In der gefluteten Tiefgarage des Weisenburger-Neubaus ist es stockdunkel Tauchrettungssanitäter Thomas Hasdorf ist als Leinenführer eine wichtige Kontaktperson für die Kollegen unter Wasser. | Foto: jodo

Tauchübung in Karlsruhe

Kein Ort für zarte Gemüter

Anzeige

Bei starken Regenfällen kommt es immer wieder zu Überflutungen in Tiefgaragen. Um diese besondere Situation zu üben, veranstaltete die Wasserschutzpolizei am Mittwoch eine außergewöhnliche Tauchübung: In der gefluteten Tiefgarage des Weisenburger-Neubaus probten sieben Polizeitaucher für den Ernstfall.

Ein leicht mulmiges Gefühl macht sich breit. Man fröstelt etwas im zweiten Untergeschoss der Tiefgarage des Weisenburger-Neubaus in der Ludwig-Erhard-Allee. Tiefer hinab kommt man nicht, denn die unterste der drei Ebenen steht komplett unter Wasser. Gespenstisch klingt es, wie die blanken Betonwände das Geräusch von Atemgeräten zurückwerfen. Diese Situation bietet der Wasserschutzpolizei eine einmalige Möglichkeit: eine Tauchübung in geschlossenen Räumen.

Die Idee, die Tiefgarage für die Wasserschutzpolizei zu öffnen, kam Geschäftsführer Nicolai Weisenburger bei der Zusammenarbeit mit der Bergrettung im vergangenen Jahr. Damals wurde auf seiner Baustelle die Rettung aus einem 21 Meter tiefen Schacht geprobt. Der Rastatter Bauunternehmer verlegt seinen Hauptsitz nach Karlsruhe, 2020 soll der Umzug kommen.

Polizeibeamte aus ganz Baden-Württemberg involviert

Zwei Tauchübungen pro Monat sind für jeden Polizeitaucher in der Regel geplant. Die Polizeitaucher sind über ganz Baden-Württemberg verteilt. Für die Übung in Karlsruhe sind Beamte unter anderem aus Bruchsal, Kehl und Friedrichshafen angereist. 45 Taucher gibt es landesweit, bei dieser besonderen Übung in der Weisenburger-Baustelle gehen sieben Kollegen ins Wasser.

Nach spätestens 35 Minuten ist der Tauchgang der Polizeitaucher in der gefluteten Weisenburger Tiefgarage vorbei. Die Wassertemperatur liegt bei fünf Grad Celsius. | Foto: jodo

Die Übung in der gefluteten Tiefgarage ist nicht ungefährlich und unterscheidet sich stark von Tauchgängen in Seen oder Flüssen. Ähnlich wie beim Eistauchen können die Beamten bei Problemen mit der Ausrüstung nicht auftauchen: Das Wasser steht bis zur Decke. Maximal 35 Minuten dauert jeder Tauchgang, getaucht wird immer zu zweit.

Besondere Location mit „Wow-Effekt“

Im Wasser ist es stockdunkel und ziemlich kalt, erzählt Dennis Rösinger von der Wasserschutzpolizeidirektion Bruchsal. Zwar habe man nicht direkt ein beklemmendes Gefühl, aber man sei durchaus in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. So bleibt etwa die Sicherungsleine, mit der die Taucher Kontakt zu ihren Kollegen halten, immer mal wieder an den Ecken der Deckenpfeiler hängen. „Die Location hier ist aber etwas Besonderes, man hat einen richtigen Wow-Effekt“, so Rösinger. Gemeinsam mit seinem Kollegen hat er sich ins dunkle, fünf Grad Celsius „warme“ Wasser gestürzt. Kurz hätten sie im Treppenhaus den Kopf aus dem Wasser strecken können, sonst habe es keine Möglichkeit zum Auftauchen gegeben. Wird man in einer solchen Situation nicht schnell klaustrophobisch? „Das ist reine Übungssache für den Kopf“, sagt Rösinger.

Es klingt abgedroschen, aber Ruhe bewahren ist wichtig.

Auch Thomas Hasdorf weiß, dass so ein Tauchgang mit einigen Risiken verbunden ist. Der Tauchrettungssanitäter ist selbst über 30 Jahre aktiver Taucher gewesen und steht bei dieser Übung für den Ernstfall bereit. „Es klingt abgedroschen, aber Ruhe bewahren ist wichtig. In einer Notfallsituation muss man sich an das erinnern, was man gelernt hat“, so Hasdorf. Entweder passiere wenig oder es werde sehr kritisch. „Man muss sich blind auf die anderen verlassen können: auf den Partner unter Wasser, den Leinenführer, die Reservetaucher, die Sanitäter an Land. Kameradschaft wird bei uns großgeschrieben.“

Nicht für die Übung geflutet

Doch warum ist die Tiefgarage eigentlich geflutet? Nicht etwa für die Übung, sondern aus baulichen Gründen. Projektleiter Patrick Krumm erklärt, dass die circa 8 500 Kubikmeter Wasser zur Stabilisation des Gebäudes dienen, das der japanische Star-Architekt Tadao Ando entworfen hat. Das Wasser bildet ein Gegengewicht, nachdem im November 2018 mehrere Spundwände entfernt wurden.