2019 drängten sich die Menschen auf dem Marktplatz beim Altstadtfest Durlach. Dieses Jahr fällt das Großereignis aus. Und voraussichtlich gehen die Vereine leer aus.
2019 drängten sich die Menschen auf dem Marktplatz beim Altstadtfest Durlach. Dieses Jahr fällt das Großereignis aus. Und voraussichtlich gehen die Vereine leer aus. | Foto: jodo

Absage wegen Corona

Kein Altstadtfest, kein Geld: Schlechte Aussichten für Vereine in Karlsruhe-Durlach

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Das Durlacher Altstadtfest ist eine der drei meistbesuchten Veranstaltungen in Karlsruhe. Im Corona-Jahr 2020 aber fällt das Großereignis unter freiem Himmel flach. Und die Vereine, die Jahr für Jahr das Angebot stellen und damit ihre Kassen wieder auffüllen, gucken voraussichtlich in die Röhre.

Sechs von zehn Karlsruhern und 30 Prozent der Menschen in der Region haben das Altstadtfest in der mittelalterlichen Kulisse schon mindestens einmal besucht. Das hat sich in einer aktuellen Bürgerumfrage zur Kultur in der Stadt gezeigt.

Zehntausende kennen den Trubel, die Musik, die Talentwettbewerbe und das Unterhaltungsprogramm, auch das kulinarische Angebot.

Beim Durlacher Altstadtfest drängen sich die Menschen

Örtliche Vereine gestalten das Altstadtfest, das 1977 erstmals veranstaltet wurde, um die Eröffnung der Fußgängerzone zu feiern. Die Aktiven bereiten alles für den Massenandrang vor. Sie bestücken die zahlreichen Stände an Straßen, Gassen und in Höfen. Die Aktiven machen Programm für Kinder, junge Leute und Erwachsene jeden Alters. Sie braten und brutzeln, zapfen Limo und schenken feine alkoholische Tropfen aus.

Die Menschen drängen sich an lauen Sommerabenden auf dem Marktplatz vor der einzigartigen Kulisse des Rathauses und der Stadtkirche. Sie schieben sich durch den Altstadtring, über schmale abzweigende Gassen und durch extra für den Festbetrieb geöffnete Hoftore.

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Festbetrieb finanziert Vereine

Unter dem Strich klingelt an den Festtagen im Juli traditionell die Kasse. Doch damit ist es in diesem Ausnahmejahr Essig. Früh war klar, dass das Großereignis wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr 2020 nicht stattfinden kann.

Der Festbetrieb ist aber ein Fixpunkt im Engagement der beteiligten Vereine. Die Einnahmen sind in der Regel die Grundlage für die Vereinsaktivitäten des ganzen Jahres.

CDU: Verlust gefährdet Vereinsarbeit

Der finanzielle Verlust, den die Absage des Altstadtfestes 2020 verursacht, gefährde die Arbeit engagierter Vereine, warnt jetzt die Durlacher CDU. Damit nicht genug: Auch bereits eingegangene Verpflichtungen würden einzelne Vereinskassen belasten.

Das müsse zumindest teilweise durch Mittel der Stadt ausgeglichen werden, fordern die Durlacher Christdemokraten. Immerhin spare sich die Stadt Leistungen verschiedener städtischer Dienststellen. Mehrere städtische Ämter sind in normalen Jahren für das Altstadtfest im Einsatz, weil anerkannt ist, dass die Veranstaltung im Interesse der gesamten Stadt ist.

Zuschuss für angemeldete Teilnehmer?

Für das gegenwärtige Krisenjahr stellt sich die CDU vor, dass alle diejenigen Vereine, die sich zur Teilnahme am Altstadtfest 2020 angemeldet hatten, einen Zuschuss der Stadt bekommen. Die Gesamtsumme des Zuschusses soll sich am Wert der städtischen Leistungen orientieren, die nun nicht erbracht werden müssen, und zusätzlich an der Standplatzgröße beim Altstadtfest.

Große Auftritte auf dem Marktplatz und an der Karlsburg

Die Turnerschaft Durlach (TSD) ist ein Fixpunkt am Brunnen auf dem Marktplatz, neben den Karnevalisten der GroKaGe Durlach. Im Schoppengässle wirbeln die Sportler der SpVgg Durlach-Aue, die Naturfreunde stehen auf dem Saumarkt, der ASV auf großer Fläche an der Karlsburg.

Die Einnahmen aus dem Fest sind zentral für alle Vereine.

Jan-Dirk Rausch, SPD-Ortschaftsrat und ASV-Notvorstand

ASV-Notvorstand ist der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Ortschaftsrat Durlach, Jan-Dirk Rausch. Ein „gut vierstelliger Betrag“ werde fehlen, trotz erwirtschafteter Rücklagen werde der ASV Investitionen verschieben müssen, sagt Rausch und gibt zu bedenken: „Die Einnahmen aus dem Fest sind zentral für alle Vereine, um ihr Angebot gut ausrichten zu können.“

Der TSD fehlen durch das ausfallende Fest 5.000 Euro, berichtet der Vorsitzende Mathias Tröndle. „Das geht sonst in die Jugendarbeit. Weil wir rein ehrenamtlich aufgestellt sind, kommen wir aber mit einem blauen Auge davon.“

Vorstoß missfällt der Karlsruher Stadtverwaltung

Der Stadtverwaltung missfällt der Vorstoß der Durlacher CDU. Das vorgeschlagene Vorgehen würde einen Präzedenzfall schaffen, heißt es. Zudem sei „nicht davon auszugehen, dass den zum Durlacher Altstadtfest angemeldeten Vereinen bereits jetzt nennenswerte Vorbereitungskosten entstanden sind“, so die Stadt.

Anfang April hätten Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) und die Bürgermeister außerdem festgelegt, dass alle Mittel, die wegen Corona nicht fällig werden, das allgemeine Defizits im Stadthaushalt mindern sollen.

40.000 Euro steuert die Stadt pro Jahr bei

Laut Stadtverwaltung flossen in den beiden Jahren 2018 und 2019 jeweils knapp 40.000 Euro ins Durlacher Altstadtfest. Das Geld stammt aus Mitteln der Kulturförderung. Für das Altstadtfest 2017 lag die Summe bei rund 34.000 Euro. Das Geld geht dabei nicht an die Vereine, sondern an die städtischen Ämter, die für das Altstadtfest im Einsatz sind.

Der Vorstoß der CDU ist am Mittwoch, 24. Juni 2020, Thema im Durlacher Ortschaftsrat. In der öffentlichen Sitzung, die um 17 Uhr im Festsaal der Karlsburg beginnt, wird der Antrag der Ortschaftsratsfraktion behandelt.