Holger Fuerstenberger und Alisa Kailer haben ein Leuchtsystem für Kinderanhänger entwickelt
Holger Fürstenberger und Alisa Kailer haben ein Leuchtsystem für Kinderanhänger entwickelt | Foto: Sandbiller

Licht ins Dunkel bringen

Karlsruher Startup Travis entwickelt Beleuchtung für Kinderanhänger

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Mit einem innovativen Beleuchtungssystem für Kinderanhänger hat das Karlsruher Startup Travis eine Weltneuheit entwickelt. In diesen Tagen sollen die ersten Leuchtbänder verkauft werden. Außerdem ist eine Crowdfunding-Kampagne geplant.

Wenn es um die Sicherheit ihrer beiden Töchter geht, hält sich Alisa Kailer für eine „eher ängstliche und übervorsichtige Mutter“. Deshalb beschleicht sie bei Fahrradtouren mit dem Kinderanhänger in der Dämmerung jedesmal ein ungutes Gefühl.

„Sobald es dunkel wird, kann man die Dimensionen der Anhänger nicht mehr richtig erkennen“, sagt Kailer. Selbst improvisierte Lösungen wie das Anbringen von Stecklichtern brachten auf Dauer keine Entspannung.

Entwicklung selbst in die Hand genommen

Weil weder in Fachgeschäften noch im Internet ein gutes Beleuchtungssystem zu finden war, nahm Alisa Kailers Lebensgefährte Holger Fürstenberger die Sache selbst in die Hand und entwickelte in Eigenregie aus Nylonstreifen und LED-Bändern eine Leuchtanlage für den Kindertransporter.


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„Diese Leuchtbänder können ohne großen Aufwand an sämtliche gängigen Kinderanhängermodelle montiert werden“, verspricht Fürstenberger. Zur Stromversorgung können die leuchtenden LED-Bänder über einen USB-Stick an ein Handy oder eine mobile Powerbank angeschlossen werden. Die Tasche, in der das mobile Ladegerät dann regensicher verstaut wird, wird gleich mitgeliefert.

Eigene Firma gegründet

Für Produktion und Vertrieb haben Kailer und Fürstenberger nun die Firma Travis gegründet. Travis steht für Trailer Vision, ein englisches Wortspiel mit den Worten Trailer für Anhänger und Vision für Sichtbarkeit oder Vision.

Zur Finanzierung des Projekts wollen die beiden Unternehmensgründer nun noch eine Crowdfunding-Kampagne auf dem Portal Startnext initiieren und dazu noch Fördermittel für Unternehmensgründungen beantragen. Vom Erfolg des Unternehmens ist Fürstenberger bereits heute überzeugt. „Bislang gibt es so etwas nicht. Und die großen Anhängerhersteller hatten das Thema bislang offenbar nicht auf der Agenda“, sagt der Elektrotechnikingenieur.

Viel positive Resonanz auf der Eurobike in Friedrichshafen

Viel positive Resonanz auf die Produktidee erhielt das Unternehmer-Duo bei der Eurobike im Herbst 2019 in Friedrichshafen. Als Kailer und Fürstenberger im Innenhof ihres Wohnhauses in der Kriegsstraße am ersten Prototypen für das innovative Lichtsystem zum Schutz ihrer beiden gemeinsamen Kinder arbeiteten, wurden sie von einem fahrradbegeisterten Nachbarn zur Teilnahme am Eurobike Award überredet.

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Obwohl die beiden Tüftler die Unterlagen für die Wettbewerbsteilnahme erst auf den letzten Drücker einreichten, schafften sie es in der Kategorie Startup unter über 400 Einreichungen in den erlesenen Kreis der 20 Finalisten. „Das hat uns natürlich einen richtigen Schub gegeben“, sagt Fürstenberger. Und fast noch wichtiger als das gute Abschneiden beim Award waren die zahlreichen positiven Reaktionen der Eurobike-Besucher am kleinen Travis-Stand auf der Branchenschau am Bodensee.

Auch große Kinderanhänger-Hersteller haben Interesse

Viele Privatleute und Händler hätten gefragt, wann es ein solches System zu kaufen gebe. Auch die großen Kinderanhänger-Hersteller hätten ihr Interesse an der Neuentwicklung bekundet.

Dass sich Branchenführer wie Thule bislang nicht um eine ausreichende Beleuchtung ihrer Transportgefährte gekümmert haben, hat für Fürstenberger übrigens zwei Gründe: Zum einen seien bei der Entwicklung von Fahrradanhängern hauptsächlich Maschinenbauer im Einsatz und die Elektrotechnik spiele deshalb eine untergeordnete Rolle. Zum anderen sei die Zulassung solcher Systeme für den Straßenverkehr noch nicht endgültig geklärt.

Erfahrung bei der Entwicklung neuer Produktideen

Für Fürstenberger ist die Entwicklung neuer Produktideen nichts Neues. Bereits vor sieben Jahren hob der Elektroingenieur sein eigenes Ingenieurbüro Embedded aus der Taufe.

Seither beliefert er zahlreiche Unternehmen mit Dienstleistungen und Anwendungen im Bereich der Industrie 4.0. Verglichen mit seiner sonstigen Arbeit sei das Travis-System ein vergleichsweise einfaches Produkt.

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„Aber manchmal ist die Idee hinter einer Neuheit viel entscheidender als die technische Umsetzung“, sagt Fürstenberger. In den kommenden Wochen will er die ersten Leuchtbänder für einen Preis von etwa 60 Euro auf den Markt bringen. Zunächst einmal werden die Näharbeiten in Asien erledigt. „In Deutschland wäre die Produktion leider zu teuer“, sagt Fürstenberger.

Ideen zur Weiterentwicklung liegen in der Schublade

Ideen für die Weiterentwicklung hat der Ingenieur bereits heute zur Genüge. So könnte der Strom für die LED-Bänder künftig durch Solarzellen oder Nabendynamos erzeugt werden.

Auch einem Verkauf der Lizenzen an die großen Hersteller steht Fürstenberger aufgeschlossen gegenüber. Dann könnten neue Anhängermodelle künftig standardmäßig mit Leuchtsystemen ausgestattet werden.

Die Entwicklung der montierbaren Leuchtanlagen für den großen Bestand an unbeleuchteten Anhängern wollen Kailer und Fürstenberger aber nicht aus der Hand geben. „Das ist jetzt unser drittes Kind“, sagen die beiden. „Und dessen Entwicklung wollen wir persönlich begleiten.“