Tollhaus
Planen den Neustart: Die Tollhaus-Chefs Bernd Belschner und BRitta Velhagen. | Foto: jodo

Zeltival-Spezial geplant

Karlsruher Tollhaus will nach Corona-Schließung im Juni wieder öffnen

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Zuletzt hat Tollhaus-Chef Bernd Belschner Konzert um Konzert abgesagt oder verlegt. Jetzt ist er dabei, neue Veranstaltungen zu organisieren. Nach dann drei Monaten des Lockdowns will die Kultureinrichtung im nächsten Monat nämlich wieder öffnen.

Das Land lässt ab 1. Juni Veranstaltungen mit bis zu 100 Besuchern zu. Nach einem internen Testlauf und Schulungen der Helfer und Mitarbeiter plant das Tollhaus auf dem Schlachthof-Areal einen Neustart in der zweiten Juniwoche.

Programmtechnisch geht es bei Null los

„Wir halten Kultur und persönliche Begegnungen für wichtig, deshalb möchten wir bald wieder entsprechende Angebote machen“, erklärt Belschner. Programmtechnisch fängt er quasi bei Null an.

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Weil international viele Grenzen noch zu sind und Künstler komplette Tourneen absagten, fällt die vor Corona ausgetüftelte Terminliste quasi in sich zusammen. „Wir werden wahrscheinlich vorwiegend mit deutschen Künstlern arbeiten“, so Belschner.

Es haben alle zugesagt

Er hat bereits viele Telefonate geführt. „Es haben alle zugesagt.“ Kommen werde beispielsweise Gunzi Heil, verrät der Tollhaus-Chef. Ende Juni will er eine Art Zeltival-Spezial starten. Bestuhlt, versteht sich. „Das könnte dann auch über den ursprünglich als Schlusspunkt vorgesehenen 9. August hinaus laufen“, sagt Belschner.

Noch plant er mit vielen Unbekannten. Die Obergrenze von 100 Besuchern im Juni scheint fix. Offenbar soll die Programmdauer per Landesverordnung auf eine Stunde begrenzt sein. Gibt es ab Juli dann eine Marke von maximal 500 Gästen? Bleibt es beim Mindestabstand von 1,5 Meter? Österreich beispielsweise reduzierte bereits auf einen Meter. Und welche Lockerungen erlaubt eine Tracing-App?

Belschner erwartet Minus im hohen sechsstelligen Bereich

Gerechnet mit 1,5 Metern finden im kleinen Saal des Tollhauses 100 statt wie bisher 440 Besucher Platz. Im großen Saal könnten 250 statt zuletzt gut 800 Menschen sitzen. Belschner weiß, dass er mit diesen Größenordnungen kein Geld verdienen kann. „Wir werden absehbar welches verlieren.“

Statt dem sonst üblichen Plus am Jahresende erwartet er 2020 – trotz 30.000 Euro Soforthilfe des Landes – ein Minus im hohen sechsstelligen Bereich. „Das gab es in 38 Jahren bisher nicht.“

Theaterhaus möchte im kleinen Saal spielen

Dennoch will Belschner auch unter diesen schwierigen Umständen mit seinem Haus präsent sein, Veranstaltungen anbieten. „Das ist eine kulturpolitische Entscheidung“, sagt Belschner.

Ihn und seine Kollegin Britta Velhagen erreichte nun eine Anfrage des Theaterhauses. Dort hätten wegen der Abstandsregeln kaum mehr 20 Zuschauer Platz. „Die Idee unserer Kollegen ist, dass sie bei uns im kleinen Saal spielen“, berichtet Belschner.

Tollhaus-Gastspiele in der Schwarzwaldhalle?

Er kann sich das durchaus vorstellen. Gleichzeitig denkt er darüber nach, ob das Tollhaus womöglich im Herbst größere Konzerte in die Schwarzwald- oder Gartenhalle oder gar die dm-Arena verlegen könnte.

„Technisch wäre das kein Problem“, sagt Belschner. Und wenn es womöglich weiter keine oder nur wenige Messen gibt, wäre der Raum ja verfügbar.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Letztmals geöffnet war das Tollhaus am 8. März. Morgens kamen da 250 Gäste zum Jahresempfang, abends 200 Besucher zu Anna Mateur.

Von den seither geplanten Konzerten wurden 25 Prozent abgesagt, der Rest verlegt. Ob das neue Datum klappt, weiß keiner.

Atoll soll im September stattfinden

Festhalten will Belschner am Zirkusfestival Atoll im September, für das es aktuell Corona-bedingt einen Plan A und B gibt. Das Publikum freue sich auf den Neustart, berichtet Belschner.

„Die große Unterstützung der Menschen berührt uns“, sagt der Tollhaus-Chef. Viele Corona-Care-Beutel habe das Tollhaus verkauft, es seien Spenden eingegangen. Und viele verzichteten auf die Rückerstattung bereits gekaufter Tickets. Dieses Geld teilt das Tollhaus mit den Künstlern.