Ein Schläfchen am Mittag entspannt und setzt neue Energien frei.
Ein Schläfchen am Mittag entspannt und setzt neue Energien frei. | Foto: contrastwerkstatt_adobestock

Zwischen 15 und 30 Minuten

Karlsruher Schlafexperte über Powernapping: Noch wenig verbreitet, aber so wirksam

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Eine Hauptschlafphase in der Nacht – dieses Schlafmuster ist bei Erwachsenen in westlichen Industrieländern weit verbreitet. Bewohner südlicher Länder oder Asiens schlafen mehrmals am Tag. Und vor allem genießen sie ihren Mittagsschlaf.

„Gesteuert wird dieser Schlaf-Wach-Rhythmus über unsere ,innere Uhr’“, sagt Dr. Matthias Berger, Ärztlicher Leiter des Kompetenzzentrums für Schlafmedizin am Städtischen Klinikum Karlsruhe.  Diese befinde sich oberhalb der Kreuzungsstelle der Sehnerven. Der Fachmann nennt diesen Punkt „Nucleus suprachiasmaticus“ (in Kurzform auch SCN genannt). „Darüber wird auch Melatonin vermittelt und ein ‚Reiseplan‘ festgelegt“, erklärt der Karlsruher Mediziner. Dieser Plan entspreche einem 24-Stunden-Rhythmus.

Mittagsschlaf wird nicht unterstützt

Und wieso machen die berufstätigen Westeuropäer kaum Mittagsschlaf? Das liege vor allem an den Umständen, dass am Arbeitsplatz ein Mittagsschlaf nicht unterstützt wird. In anderen Kulturen, wie Ländern im Süden oder Japan, sei dies nicht der Fall, erklärt Berger und ergänzt: „Der Schlaf in der Nacht ist dort aber auch deutlich kürzer als in den westlichen Ländern.

Tiefschlaf vermeiden

Sollte es in den hiesigen Breitengraden doch mal erlaubt sein, mittags die Äuglein zu schließen, warnt der Karlsruher Schlafmediziner davor, zu lange Mittagsschlaf zu halten. „15 bis 30 Minuten – sonst führt der Schlaf von einem Leicht- zu einem Tiefschlaf“, erklärt Berger. Dies könne einen enormen Abbau des Schlafdrucks nach sich ziehen, was die Menschen nachts schlechter ein- oder durchschlafen ließe. Zudem führe Tiefschlaf zur sogenannten „Schlaftrunkenheit“, erklärt der Mediziner und nennt die Auswirkungen: „Der Schlafende erwacht schwerer, kann zeitlich und örtlich verwirrt und kognitiv eingeschränkt sein.“.

Das optimale Nickerchen

Um optimal am Nachmittag einschlafen zu können, gibt es mehrere Faktoren: Geschlossene Augen, eine Raumtemperatur von 17 bis 19 Grad, außerdem sollte es abgedunkelt und ruhig sein. „Beim ‚Powernapping‘ wird oft nur der Leichtschlaf erreicht, der sich dadurch auch auszeichnet, dass wir noch die Umgebung entfernt wahrnehmen, ohne sich sicher zu sein, ob wir überhaupt schlafen oder noch wach sind“, beschreibt der Arzt ein Gefühl  des kurzen Schlafs unter fünf Minuten – das vielen bekannt sein wird. Ab einem Zeitraum von fünf Minuten trete dann eine weitere Stufe des Leichtschlafs auf, in der der Schlafende auch den Eindruck habe, geschlafen zu haben.

Aufmerksamer und besser gelaunt

Ist es nun sinnvoll, während der Arbeitszeit ein oder zwei Augen zuzudrücken? Der Mediziner verweist auf mehrere Experimente mit Schichtarbeitern. Dabei wurde festgestellt, das Personen, denen ein kurzes Nickerchen erlaubt wurde, danach schneller reagierten, aufmerksamer und konzentrierter arbeiteten und besser gelaunt waren als Kollegen ohne Mittagsschlaf.