Schutzlos dem Mähwerk ausgeliefert liegt das Rehkitz im Gras. 90.000 Tiere sterben so jedes Jahr.
Schutzlos dem Mähwerk ausgeliefert liegt das Rehkitz im Gras. 90.000 Tiere sterben so jedes Jahr. | Foto: dpa

Finanzierung ist unklar

Tod im Mähwerk: Karlsruher Rettungsversuch für Rehkitze droht zu scheitern

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Es ist ein grausamer Tod im Mähwerk, der auch in diesem Frühling wieder abertausenden frischgeborener Rehkitze droht. Die Kreisjägervereinigung Karlsruhe hatte eine Idee, wie man die Tiere retten könnte. Doch die Initiative droht zu scheitern.

Der Wolf ist in aller Munde. Doch es ist die Mähmaschine, die das Leben von Bambi bedroht. Bis zu 90.000 Rehkitze sollen es bundesweit sein, denen das hohe Gras alljährlich zum Verhängnis wird.

Eigentlich soll es Schutz bieten vor Fressfeinden, wenn das Reh sein Baby im hochgewachsenen Wiesengras versteckt. Doch in der modernen Welt kommt eben nicht der Wolf, sondern der Traktor und in dessen Mähwerk stirbt Bambi einen schrecklichen Tod.

Tod im Mähwerk

Moderne Technik könnte den Rehen zu Hilfe eilen. Engagierte Jagdpächter fliegen Drohnen mit hochauflösenden Wärmebildkameras über die Wiesen, markieren und retten die Tiere.

Die Kreisjägervereinigung Karlsruhe wollte eigentlich auch eine Drohne kaufen. Doch Bambis Rettung droht am Geld zu scheitern. „Das Projekt ist ein wenig eingeschlafen“, räumt Roman Rossel von der Kreisjägervereinigung ein.

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Wärmebilddrohne kostet 10.000 Euro

Zum einen sind die Kosten offenbar zu hoch. Rund 10.000 Euro müsste man aufbringen, um eine Drohne samt der nötigen Wärmebildtechnik anschaffen zu können.

Zum anderen fehlt es aber auch an der Bereitschaft der Landwirte, sich frühzeitig zu melden, wenn sie mit dem Mähwerk auf ein bestimmtes Wiesenstück fahren wollen.

Man kann die Kitze doch nicht vorsätzlich schreddern.

Manfred Lochbühler, Jäger und Drohnenpilot

Dass die Idee, Rehkitze zu retten, am Geld oder an fehlenden Absprachen scheitern könnte, kann Manfred Lochbühler nicht fassen. „Man kann die Kitze doch nicht vorsätzlich schreddern.“

Lochbühler ist selbst Jäger, mit dem Gewehr und seit drei Jahren auch mit der Drohne. Sein Revier ist im schwäbischen Kreis Biberach.

„Ich jage seit 42 Jahren und habe viel Freude an der Jagd. Aber diese Kitze zu suchen und zu finden, das macht mir die größte Freude. Das ist was Wunderbares.“

Manfred Lochbühler sucht und findet seit drei Jahren frischgeborene Rehkitze im hohen Gras.
Manfred Lochbühler sucht und findet seit drei Jahren frischgeborene Rehkitze im hohen Gras. | Foto: Lochbühler

Schon bei seinem ersten Drohnenflug vor drei Jahren fand Lochbühler zwei Rehkitze, von der Mutter im Gras versteckt, unfähig zu laufen und dem Mähwerk des Landwirt schutzlos ausgeliefert.

„Ich konnte diese beiden Tiere retten. Das hat mich sofort fasziniert.“ Seither fliegt er seine Drohne regelmäßig über die Wiesen.

Die Idee hinter dem Drohnenprojekt ist es, früh morgens, ehe der Bauer die Wiese abmäht, aus der Luft nach den im Gras liegenden Kitzen zu suchen, sie erst weg zu tragen und danach zurück auf die gemähte Wiese zu legen.

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Die Landwirte müssen mitziehen

„Dafür stehe ich auch morgens um drei Uhr auf.“ Der frühe Start ist wichtig, denn wenn die Sonne aufgeht und den Boden aufheizt, werden die Informationen, die die Wärmebildkamera liefert, unklarer.

„Da sieht ein aufgewärmter Maulwurfshaufen schnell aus wie ein kleines Reh.“ Unbedingt notwendig ist die Absprache mit den Landwirten.

„Die müssen mir am Vorabend sagen, wo sie mähen wollen. Anders funktioniert es nicht.“ Doch Lochbühlers Bauern spuren.

10.000 Euro Bußgeld und eine Vorstrafe

„Es gibt immer einige, die nicht mitmachen wollen. Aber denen habe ich gesagt, wer vorsätzlich ein Kitz vermäht, dem drohen bis zu 10.000 Euro Bußgeld und eine Vorstrafe. Bei mir machen alle mit.“

Roman Rossel hat da weniger Glück. „Bislang haben nur ganz wenige Landwirte gesagt, sie hätten ein Interesse an dieser Drohnenaktion“, sagt er. Ohne Ankündigung laufe die Aktion ins Leere.

Und auch finanziell könne die Jägervereinigung das Projekt nicht alleine stemmen. „Ich wäre auch bereit, meine eigene Drohne umzurüsten. Aber selbst das würde 6.500 Euro kosten“, sagt Rossel.

Ich rechne mit bösen Kommentaren

Roman Rossel, Jagdvereinigung Karlsruhe

Der Karlsruher Jäger sieht auch noch andere Gründe, sein eigentlich fest eingeplantes Projekt auf die lange Bank zu schieben. „Ich rechne mit bösen Kommentaren. Man wird uns nachsagen, wir retten die Kitze doch nur, um sie später doch abschießen zu können.“

Mit seinem Verständnis von Jagd und Hege hat das aber nichts zu tun. Und auch Lochbühler will das so nicht gelten lassen.

„Man muss die Dinge trennen. Zu unserem jagdlichen Handwerk gehört auch, dass wir das Wild schützen. Wir können doch nicht zulassen, dass die Kitze geschreddert werden – unabhängig davon, ob wir dieses Tier eines Tages tatsächlich schießen.“

Die Rehkühe stehen kurz vor der Geburt

In Karlsruhe sollte die Bambi-Rettung per Wärmebild-Drohne eigentlich schon in wenigen Wochen losgehen. Das Gras wächst und die Rehkühe stehen kurz vor der Geburt.

„Ein Team habe ich schon zusammengestellt. Wir haben die nötigen Flugscheine und waren dabei, einen Bereitschaftsdienst aufzubauen“, sagt Rossel.

Mit den Landwirten ist er weiter im Gespräch. Aber eine Lösung für die Finanzierung der teuren Drohne hat er noch nicht gefunden.