Da geht Es heiß her: Keramikmeisterin Susanne Tietze brennt ihre Stücke zweimal – einmal bei 900 und einmal bei 1.260 Grad Celsius.
Da geht Es heiß her: Keramikmeisterin Susanne Tietze brennt ihre Stücke zweimal – einmal bei 900 und einmal bei 1.260 Grad Celsius. | Foto: Sandbiller

Tradition in der Gegenwart

Keramikmeisterin Susanne Tietze fertigt Geschirr in Karlsruher Töpferei

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Tassen, Teller und Teekannen handgedreht auf der Töpferscheibe, das gibt es bei der Keramikmeisterin Susanne Tietze. BNN-Redaktionsmitglied Christel Manzey hat im Rahmen der Serie „Tradition in der Gegenwart“ mit der Handwerkerin über ihren selten gewordenen Beruf gesprochen.

Sie sieht sich eher als Handwerkerin denn als Künstlerin: Töpferin Susanne Tietze fertigt Gebrauchskeramik an. Die Kunst überlässt die gebürtige Karlsruherin lieber anderen. „Man muss sich ja einarbeiten“, sagt sie mit Blick auf verschiedene Stile und Fertigungstechniken.

Sie selbst hat für sich die Entscheidung getroffen, keine Künstlerin zu werden. Ihre Handwerkskarriere begann sie mit der Ausbildung zur Keramikerin 1980 in Baden-Baden. Damals war es noch schwer, eine Lehrstelle zu finden, erinnert sich Tietze. Die meisten Stellen waren schon besetzt.

Heute sehe das freilich anders aus. Viele Werkstätten, die früher bis zu fünf Lehrlingen beschäftigten, haben sich heute verkleinert. Sie selbst bildet auch nicht aus, obwohl sie hin und wieder Anfragen erhält. Dafür sei die Werkstatt einfach zu klein.

Handarbeit in Serie

Nach der Meisterprüfung gründete Tietze 1992 ihre eigene Werkstatt, erst im Keller des Vaters, später teilte sie sich Räume mit einer befreundeten Schuhmacherin. Die machte sie auf eine freie Werkstatt in der Steinstraße aufmerksam. Seit 23 Jahren arbeitet Tietze nun schon dort im Gewerbehof.

Am häufigsten werden bei ihr Tassen und kleine Schalen nachgefragt, erzählt die Keramikmeisterin. Alle Stücke sind spülmaschinenfest, sodass man sie wie jedes andere Geschirr verwenden kann.

Tietze fertigt in Serie an, wie sie sagt. Zwar ist jedes Stück handgemacht, aber sie produziere eben nicht nur eine Tasse, sondern gleich 40 oder 50 Exemplare.

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Geschirr kommt zwei Mal in den Ofen

Manchmal bringen die Kunden eigene Keramiken, die als Vorlage dienen. Auch verlorene oder beschädigte Deckel „dreht“ Tietze nach. Nicht gerade ihre Lieblingsbeschäftigung, wie sie zugibt. „Beim Brennen hat der Ton einen Schwund von zehn Prozent. Da muss man alles genau ausmessen und berechnen, damit der Deckel am Ende auch passt.“

Gebrannt wird zweimal, einmal beim Schrühbrand bei 900 Grad Celsius und nach dem Glasieren noch einmal bei 1 260 Grad. Das dauert zwölf Stunden. Nach dem Brennen müssen die Stücke eineinhalb Tage auskühlen, bevor sie verkauft werden können.

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Produktion für den Weihnachtsmarkt beginnt im Oktober

Was nichts geworden ist, spendet Tietze gerne an die benachbarte Kita. Dennoch ärgere sie natürlich jedes Stück, das misslingt. „Einmal ist mir ein Brett voller Teekannen runtergefallen, das war sehr ärgerlich“, erinnert sie sich. „Vor allem, weil Teekannen so aufwendig sind.“

Ihre Werke verkauft sie nicht nur in ihrem kleinen Laden vor der Werkstatt, sondern auch auf Töpfermärkten in ganz Süddeutschland. Auch auf dem Christkindlesmarkt in Karlsruhe hat sie einen Stand. Dafür laufen bald die Vorbereitungen an. „Für mich ist ab Oktober Weihnachten“, sagt sie.

Bisher erschienen im Rahmen der Serie:
Maßschneiderin Kerstin Brandt fühlt sich in Karlsruhe endlich angekommen
Patrik Bensch repariert in vierter Generation Uhren in Karlsruhe
Karlsruher Schuhmacher will Handwerk wieder erfahrbar machen