süddeutsche Oberliga). Nach einer Änderung der Verbandsstruktur rutschte der Club in die dritthöchste Spielklasse ab – als Ausweg sahen die Vereinsverantwortlichen nur noch die Fusion mit dem VfB Mühlburg, der 1933 aus einem Zusammenschluss des VfB Karlsruhe mit dem FC Mühlburg 1905 hervorgegangen war. Am 16. Oktober 1952 war die Fusion beschlossene Sache – die eigentliche Geburtsstunde des KSC, genauer: des  Karlsruher SC von 1894 Mühlburg-Phönix e. V.

Der KSC feiert – im Herbst mit einem Festakt

Im Herbst dieses Jahres will der KSC das 125-jährige Bestehen mit einem Festakt feiern. Ein genaues Datum steht nach Angaben des Vereins noch nicht fest. Zu einem Jubiläumsturnier mit „guten Freunden“ lädt der Club bereits am 13. Juli, dann gastieren Hertha BSC und Sturm Graz im Wildparkstadion. Die Fanszenen der Clubs verbindet eine jahrzehntelange Freundschaft und werden beim freundschaftlichen Kick sicher in „fröhlichster Stimmung“ sein. So wie einst die Phönix-Gründer auf dem Engländerplatz.