Elefantendame Jenny durfte die neue Außenanlage der Dickhäuter feierlich eröffnen. | Foto: Susanne Jock

Für Elefanten und Flusspferde

Karlsruher Zoo: Neue Außenanlage für Dickhäuter feierlich eröffnet

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Der Karlsruher Zoo hat die neue Außenanlage für Dickhäuter eröffnet. Tagsüber gehört das 3 000 Quadratmeter große Areal den Elefanten, abends und nachts werden die Flusspferde dort weiden. Beide Tierarten profitieren: Das Freigelände für die Elefanten verdreifacht sich, die Flusspferde haben nun elfmal mal so viel Platz wie bisher.

Jenny bringt 4231 Kilo auf die neue Waage

Jetzt ist es amtlich: 4 231 Kilogramm bringt Elefantenkuh Jenny auf die Waage. Zu sehen ist es an der LED-Anzeige, die man von der neuen Besuchertribüne bestens im Blick hat. Das riesige Messgerät, auf dem künftig nicht nur die Dickhäuter sich zu ihrem Gewicht bekennen müssen, ist ein Element des neuen Außengeländes für Elefanten und Flusspferde.  „Die Anlage ist ein weiterer Leuchtturm im Zoo – der ohnehin ein Leuchtturm unserer Stadt ist“, befand Oberbürgermeister Frank Mentrup bei der Eröffnung vor rund 300 geladenen Gäste.

 

Doppelter Beitrag zum Artenschutz

Musste man bislang schätzen, wie schwer die alten Damen sind, gibt es nun Gewissheit – und zwar auch über die Veränderungen. „Das sind wichtige Hinweise für den gesundheitlichen Zustand“, weiß der OB und erinnerte daran, dass der Karlsruher Zoo als Altersresidenz für Asiatische Elefantenkühe einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leistet. Und zwar in doppelter Hinsicht: Zum einen ist er auf die Bedürfnisse ehemaliger Zirkustiere und alter Zooelefanten spezialisiert und bietet ihnen bestmögliche Bedingungen. Zum anderen ist die Elefantenanlage aber auch mit einem Freilandprojekt verknüpft. Die Karlsruher Elefantenkühe Jenny und Nanda sind Botschafter für die Tiere eines Elefantenwaisenhauses in Udawalawe auf Sri Lanka, das die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe fördert. „Da fiel es uns als Stadt leicht zu investieren, sagt Mentrup. 1,4 Millionen Euro hat die Erweiterung der Außenanlage gekostet.

Das neue Gehege fand gleich zu Beginn Gefallen bei den Elefanten. | Foto: Susanne Jock

Jede Menge Anregungen

Die bietet den Elefanten nicht nur dreimal so viel Auslauffläche wie bisher, sondern auch jede Menge neue Anregungen, schilderte Zoodirektor Matthias Reinschmidt. So sind etwa Futterklappen im Gelände verteilt, die sich immer zu unterschiedlichen Zeiten öffnen – die Tiere müssen sich also bewegen. Anstrengen muss sich Elefantenkuh Jenny auch, wenn sie Heu oder Äste von den „Ästen“ des Futterbaumes klauben möchte. Für Abwechslung, Anregung und vor allem Abkühlung sorgt – als Pendant zum Badebecken im alten Abschnitt der Außenanlage – zudem ein Wasserfall vom künstlichen Felsen beim Futterbaum. „Unsere neue Elefantendusche“, erklärt Reinschmidt. Die Elemente tragen die Handschrift des Pflegerteams um Revierleiter Robert Scholz, das viele Ideen eingebracht habe, so der Zoodirektor. Die Ideen umgesetzt und „bis zur letzten Minute getüftelt“ habe das Bau- und Technikteam um Zooarchitektin Eva Kaltenbach.

Tagsüber gehört das 3 000 Quadratmeter große Areal den Elefanten, abends und nachts werden die Flusspferde dort weiden. Beide Tierarten profitieren: Das Freigelände für die Elefanten verdreifacht sich, die Flusspferde haben nun elfmal mal so viel Platz wie bisher. | Foto: Susanne Jock

Doppelnutzung ist ein Alleinstellungsmerkmal

Seit Januar 2018 wurde – mit Unterbrechungen – an der Erweiterung der Dickhäuteranlage gebaut. Das alte Papageienhaus musste abgebrochen und ein neuer Besucherweg am Kanal entlang angelegt werden. Der ursprüngliche Pfad zu den Dickhäutern und anschließend zur Brücke über den Kanal ist nun ins Gelände für Elefanten und Flusspferde integriert. Letztere werden abends und nachts auf der Anlage weiden. „Damit haben wir aus der kleinsten die deutschlandweit größte Freianlage für Flusspferde gemacht“, konstatierte der Zoochef. Auch sei die Doppelnutzung der Anlage mit Elefanten und Flusspferden ein Karlsruher Alleinstellungsmerkmal. Allerdings werde es gewiss Hochsommer, bis die Flusspferde Kathy und Platsch aufs neue Gelände dürfen – zunächst sollen sich die Elefanten eingewöhnen.

Nanda wird geführt  – Jenny gibt die „Rampensau“

Bei der fast blinden Nanda wird dies eine Weile dauern: Geführt von den Pflegern wird sie das Gelände kennenlernen, sich merken, wo die Wasser- und Futterstellen sind, berichtete Revierleiter Scholz. „Rampensau“ Jenny war bereits auf der Anlage – und hat gleich einmal den kleinen Hügel „bearbeitet“. Die gesäten Wildblumen für die Insekten werden hier nicht mehr wachsen, befürchtet Scholz. „Wir haben uns viel Mühe gegeben, aber die eine oder andere Schwachstelle der Anlage wird uns Jenny in den nächsten Tagen sicher noch zeigen“, sagte er schmunzelnd.

Jenny eröffnet die Anlage auch offiziell

Zunächst einmal machte Jenny aber prima mit: Nachdem die Rastatter Kindergartenkinder des Paul-Gerhardt-Hauses, verkleidet mit selbst gebastelten Rüsseln, zwei Elefantenlieder gesungen hatten, entfernte Jenny mit ihrem Rüssel souverän das rot-gelbe Band, das Mentrup und Reinschmidt hielten – und eröffnete so das neue Gelände.

Fakten

  • Von 1 100 auf mehr als 3 000 Quadratmeter wird die Freianlage für die Elefanten vergrößert.
  • Für die Flusspferde, die ihr altes Gelände sowie die Erweiterung der Dickhäuter-Anlage, nicht jedoch die alte Elefanten-Freifläche nutzen werden, vergrößert sich das Freigelände um den Faktor elf.
  • Acht Meter lang und drei Meter breit ist die Waage. Das Messgerät hat eine Auslastung von 7,5 Tonnen.
  • Das Wasser für die Elefantendusche wird vom Badebecken des alten Abschnitts der Außenanlage herübergepumpt.
  • An drei „Ästen“ des gut sechs Meter hohen Kunstbaums kann mittels Seilwinden Futter platziert werden.
  • Unter dem Futterbaum ist der Keller des alten Papageienhauses erhalten. Im „Felsen“ ist zudem ein Funktionsraum mit Technik und dem Equipement der Pfleger.
  • 14 Firmen waren am Bau beteiligt, 1 500 Stunden Eigenarbeit leistete das Zooteam.
  • Rund 1,4 Millionen Euro kostete die Erweiterung des Freigeländes.
  • Im Januar 2018 wurde das Gelände abgesteckt und mit den Vorarbeiten für den Abriss des alten Papageienhauses begonnen.