Dannenmaier
Axel Dannenmaier und sein Sohn Finn gehen oft gemeinsam fischen. Hier sind sie in der Nähe der Anlegestelle der Rheinfähre Neuburgweiher im Einsatz. | Foto: jodo

Hohe Nachfrage nach Fisch

Karlsruhes studierter Berufsfischer hat an Karfreitag Hochsaison

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Axel Dannenmaier ist Fischer im Nebenerwerb. Der Daxlander hat 400 Hektar Gewässerfläche gepachtet. Auf die Nebenarme des Rheins fährt er meist mit seinem Sohn Finn raus. Beide wissen: Karfreitag ist immer noch Fischtag. Der Hofladen ist deshalb offen.

Pirat oder Polizist sein: Nein, mit den Berufswünschen seiner Klassenkameraden hat Axel Dannenmaier schon in der Grundschule nichts anfangen können. „Ich wollte schon als Bub Fischer werden“, sagt der heute 51 Jahre alte Daxlander.

Er hat sein Ziel erreicht. Der Familienvater ist einer von drei Karlsruher Berufsfischern. 400 Hektar Gewässerfläche hat er gepachtet. Er wirft seine Netze vorwiegend in den Nebenarmen des Rheins aus, bei Karlsruhe, aber auch hoch bis zur französischen Grenze und in die andere Richtung bis zum Raum Ludwigshafen.

Dannenmaier studierte „Fishery Sciece and Aquaculture“ in Berlin

„Gewässer wird bewirtschaftet wie Wald“, erklärt Dannenmaier. Dies geschehe im harmonischen Miteinander mit den Anglervereinen, sagt der Mann, der mit blau-weißem Ringelshirt, Latzhose und Gummistiefeln den Kutter besteigt und sein Handwerk sogar studiert hat.

„Fishery Science and Aquaculture“ ist das Fach überschrieben, in dem Dannenmaier an der Humboldt-Universität Berlin innerhalb von zwei Jahren ein Diplom machte. Während er sich in Vorlesungen unter anderem mit Fischkrankheiten und Gewässerchemie befasste und schließlich eine Abschlussarbeit zur Ertragsfähigkeit der Alb verfasste, hatte er längst einen anderen akademischen Titel in der Tasche und zudem jede Menge Erfahrung auf dem Boot.

Ich liebe den Bezug zur Natur.

Sein vorangegangenes Wirtschaftsingenieursstudium finanzierte er nämlich mit Nebenjobs bei Fischern. Diese Ausbildung führte hin zur EnBW. Bis heute ist er bei dem Energiekonzern beschäftigt. Er arbeitet jedoch nicht Vollzeit, um Zeit zum Fischen zu haben.

Ganz einfach sei das Geschäft nicht, gerade das Rausnehmen des Fangs körperlich anstrengend. „Aber ich liebe den Bezug zur Natur“, erklärt Dannenmaier sein Hobby. Seit 14 Jahren ist es für ihn Nebenerwerb.

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Hofladen in Daxlanden

Er schwärmt davon, den Fisch zu suchen, zu fangen und ihn dann den Menschen zu geben. 2014 eröffnete Dannenmaier einen Hofladen in der Goldgrundstraße 2a in Daxlanden. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht.

Karfreitag
Fisch gibt es im Hofladen in Daxlanden auch an Karfreitag. | Foto: jodo

Der Fischer verkauft Ware, wenn er zurück ist vom Fischen. Restaurants wie die benachbarte Künstlerkneipe gehören zu seinen Kunden. Ebenso Endverbraucher. Einige kommen erst durch ihn auf den Geschmack – bei Bedarf unterstützt durch Rezepte und Tipps für die Zubereitung. Grundsätzlich seien viele Karlsruher nämlich keine großen Fischesser, sagt Dannenmaier.

Karfreitag ist immer noch Fischtag

Er weiß: An Karfreitag ändert sich das mit Macht. „Da gibt es immer einen totalen Run.“ Deshalb öffnet er am Feiertag den Hofladen von 10 bis 16 Uhr.

Ausnahmsweise bietet er dann zusätzlich zum Rheinfisch einige Seefische an, auf Wunsch fertig gebacken. Das übrige Jahr gelte sein Grundsatz: „Ich verkaufe keinen zugekauften Fisch.“

Selbst im Winter starte ich bei Helligkeit.

Dannenmaier informiert seinen Kundenstamm in einer WhatsApp-Gruppe darüber, wann er rausfährt und danach seinen Hofladen öffnet. Ganz früh geht es nicht los.

„Selbst im Winter starte ich bei Helligkeit“, erzählt Dannenmaier. Der Fischer dreht Videos an Bord, teilt sie im Chat. Und er versucht, Bestellungen zu erfüllen – soweit dies möglich ist. „Das ist wie eine Börse.“

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Der Hecht hat gerade Schonzeit

Lachs beispielsweise darf der Fischer grundsätzlich nicht fangen. Diese Art ist in den hiesigen Gewässern selten und bedroht. Der Hecht wiederum hat gerade Schonzeit. „Die Fische und ihre Laichzeiten haben Parallelen zur Pflanzenwelt“, erklärt Dannenmaier.

Wenn der Flieder blüht, würden beispielsweise Welse gefangen, wie alle Fischarten immer mit nicht zu kleinmaschigen Netzen, um nicht versehentlich Jungtiere zu erwischen. „Wels ist bei den Kunden im Kommen. Zander geht immer“, berichtet der Daxlander. Rotaugen und Brachsen hätten mehr Gräten und seien weniger gefragt. Dannenmaier versichert: „Ich selbst esse gerne und oft Fisch.“

Berufung kann man nicht vererben.

Der Daxlander erinnert sich: „Als Kind gab mir mein Vater eine Angelrute in die Hand. Ich war nie ein guter Angler, aber die Leidenschaft fürs Fischen kam damit auf.“ Dabei hatten seine Eltern eine andere Mission. Hundertmal nahmen sie ihn mit auf den Tennisplatz. „Ich hasse Tennis“, sagt der 51-Jährige und lacht.

Er hat aus dieser Erfahrung gelernt: Seinen 14 Jahre alten Sohn Finn führt er langsam an das Geschäft auf dem Gewässer heran. „Berufung kann man nicht vererben.“ Dennoch fahren Vater und Sohn regelmäßig zusammen raus. Und der Teenager versichert: „Die Fischerei macht mir Spaß. Man blendet den Alltag aus. Nebenbei kann ich mir das auch für später vorstellen.“

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