Noch stehen sie nebeneinander, die Aufschriften "studio 3" und "Die Kurbel". Doch zum 2. August wird sich das wohl ändern. | Foto: Jodo

Kinemathek braucht Mitnutzer

Was kommt nach dem „Kurbel“-Aus?

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„Es ist eine bittere Ironie des Schicksals: Gerade als man dachte, man könnte gemeinsam an der Zukunft dieses Kinohauses arbeiten, kam die Kurbel-Insolvenz“, kommentiert die Geschäftsführerin der Kinemathek, Christine Reeh-Peters, das nahende Aus für „Die Kurbel“, die zum 2. August ihren Kinobetrieb einstellen wird. Einen Tag zuvor kommt die Kinemathek aus ihrer kurzen Sommerpause im Juli und startet ihr Ferienprogramm „Strandgut und andere Perlen“ – und steht dann zunächst allein da in dem Haus, in dem die Kinemathek seit 2010 als Hauptmieter des Kurbel-Gebäudes den Erdgeschoss-Saal mit dem Namen „Studio 3“ nutzt.

Große Herausforderung

Das stellt den Filmkunstverein vor eine große Herausforderung. Wegen der Situation, zunächst ohne Partner die volle Miete tragen zu müssen, sei man in Gesprächen mit der Stadtverwaltung und dem Vermieter, betont Reeh-Peters. Auch gelte es nun, im Dialog mit dem Gemeinderat ein neues Nutzungskonzept und entsprechende Mitnutzer zu finden, denn im Alleingang könne die Kinemathek nicht das gesamte Haus bespielen.

Kulturbürgermeister bedauert Aus

Kulturbürgermeister Albert Käuflein erklärt hierzu, er bedauere das Aus für die „Kurbel“. Damit gehe ein Stück Karlsruher Kinogeschichte zu Ende. „Gemeinsam mit der Kinemathek werden wir nach neuen Nutzern für die bisherigen Räume der Kurbel suchen“, fügte Käuflein hinzu. „Die Suchrichtung geht für mich ganz klar in Richtung Kultur.“

Kulturhaus zur Aufwertung der Innenstadt?

Das entspricht den Hoffnungen der Kinemathek. Die Etablierung des „Kurbel“-Gebäudes als Kulturhaus biete eine große Chance zur Aufwertung der Innenstadt und insbesondere des Passagenhofs, befindet Michael Endepols vom kuratorischen Team. Ein denkbarer neuer Nachbar wäre der Jazzclub Karlsruhe: Der hat – wie das 1957 eröffnete „Kurbel“-Gebäude – eine lange Tradition, ist als Veranstalter bestens etabliert, muss aber seit Jahren ohne eigenes Domizil auskommen.

Kinemathek offen für Jazzclub

Die Kinemathek stünde einem solchen Ansatz offen gegenüber: „Das könnte für beide Seiten ein Gewinn sein, weil hier unterschiedliche Programme geboten werden, die aber Besucher mit ähnlichen Interessen ansprechen“, so Endepols. Zumindest zeitweise käme auch das Stummfilmfestival des Vereins Déjà-Vu als Mitnutzer infrage – dessen Spielorte reichen bislang vom Studentenhaus über den Stephanssaal bis zum ZKM.

Wenig Chancen für neues Kino

Die Chancen für einen neuen Kinobetrieb, sich im „Kurbel“-Gebäude zu etablieren, schätzen Reeh-Peters und Endepols hingegen als schwierig ein. Zuvor hatte sich die oft angespannte Beziehung zwischen „Kurbel“ und Kinemathek seit dem Amtsantritt der neuen „Kurbel“-Geschäftsführer im April deutlich beruhigt, doch die Hoffnung auf einen neuen Aufbruch wurde durch ein bundesweites Einbrechen der Kinoeinnahmen im ersten Halbjahr zunichte gemacht.

Markt schrumpft durch Internet

„Dieser Einnahmendelle haben sich die Fußball-WM und jetzt noch der heiße Sommer angeschlossen – das wird bundesweit noch manchem Kino Probleme machen“, fürchtet Endepols. Ohnehin werde die Luft im Kinomarkt dünner, auch durch die Verfügbarkeit von Filmen im Internet. Das kuratierte Programm der Kinemathek sei davon weniger bedroht: „Unsere Aufgabe ist es ja, filminteressierten Zuschauern Werke zu präsentieren, die sie nicht sowieso schon kennen.“

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