Baustelle Marktplatz
DA FEHLT DOCH WAS: Kein Kran macht mehr der Pyramide die Spitzenposition auf dem Marktplatz streitig. Vor fünf Jahren wurden die Schienen und die Oberleitung aus der guten Stube der Fächerstadt entfernt. Jetzt wird die U-Strab-Baustelle weiter verkleinert. | Foto: jodo

Rückzug der U-Strab-Baustellen

Keine Ostereier an der Pyramide

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Der Kran ist weg. Die Pyramidenspitze ist wieder der Höhepunkt mitten auf dem Marktplatz. Sonst aber nimmt der U-Strab-Bau auch zu Ostern 2018 den Großteil der City-Plätze in Beschlag. Eine Ostereiersuche an der Pyramide bleibt unmöglich.

Der nahezu komplette Rückzug von der Oberfläche verzögert sich also erneut. Ihn hatte die Kasig schon für vergangenen Sommer und dann wenigstens zu Weihnachten in Aussicht gestellt und dann auf Ostern verschoben.

Pyramide noch in Holz

Das Wahrzeichen der Fächerstadt bleibt nun noch bis zum Sommer in Holz verpackt. Direkt anschließend werde dann der Sandstein von Carl Wilhelms Grabmal durch die Stadt saniert, versichert der U-Strab-Bauherr Kasig.

Langwierige Stadt-Kur

Das Verabreichen der Kombilösung ist eine langwierige Sache. Im neunten Jahr schon müssen die Karlsruher unter der Bautherapie leiden, damit irgendwann ihr Straßenbahnverkehr in der City unterirdisch wird. Immerhin sollen mit der Karlsruher Kombi aus U-Strab und Autotunnel Kriegsstraße die Schlagader-Verstopfung des Schienennahverkehrs kuriert und die Innenstadt revitalisiert werden.

Wunden bleiben lange offen

Die Wunden, welche die U-Strab-Baustellen den Plätzen seit Jahren zufügen, verheilen dabei jetzt aber langsamer, als es sich der Kombi-Bauherr, die städtische Tochter Kasig, optimistisch vor einem Jahr nach all den vorangegangenen Verzögerungen vorstellte.

Vor dem U-Strab-Baustart im Januar 2010 hatten die damaligen Kombi-Bauherren den Karlsruhern versprochen, dass sie der Tunnelbau an der Oberfläche kaum beeinträchtigen würde. Damals hieß es: Jeder Platz wird beim Einbau der U-Strab-Station insgesamt nur zwei Jahre in Anspruch genommen, und zwar jede Platzhälfte nur für ein Jahr. Inzwischen ist klar, dass etwa der Europaplatz oder der Berliner Platz erst nach neun beziehungsweise sieben Jahren wieder frei werden.

Fünf Jahre ist die gute Stube eine Großbaustelle

Auch der Marktplatz ist seit 2013 eine Großbaustelle. Eigentlich sollte die U-Strab bereits Ende 2016 rollen, jetzt wird dafür Ende 2020 anvisiert. Indes macht nicht zuletzt die Vergabeproblematik wegen der Extremkonkurrenz im Bauboom inzwischen auch Ende 2022 zum gut denkbaren Termin für den Beginn des wahren U-Strab-Zeitalters.

Schnecke und Känguru

Der Fortschritt beim Karlsruher Jahrhundertbauprojekt orientiert sich also am Tempo einer Schnecke. Dagegen gleicht der neuerliche Kostensprung um 100 Millionen auf prognostizierte 1,2 Milliarden Euro in der Endabrechnung für die Kombi dem Satz eines Kängurus.

Weiterer Rückzug nach Ostern

Wegen der anhaltenden Rohbauarbeiten unter Tage lässt der so lange versprochene Rückzug der U-Strab-Baustellen von der City-Oberfläche wie der wahre Frühling zu Ostern auf sich warten. Am Marktplatz werden nach dem vorösterlichen Abzug des Krans laut Kasig-Pressesprecher Achim Winkel erst nach dem Eierfest die Baustellenzäune auf der Südfläche vor dem Rathaus abgeräumt. Inzwischen sei auch die Transportluke im Norden vor Café Böckeler verschlossen. Dort werde die Baustelle aber erst im Juni kurz vor der Sanierung der Pyramide drastisch verkleinert, erklärt Winkel.

Veränderung auf dem „Euro“

Der Europaplatz wird derzeit weiter von drei Gattern für den U-Strab-Bau dominiert. Zwar ist die Transportluke im Westen, wo bis 2010 der Greif auf dem Grenadierdenkmal thronte, um die U-Strab-Treppe geschlossen. Doch erst nach Ostern nehme man dort den Bauzaun zurück, so die Kasig. Die Baustelle auf der Platzmitte verschwinde gar erst im Sommer.

Berliner Platz
ALLES BAUSTELLE, ODER WAS? Eigentlich sollte der Berliner Platz schon ewig nicht mehr verbarrikadiert sein. Fotos: jodo | Foto: jodo

Berliner Platz in Beschlag

Der Berliner Platz ist sogar entgegen aller Ankündigungen immer noch komplett in Hand der BeMO Tunnelling. Im Juni oder Juli soll dort die Bauherrschaft der U-Strab zu Ende gehen, sagt die Kasig heute.
Die Hälfte des unteren Kronenplatzes wird weiter von deren Bürocontainerburg belegt.

Dazu kommen außerhalb der Fußgängerzone: Um das Ettlinger Tor und in der Karl-Friedrich-Straße südlich des Rondellplatzes hat das Wiederherstellen der Oberfläche gerade erst richtig begonnen.

Das Durlacher Tor ist Ende 2018 wieder offen

Auch das Durlacher Tor, seit sechs Jahren die größte oberirdische U-Strab-Baufläche, bleibt bis Ende 2018 weitgehend in den Händen der Bauarbeiter. Um dort die schon neuverlegten Schienenabschnitte zusammenzuschließen, wird der Straßenbahnverkehr im Sommer für viele Wochen unterbrochen. Immerhin steht das Versprechen des Karlsruher Baustellenmanagements: „Das Durlacher Tor wird Ende 2018 verkehrstechnisch fertig.“