Am Karlsruher Institut für Technologie werden künftig auch die Finanzen vereinigt. | Foto: Deck

Durchbruch für die Forschung

KIT darf seine Fusion vollenden

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Auf diesen Durchbruch hat das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) seit Jahren gehofft: Die riesige Forschungseinrichtung, die durch die Fusion von Universität und Forschungszentrum entstanden ist, darf nun auch ihre finanzielle Vereinigung vollziehen.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) und Landesforschungsministerin Theresia Bauer (Grüne) verkündeten am Freitag bei ihrem Besuch am KIT, dass Bund und Land so schnell wie möglich einen gemeinsamen Haushalt für die Forschungsuniversität einführen werden. „Gemeinsam wollen wir nun die Fusion des KIT aus Hochschul- und Forschungsteil vollenden und das Wir-Gefühl am KIT stärken“, erklärte Bundesforschungsministerin Karliczek. Ihre Landeskollegin Bauer sagte: „Wir geben jetzt Gas.“ Das KIT könne seine Mittel nun flexibler einsetzen. „Das stärkt Forschung, Lehre und Innovation, die so aus einem Guss betrieben werden können.“

Bereit für den nächsten Meilenstein

KIT-Präsident Holger Hanselka kommentierte diesen entscheidend Schritt freudestrahlend: „Wir haben seit der Gründung des KIT vor knapp zehn Jahren enorm viel erreicht- wir sind nun bereit für den nächsten Meilenstein.“

Die Geldflüsse der beiden KIT-Hälften müssen bisher streng getrennt verwaltet werden – das Land finanziert die Universität, der Bund zu 90 Prozent den Großforschungsbereich –, und diese strenge Trennung wirkt sich im Forschungs- und Arbeitsalltag als starke Belastung aus. Gemeinsame Forschungsprojekte müssen verwaltungstechnisch auseinanderdividiert werden, selbst für Reisekostenabrechnungen der Kollegen gelten unterschiedliche Tarife.

Bei ihrem Besuch am KIT schauen Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) und Landesforschungsministerin Theresia Bauer (Grüne) auch bei KATRIN, dem Karlsruher Tritium-Neutrino-Experiment am Campus-Nord, vorbei. | Foto: Rake Hora

Großes Reformprojekt

„Diese künstliche Schneise muss weg“, forderte KIT-Präsident Holger Hanselka vor kurzem im BNN-Interview. Eine gemeinsame Geldwirtschaft sei zwingende Voraussetzung, um das große Reformprojekt endlich zu beschleunigen: „Wir müssen das eine KIT schaffen, zu dem sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekennen – statt immer von der einen und der anderen Welt zu reden.“

Eigentlich war die Fusion der Universität Karlsruhe und des Forschungszentrums Karlsruhe zum KIT im Jahre 2009 ja als „Leuchtturmprojekt“ für die deutsche Wissenschaftsszene gedacht. Der neu entstandene Karlsruher Riese ist die größte Forschungseinrichtung Deutschlands. Sie sollte beweisen, dass Grenzen in der Wissenschaftswelt überwunden werden können und so viel effizienter geforscht und gelehrt werden kann.

Mutige Fusion mit Potenzial

Das Zusammenwachsen der beiden unterschiedlichen Fusionspartner erweist sich im Alltag jedoch als zäh und schwierig. Kulturelle Unterschiede zwischen Uni und Forschungsbereich sorgen bis heute immer wieder für Animositäten und Konkurrenzdenken.

Nun gehe es darum, das Potential der „mutigen Fusion“ von Universität und Forschungszentrum „noch besser“ auszuschöpfen, erklärten die KIT-Verantwortlichen. Ob Deutschlands größte Forschungsstätte nun wirklich zu einer Einheit zusammenwächst oder ob sie eine Zwitter-Konstruktion bleibt – das muss sich zeigen.