Schon angeordnet ist Tempo 30 in der Kriegsstraße bei der Weltzienstraße. Nun soll das Limit auch zwischen Weinbrennerplatz und Reinhold-Frank-Straße Lärm mindern.
Schon angeordnet ist Tempo 30 in der Kriegsstraße bei der Weltzienstraße. Nun soll das Limit auch zwischen Weinbrennerplatz und Reinhold-Frank-Straße Lärm mindern. | Foto: jodo

Tauziehen um Tempo 30

Karlsruhes neuer Plan gegen den Lärm

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Der Karlsruher Gemeinderat hat im Juli 2016 beschlossen, innerhalb von fünf Jahren zunächst auf 37 Straßenabschnitten Lärm zu mindern, etwa durch lärmarmen Belag (17 Abschnitte), stationäre Blitzer oder Tempolimits. Jetzt, im dritten Jahr der Abarbeitung, sind 18 Maßnahmen des Katalogs umgesetzt, darunter 13 lärmmindernde Beläge. Sechs Maßnahmen folgen aktuell oder in Kürze. Die übrigen 13 Maßnahmen würden bis 2021 absehbar auch realisiert, so die Stadt.

Donnert ein Schwertransporter durch die Eckener Straße, vibriert das Dachgeschoss. Dabei wohnen Jutta und Reinhard Schneider in einer Seitenstraße. Direkt an der vierspurigen Hauptverkehrsstraße spürt ein zugezogenes Paar mit Baby die Verkehrsbelastung noch stärker. Die Situation habe sich in den zurückliegenden zehn Jahren extrem verschärft, erzählt Rainer Schulze, ein anderer Anwohner. Im Garten entspannen könne er nicht mehr: „Nach einer Viertelstunde habe ich die Nase voll.“

Eckener und Rheinhafenstraße sind in puncto Verkehrslärm bekannte Problemstrecken. Der Lärmaktionsplan listete sie schon 2015 explizit als zwei von insgesamt elf Hotspots in der Stadt auf. Bürger klagten schon damals auch über die Autobahnen, die Herrenalber Straße in Rüppurr, die Rittnertstraße in Durlach sowie die Kriegsstraße als Quellen großer Lärmbelastung.

Karlsruher fordern mehr Maßnahmen gegen Verkehrslärm

Die Anwohner der Eckener Straße müssen mehr Geduld als andere haben, weil die Bahnhaltestelle im problematischen Straßenabschnitt verlegt und barrierefrei gestaltet wird. Das wird zusammen mit besserem Lärmschutz in einem Aufwasch erledigt. Das spart Kosten und Baustellenärger.

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Seit offiziell anerkannt ist, dass Lärm gesundheitsschädlich ist, fordern betroffene Karlsruher immer energischer Maßnahmen gegen Verkehrslärm vor ihrer Haustür. Ihre Aussichten auf Erfolg sind stark gewachsen. Der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim hat Kommunen jüngst Lärmschutzmaßnahmen zugestanden, sobald die standardisierte Berechnung für Tagstunden 65 statt bisher 70 Dezibel ergibt.

Nachts liegt der Wert nun bei 55 statt 60 Dezibel. Zusätzlich wurde die Macht des Regierungspräsidiums Karlsruhe beschnitten. Es hat nicht mehr das letzte Wort, wenn eine Kommune rein zum Lärmschutz Tempo 30 anordnen will.

Lärm-Schwerpunkte müssen neu bewertet werden

Für die Stabsstelle Lärmschutz im Amt für Umwelt und Arbeitsschutz der Stadt Karlsruhe geht die Arbeit gerade erst richtig los. Im Licht der geänderten Spielregeln sind viele Lärm-Schwerpunkte im Straßennetz neu zu bewerten. Dazu kommt die Aufgabe, widersinnig kurze Lücken zwischen Tempo-30-Abschnitten zu schließen. Ein wichtiger Aspekt ist auch, Verkehr nicht auf Parallelstrecken zu verlagern.

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Bevor ein Lärmschutz-Ansatz Realität wird, durchläuft er einen dicken Prüfkatalog. „Wir können nicht einfach handeln, wie wir wollen“, erklärt Norbert Hacker, der Leiter des Amtes für Umwelt und Arbeitsschutz. Dreh- und Angelpunkt ist die Lärmkartierung aufgrund von Verkehrszahlen und Kulisse. Es geht auch darum, möglichst wenig juristisch anfechtbar zu sein.

Gerichte akzeptieren nur Dezibel-Berechnungen: Messwerte kann man wegen schwankender Bedingungen nicht miteinander vergleichen. Übrigens sind bei Sanierungen im Bestand weit höhere Lärmwerte zulässig als bei Neubau, erklärt Hacker mit ausdrücklichem Bedauern.

Tauziehen um Tempo 30

Was sind nun die Perspektiven? Wo noch der Kombibau läuft, rückt ab 2021 Lärmschutz für Anwohner in den Blick. Er wurde bewusst auf die Zeit nach dem großen Buddeln vertagt, bei der Fortschreibung des Lärmaktionsplans 2016 ebenso wie beim Nachschlag von 17 Zusatzmaßnahmen, den der Gemeinderat in der letzten Sitzung des Jahres 2019 noch in rascher Reaktion auf die schärfere Dezibelregel verfügt hat.

Schlechte Karten haben Anwohner von Straßen, an denen lärmarmer Belag anerkannt nötig, der jetzige Belag aber noch sehr gut ist. Dort geschehe vorerst nichts, so Hacker. Stadtweit beobachten Anwohner aber das Tauziehen um Tempo 30 in weiteren Abschnitten der Rittnertstraße in Durlach. Dort sind mehrere Aspekte neu zu bewerten. Das kann Maßstäbe auch für andere Hauptverkehrsstraßen setzen, erklärt Monika Bregulla von der Stabsstelle. Ein Beispiel: Ein 300-Meter-Stück zwischen zwei Tempo-30-Abschnitten gilt als zu kurz, um darauf Tempo 50 zu erlauben. Sind 600 Meter aber dafür lang genug?