Etwas Glück war dabei: Thingsthinking-Geschäftsführer Sven J. Körner hat mit Künstlicher Intelligenz auf ein aktuell sehr gefragtes Thema gesetzt. | Foto: jodo

Sven J. Körner

Keine Angst vor Künstlicher Intelligenz

Sven J. Körner ist Gründer und Geschäftsführer des Karlsruher Start-ups Thingsthinking, das mit Künstlicher Intelligenz (KI) unstrukturierte Daten in wenigen Sekunden semantisch auswertet. Um ein Haar wäre er allerdings auch Pilot oder Musiker geworden.

Bei der Lufthansa hat der 39-Jährige den Eingangstest für Piloten nur wegen einer Rotschwäche in den Augen nicht bestanden. Und musikalisch talentiert ist der Gitarrist, der mit Silbermond und DJ Bobo auf Tour war obendrein. Einige seiner Mitstreiter von damals leben inzwischen von der Musik. Für ihn sei es jedoch noch immer ein schönes Hobby, mit dem er sich so manchen Urlaub und das Studium finanziert habe. Hobbymäßig ist er immer noch mit Projekten wie „Rock + Dance“ als Musikdirektor sowie Gitarrist aktiv und auf den Bühnen rund um Neckarsulm zu sehen.

Gründer mit wissenschaftlicher Laufbahn

Statt der Musiker- oder Pilotenkarriere wurde es dann doch das Informatik-Studium am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), wo er auch eine wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen hat. Das ist eine Vergangenheit und Erfahrung, die nur relativ wenige Gründer haben. Seine Promotion lässt der Akademiker jedoch nicht heraushängen – den Zusatz „Doktor“ hat er sogar aus seinem Reisepass streichen lassen. Diese Zurückhaltung legt er auch an den Tag, wenn es um Erfolge wie die Analyse des Koalitionsvertrags geht, die seinem Unternehmen im Februar deutschlandweit Beachtung gebracht hat.

Du darfst über alles reden, außer über 20 Minuten.

Damals hat die Künstliche Intelligenz das Koalitionspapier geprüft, ausgewertet und festgestellt, dass etwa 70 Prozent auf das Programm der SPD und nur 30 Prozent auf das der CDU zurückgehen (die BNN berichteten). „Wenn ein Kunde das Thema anspricht, reden wir darüber. Von selbst berichten wir davon eher weniger“, so der Gründer, der immer häufiger als Redner eingeladen wird. Vielleicht weil seine Vorträge als unterhaltsam, anschaulich und kurz bekannt sind. Seine eigene Vorgabe lautet: „Du darfst über alles reden, außer über 20 Minuten.“

Bei einem Thema wie der Künstlichen Intelligenz von Vorteil: Sven J. Körner hat eine bildhafte Sprache und kann sehr anschaulich erklären. | Foto: Tanja Rastätter

Körner ist in Neckarsulm geboren und aufgewachsen, hat Teile seiner Jugend in den USA verbracht und spricht daher perfekt Englisch. Inzwischen hat er seine eigene Familie, lebt mit seiner Frau und seiner vierjährigen Tochter in Bad Friedrichshall bei Neckarsulm.

Begeisterter Rennradfahrer

Das Unternehmen Thingsthinking, das Körner 2017 mit drei anderen als Ausgründung des KIT ins Leben gerufen hat, sitzt jedoch in Karlsruhe in der Technologiefabrik. Die Entfernung stellt kein Problem dar, oft kann er von zu Hause arbeiten oder ist ohnehin beim Kunden. Erst vergangene Woche ist das Start-up, das von allen Seiten große Unterstützung erfährt, vom Keller in den zweiten Stock gezogen. Inzwischen arbeiten dort zehn Mitarbeiter. Etwa die Hälfte des Teams fährt Rennrad, oftmals auch gemeinsam. „Vergangene Woche sind wir bei einem Rennen über zweihundert Kilometer mitgefahren“, erzählt Körner.

Weiterhin enge Zusammenarbeit mit KIT

Der Experte für Künstliche Intelligenz arbeitet weiterhin eng mit KIT-Professor Walter Tichy zusammen, an dessen Institut er war. Das Geld der Investoren hat das Start-up bisher noch nicht benötigt. Bei der Cebit wurde es beispielsweise vom Land Baden-Württemberg unterstützt.


Menschen werden von Maschinen unterstützt

Die Künstliche Intelligenz könne bei schriftlichen, maschinenlesbaren Texten – etwa Ausschreibungen, Verträgen, Gesetzestexten oder allgemeinen Dokumenten – für eine semantische Interpretation eingesetzt werden. „Je besser die Anforderungen sind, desto besser ist die Software“, so der Entwickler, der schaut, wie man diese noch besser gestalten kann. Menschen werden dabei von Maschinen wie der Künstlichen Intelligenz unterstützt.

„Gabelstapler fürs Gehirn“

„Maschinen machen die Arbeit nicht besser als Menschen – nur viel schneller“, sagt der Informatiker, der sie auch als „Gabelstapler fürs Gehirn“ bezeichnet. Körner legt Wert darauf, dass die Einordnung noch immer der Mensch übernehmen muss. Er würde in seinem Bereich momentan nie eine Maschine entscheiden lassen. Denn diese liefere immer nur eine Handlungsempfehlung.

Kundennamen nennt der Geschäftsführer übrigens eher ungern, verrät auf Nachfrage dieser Zeitung immerhin, dass zwei der großen Wirtschaftsprüfer sowie große Automobilzulieferer, Maschinenbauer und Energiedienstleister darunter sind. Viele Kunden seien immer wieder überrascht, was die Künstliche Intelligenz alles findet. Im Beratungsgespräch sagen er und seine Kollegen allerdings auch, wenn etwas nicht funktioniert, sie etwas nicht können oder sie es einfach einmal probieren müssen.

International gefragt

Auch international ist der Informatiker gefragt: Am vergangenen Wochenende wurde er auf die prestigeträchtige RAAIS-Konferenz mit 300 Teilnehmern nach London eingeladen – darunter Vertreter von Google und Facebook. Auf die Konferenz kommt nur, wer eine persönliche Einladung hat. Außerdem plant das weltweit erfolgreichste Wirtschaftsmagazin „Forbes“ eine Geschichte über das Unternehmen.

Künstliche Intelligenz „auf die Straße bringen“

Für die Zukunft der Künstlichen Intelligenz sei es wichtig, das das Thema möglichst bald „auf die Straße gebracht“ und als Helfer verstanden wird. „Nichts spricht lauter als eine Lösung in der echten Welt“, sagt er. Wie ein Auto funktioniert, wissen die meisten Menschen, aber nicht, wie eine KI funktioniert, erklärt er. Dabei bringe diese künftig viele Jobs, und man brauche überhaupt keine Angst davor haben.