Andere Prioritäten: Die Deutschen achten mehr auf ihr Auto als auf ihre Schuhe, findet der französische Schuhmacher Benjamin Bigot.
Andere Prioritäten: Die Deutschen achten mehr auf ihr Auto als auf ihre Schuhe, findet der französische Schuhmacher Benjamin Bigot. | Foto: Sandbiller

Schuster Benjamin Bigot

Karlsruher Schuhmacher will Handwerk wieder erfahrbar machen

Anzeige

Schuhe hergestellt in Handarbeit in Karlsruhe – das gibt es bei Schumacher Benjamin Bigot. BNN-Redaktionsmitglied Christel Manzey hat im Rahmen der Serie „Tradition in der Gegenwart“ mit dem Handwerker über seinen selten gewordenen Beruf gesprochen.

„Schuster, bleib bei deinen Leisten!“  – Mit diesem Sprichwort kann Schuhmacher Benjamin Bigot nichts anfangen. Für den gebürtigen Franzosen bedeutet es Stillstand statt Weiterentwicklung. Dabei ist es genau das, was der junge Handwerker möchte: sich weiterentwickeln und seinem Leben neue Impulse geben. Er wählte den Beruf des Schuhmachers gerade wegen seines Exotenstatus. „Ich wollte schon immer etwas Besonderes machen, etwas, um die Menschen glücklich zu machen.“

Unterschiede beim Schuhkauf zwischen Deutschen und Franzosen

Sein Handwerk lernte Bigot in Marseille, 500 Kilometer von seinem Elternhaus entfernt. Seit nunmehr etwa zehn Jahren arbeitet er in der Fächerstadt. Zwischen Frankreich und Deutschland gebe es in Sachen Schuhen einen entscheidenden Unterschied. „In Deutschland liegt der Fokus in der Schuhmacherei eher im orthopädischen Bereich, in Frankreich schaut man mehr darauf, dass die Schuhe schön aussehen.“

Er selbst wolle seinen Kunden eine gesunde Mischung bieten. Eben schöne Schuhe, die auch passen. „Ein guter Schuh ist einer, bei dem man das Gefühl hat, gar keinen am Fuß zu haben“, erklärt Bigot. Immerhin seien Schuhe die einzige Verbindung zwischen Mensch und Boden.

Mehr zum Thema: Sollen Handwerker nach der Berufsausbildung künftig auch „Bachelor“ heißen?

In sechs Monaten zum maßgeschneiderten Schuh

Ungefähr ein halbes Jahr dauert es vom ersten Maßnehmen bis zur Abholung des fertigen Schuhs. Eine lange Zeit, in der sich Handwerker und Kunde oft gut kennenlernen, erzählt Bigot. Dieser persönliche Kontakt ist ihm wichtig, so der Schuhmacher.

Dabei geht er einen Schritt weiter als nur zu plaudern. Er möchte sein Handwerk für seine Kunden erfahrbar machen. Bei Bigot kann man nicht nur durch die großen Fensterfronten direkt in seine Grötzinger Werkstatt sehen, sondern in Workshops selbst Schuhmacher-Erfahrung sammeln oder lernen, wie man Schusters Rappen richtig pflegt.

Bigot erhofft sich dadurch mehr Wertschätzung. „Die Deutschen achten mehr auf ihr Auto als auf ihre Schuhe“, hat Bigot festgestellt. „Da zahlen sie bereitwillig mehr und sind auch bereit zu warten. Warum dann nicht auch für gute Schuhe?“

Mehr zum Thema: Barfuß aus Überzeugung: Karlsruher läuft seit 40 Jahren ohne Schuhe

Sieben Handwerksberufe in einem

Eigentlich übt ein Schuhmacher nicht ein Handwerk, sondern gleich sieben aus, erklärt Bigot. Neben dem Zusammennähen der Schuhe brauche es auch den Leistenbauer, den Designer, den Modellierer, den Schäftenäher, den Schuhspannermacher und den Schuhpfleger. Bigot vereint sechs Professuren, nur die Schuhspanner lässt er von einem Kollegen in Frankreich herstellen.

Wie es wohl mit seinem Handwerk weitergehen wird? „Ich glaube, dass Nachhaltigkeit wieder in Mode kommt“, mutmaßt Bigot. „Ich denke, dass die Kinder von heute in der Zukunft mehr Wert darauf legen werden, wie Produkte hergestellt und verarbeitet werden.“

Auch die Digitalisierung könnte Einzug in der Schuhmacherei halten. „Mit 3-D-Druckern könnten wir vielleicht einmal passgenaue Sohlen drucken. Wer weiß?“

Bisher erschienen im Rahmen der Serie:
Maßschneiderin Kerstin Brandt fühlt sich in Karlsruhe endlich angekommen
Patrik Bensch repariert in vierter Generation Uhren in Karlsruhe