Oberbürgermeister Frank Mentrup, Kurator Christian Lölkes vom ZKM, Staatssekretärin Petra Olschowski, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, und Martin Wälde, Direktor des Goethe-Instituts/Max Mueller Bhavan.
Oberbürgermeister Frank Mentrup, Kurator Christian Lölkes vom ZKM, Staatssekretärin Petra Olschowski, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, und Martin Wälde, Direktor des Goethe-Instituts/Max Mueller Bhavan. | Foto: jowapress

„Code“ trifft „Kunst“ – und überwindet Grenzen

Karlsruher ZKM im indischen Mumbai aktiv

Der Raum im Goethe-Institut/Max Mueller Bhavan in Mumbai ist voller junger Menschen, die vor sich Laptops haben, sich angeregt unterhalten, mitunter dazu heftig gestikulieren. Es ist ein sogenannter „Hackathon“, bei dem Kulturinstitutionen mit „Open Communities“ der indischen Programmierer-Szene zusammenarbeiten.

Erste Auslandsstation von „Open Codes“

Künstler und Programmierer sollen die Ausstellung „Open Codes. Leben in digitalen Welten“, die das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) seit Oktober 2017 in Karlsruhe zeigt, in Mumbai gemeinsam weiterentwickeln – und dabei auch um indische Fragestellungen und Perspektiven ergänzen, schließlich ist die erste Auslandsstation von „Open Codes“ vom 6. April bis 2. Juni im Goethe-Institut/Max Mueller Bhavan. Präsentiert werden dann rund 15 Werke aus „Open Codes“.

Kunstwerke im Spannungsfeld von „Code“ und „Kunst“

Zwei Tage lang werden jetzt aber erst einmal experimentelle Apps und Websites für die Vermittlung von Kunst entwickelt – und letztlich so auch Kunstwerke entstehen, die sich im Spannungsfeld von „Code“ und „Kunst“ bewegen. „Das ist eine coole Sache“, beschreiben Aditi Mewada, Sashvi Shah, Prerak Shah und Shraddha Shaligrann, alle Anfang 20, diese Herausforderung. Mit Kunst im klassischen Sinne haben die vier Studenten der Technischen Informatik aus Mumbai bislang nicht so wirklich zu tun gehabt, aber jetzt wird der Themenbereich gewechselt: „Das ist gerade die Herausforderung. Wir wollen mit Werken des Museums eine Art ‚Treasure game‘ erstellen, bei dem Besucher im Museum unter Anleitung dann durch die Räume geführt werden.“

Wir lernen durch diesen Austausch jede Menge.

Dazu geht das Team an die Entwicklung einer mobilen Anwendung. Es ist ein Austausch von Wissen, interdisziplinär dazu, denn das ZKM hat mit Unterstützung des Goethe-Instituts für den „Coding Culture-Hackathon“ renommierte Museen wie das „Chhatrapati Shivaji Maharaj Vastu Sangrahalaya“ (früher: „Prince of Wales Museum of Western India“) und das „Dr. Bhau Daji Lad-Stadtmuseum“ in Mumbai gewonnen, die auf dem Weg ins digitale 21. Jahrhundert durch die Initiative des ZKM nun auch in einen neuen, innovativen Dialog mit Technologie treten. Die Museen stellen Teile ihrer Sammlung und Kulturdaten dabei Programmierern zur Verfügung. „Wir lernen durch diesen Austausch jede Menge“, strahlt Mewada: „Wir blicken dabei auch auf ein neues Feld mit einem völlig neuen Blick“, gerade durch die Impulse aus einem anderen Bereich.

Neue Besucherfelder für Museen

Bilder aus Museen sind zum Beispiel nicht nur schlichte „Daten“, „da hängt eine ganze Geschichte dran“, erläutert Kurator Christian Lölkes das aktuelle Projekt des Karlsruher ZKM im indischen Mumbai: „Wir wollen aufzeigen, dass man das fächerübergreifend kombinieren kann.“ Kunst und Kultur lassen sich digital transportieren, so auch bewahren.“ Zudem eröffnen sich Museen damit auch neue Besucherfelder“, so Lölkes.

Karlsruher Kontakte nach Indien funktionieren

„Das ZKM hat hier völlig neue Wege beschritten“, so Staatssekretärin Petra Olschowski, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, die im Rahmen einer Delegationsreise zum Auftakt des „Hackathons“ anwesend war. Neben den „India Summer Days“ ist diese Präsenz des ZKM in Mumbai auch ein kultureller Beleg für die funktionierenden Karlsruher Kontakte nach Indien. „Ich freue mich, dass die Karlsruher diese großartige Idee nun auch nach Mumbai exportieren, denn mit Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung sind wir alle weltweit konfrontiert“; so Olschowski: „Dabei geht es auch darum, Aufgaben der Museen im 21. Jahrhundert neu zu definieren – und zu reflektieren, wie sie sich verändern und öffnen können und müssen, wenn sie nicht ihre Bedeutung verlieren wollen als Orte, an denen künstlerische und gesellschaftliche Fragen verhandelt werden.“

Pop-up-Labor erprobt neue digitale Kulturtechniken

Keine Frage: Der Austausch zwischen Deutschland und dem Technologieland Indien im Projekt „Open Codes“ ist ein großer Erfolg, denn die Zusammenarbeit von Kunstschaffenden und „Codern“ findet in Indien in dieser Form zum ersten Mal statt! „Mit diesem Ausstellungs- und Wissensexperiment sollen auf der Tiefenebene der Codes, die unsere digitalen Lebenswelten durchziehen, diese beiden kreativen Szenen eine zukunftsorientierte Allianz eingehen“, so Christiane Riedel, geschäftsführender Vorstand des ZKM: „Mit dem ‚Coding Culture-Hackathon‘ in Mumbai wird ein Pop-up-Labor eröffnet, in dem neue digitale Kulturtechniken erprobt werden können.“

Codes sind überall

Schließlich sind in einer digitalisierten Welt Menschen quasi jeden Tag umgeben von Codes; vom Smartphone-Code über genetischen Code und Notation von Musik bis hin zur Gebärdensprache. Diese geben quasi die Richtung vor, erschaffen dazu stetig Neues.

Hackathon mit 78 Teilnehmern

Doch wie funktionieren sie? Das ZKM beschäftigt sich mit dieser Frage, gibt visuell und interaktiv Aufschluss – und schlägt mit dieser Idee auch einen Bogen von Karlsruhe nach Indien. „Diese zwei an sich verschiedenen Bereiche bieten hier die Chance, Wissen gemeinsam zu teilen“, erläutert Lölkes, der zusammen mit Yasemin Keskintepe das Projekt betreut. Jetzt gehen 23 Projektteams mit insgesamt 78 Teilnehmern während des „Hackathons“ die Aufgabe an, kreative digitale Lösungen für eine Erweiterung musealer Angebote zu schaffen: „Schließlich sieht Kunst Codes bislang eher selten als Quelle eines künstlerischen Schaffens“, schmunzelt Lölkes: „Wir tauchen hier ein in ein Experiment, stellen uns dabei auch die Frage: Wohin kann das führen?“ In Mumbai findet dieser Ansatz einen fruchtbaren Boden, immerhin war eine Infrastruktur im Kunstbereich eher nur marginal vorhanden. „Open Codes. Leben in digitalen Welten“ kann da jede Menge fächerübergreifende Impule geben. Dieses in der Kulturszene digital verwurzelte Projekt schafft so eine interaktive Plattform für den Austausch von Wissen – ausgehend von einem kulturellen Ansatz in Karlsruhe. „Das ist eine großartige Sache“, freut sich Oberbürgermeister Frank Mentrup: „Eine essentielle Komponente aus Karlsruhe in der Kulturszene von Mumbai.“

Siegerteam gewinnt Reise nach Karlsruhe

Programmierer und Kulturinstitutionen werden zusammengebracht, Synergien gefördert und Kulturen vor dem Hintergrund des digitalen Wandels in Austausch gebracht. „Vielleicht können wir daraus sogar eine App oder eine Website als Geschäftsidee machen“, hofft Shaligrann mit seinem Team: „Aber zumindest wollen wir hier auch gewinnen!“ Denn immerhin ist der „Hackathon“ auch ein Wettbewerb, bei dem das Siegerteam, ausgesucht von einer Jury, eine fünftägige Reise nach Karlsruhe gewinnt, mit Besuch des ZKMs und der „Gulaschprogrammiernacht“, der größten Veranstaltungen des lokalen „Chaos Computer Clubs“. Da können sich die indischen Kreativen mit der lokalen Programmierer-Szene vernetzen – und eine Gulaschsuppe gibt’s obendrauf.

Von Jo Wagner

Infos: coding-culture.zkm.de