Keine U-Strab-Linien, sondern Kinosäle: Noch im Jahr 1999 konnten die Karlsruhe auf dem Europaplatz schon von weitem sehen, welche Filme im „City Universum“ liefen. Damals verdrehte etwa Hugh Grant im Film „Mickey Blue Eyes“ jungen Kinogängerinnen den Kopf.
Keine U-Strab-Linien, sondern Kinosäle: Noch im Jahr 1999 konnten die Karlsruhe auf dem Europaplatz schon von weitem sehen, welche Filme im „City Universum“ liefen. Damals verdrehte etwa Hugh Grant im Film „Mickey Blue Eyes“ jungen Kinogängerinnen den Kopf. | Foto: Jörg Donecker (Archiv)

Aktionen zum Geburtstag

Karlsruher „Universum“ wird 65: Ein Kinosaal mit 1000 zartblauen Sitzen

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Es war die zweite große Glanzzeit des Kinos, und mitten hinein in diese Ära stellte Willy Schweinfurth sein „Universum“, das seinerzeit modernste Kino der Fächerstadt. Zum ersten Mal ging der Vorhang am 13. Oktober 1953 auf – vor den Premierengästen, die auf 1 000 in zartem Blau gepolsterten Kinostühlen saßen und von Staatsschauspieler Waldemar Leitgeb begrüßt wurden.

Mitmach-Aktionen und Rabatte zum Geburtstags-Wochenende

Zum 65. Geburtstag der Universum-City-Kinos waren schon am Dienstag Freunde des Hauses, Partner sowie aktuelle und ehemalige Mitarbeiter zur Gala-Veranstaltung geladen. Und für die Kinogäste bietet das „Geburtstagskind“ an diesem Wochenende ein besonderes Programm samt Mitmach-Aktionen und reduzierten Preisen – zum Dank für die Treue in den vergangenen 65 Jahren, wie Axel Rößler, seit zwei Jahren Betriebsleiter des Kinos am Europaplatz, erklärt.

Zum Filmgeschäft kam der 33-Jährige, wie so viele in der Branche, vor zwölf Jahren eher durch Zufall. „Ich hatte abends Zeit übrig und war gerne im Sneak-Kino“, sagt er. „Da habe ich einfach mal gefragt, ob ich auch mithelfen könnte.“ Hans Kuttler, in dessen Fußstapfen Rößler nun getreten ist, stellte ihn damals ein – zunächst hinter der Popcorntheke, dann als Filmvorführer.

Das Universum war das schickste Kino – das hat die Mädels beeindruckt

Viele Generationen von Kinobesuchern können wohl ihre ganz persönlichen Geschichten zum „Universum“ und der Karlsruher Kinolandschaft erzählen, kennen noch die Namen der ehemaligen Lichtspielpaläste Gloria, Luxor, Atlantik oder Kamera. „Das Universum war das schickste Kino“, erinnert sich ein Karlsruher, der dieses Jahr ebenfalls 65 Jahre alt geworden ist, aber anonym bleiben möchte. „Dort liefen immer die neuesten Filme. Und danach gab’s ein Kristallweizen mit Reiskörnern auf der Terrasse im Kaufhaus Schneider – das hat die Mädels beeindruckt.“

Katastrophenfilme wie „Deep Impact“ von Mimi Leder lagen Ende der 90er im Trend.
Katastrophenfilme wie „Deep Impact“ von Mimi Leder lagen Ende der 90er im Trend. | Foto: BNN (Archiv)

In der Tat zählte das Filmtheater am Europaplatz oft zu den Vorreitern in der Kinowelt: Nach dem Umbau 1975, bei dem die Kinos „City“ und „Universum“ zu einem gemeinsamen Haus mit vier Kinosälen wurden, wartete man mit der ersten vollautomatischen Vorführanlage in ganz Deutschland auf.

Zudem hatte man, wie in anderen Karlsruher Kinos, die Saalgröße deutlich reduziert – die Leute kamen nicht mehr in so großen Massen, wie sie es noch zu „Wochenschau“-Zeiten und zu Beginn der TV-Ära getan hatten.

Universum-City-Kinos bieten Filme für Schüler und Familien

Mit einem landesweiten Pilotprojekt begann, was noch heute den Charakter der Universum-City-Kinos ausmacht: 1994 gab es erstmals Kino extra für Schüler, noch heute ist das filmische Angebot stark an Familien ausgerichtet. Insgesamt zwölf Mitarbeiter halten den Betrieb am Laufen. „Mein Team trägt zum größten Teil schon seit Jahrzehnten zum Erfolg des Unternehmens bei“, sagt Rößler. Auch das große Schild an der Fassade habe man selbst renoviert. „Mir war wichtig, dass der originale Schriftzug erhalten bleibt.“

Die Karlsruher Kinolandschaft hat sich in jüngster Zeit durch die Schließung der „Kurbel“ im Sommer erneut verkleinert. (Die BNN berichteten.)
Neben den Universum-City Kinos am Europaplatz ist auch der Filmpalast am ZKM ein so genanntes Multiplex-Kino, das mehrere Säle bietet. Daneben hat Karlsruhe noch mit einigen Programmkinos aufzuwarten: Das wohl bekannteste ist die Schauburg in der Südstadt, deren Betreiber im Sommer auch das Open Air Kino bei Schloss Gottesaue organisieren. Außerdem ist die Schauburg Gastgeber der „Independent Days“, dem größten Filmfestival der Stadt.
Die Kinemathek in der Kaiserpassage wurde 1974 als kommunales Kino gegründet und wird noch heute mit öffentlichen Mitteln gefördert. Auf dem Uni-Campus bietet der Akademische Filmkreis Karlsruhe (AFK) während der Vorlesungszeit zweimal wöchentlich Filmvorführungen im Hertz-Hörsaal an. Im Kulturhaus Mikado in der Nordstadt gibt es ebenfalls einen Filmclub.
Das „Blue Movie“ fällt unter die Kategorie der Erotik-Kinos. Es wurde 1951 als „Rex“ gegründet und in den 70er Jahren umbenannt.

Mit der Digitalisierung ersetzten rauschende Lüfter die ratternden Filmprojektoren, statt Zelluloidbänder einzufädeln, spielen die Vorführer heute Daten auf Festplatten. „Aber einmal im Jahr, am Maus-Türöffnertag, kommt der alte Projektor zum Einsatz, das ist immer schön“, sagt Rößler.

Heute machen den Kinobetreibern auch die Streamingdienste mit ihren Serienangeboten zu schaffen. Doch auch das Angebot der großen Filmverleihe sei ein Grund für die Kino-Krise, findet Axel Rößler. „Es laufen fast nur noch Bunte-Unterhosen-Filme – die mit den Superhelden aus den Comics.“ Doch er gibt die Hoffnung nicht auf. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es in den nächsten Jahren wieder besser wird.“

Hoffnung im Filmbusiness – nicht das schlechteste Leitmotiv.

Beim „Family Weekend“ am Samstag, 13., und Sonntag, 14. Oktober, gibt es von 12 bis 16 Uhr ein spezielles Programm mit Mitmachaktionen im Kinofoyer und vielen Rabatten. Infos unter www.universum-city.de