„Wir sehen, dass die Männer ungefähr doppelt so viel sabotieren“, sagt KIT-Professorin Petra Nieken, die gemeinsam mit ihrem Bonner Kollegen Simon Dato einen Laborversuch mit 384 Männer und Frauen unternahm und einen klaren „Geschlechterunterschied in unethischem Verhalten“ festgestellt hat.
„Wir sehen, dass die Männer ungefähr doppelt so viel sabotieren“, sagt KIT-Professorin Petra Nieken, die gemeinsam mit ihrem Bonner Kollegen Simon Dato einen Laborversuch mit 384 Männer und Frauen unternahm und einen klaren „Geschlechterunterschied in unethischem Verhalten“ festgestellt hat. | Foto: KIT

Wettbewerbsverhalten

KIT-Forscherin findet heraus: Männer halten die Welt für „böser“ als sie ist

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Männer erkaufen sich Siege. Männer wittern überall korrupte Konkurrenten. Männer schaffen es häufiger als Frauen, klügere Mitbewerber auszuschalten. Was Feministinnen schon lange argwöhnen, bestätigt das neueste Experiment einer Wirtschaftswissenschaftlerin des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

„Wir sehen, dass die Männer ungefähr doppelt so viel sabotieren“, sagt KIT-Professorin Petra Nieken, die gemeinsam mit ihrem Bonner Kollegen Simon Dato einen Laborversuch mit 384 Männer und Frauen unternahm und einen klaren „Geschlechterunterschied in unethischem Verhalten“ festgestellt hat.

Doch wohlgemerkt gilt dieses Ergebnis nur für einen Teil des Experiments. Nieken kommt keineswegs zu dem Schluss, dass Männer grundsätzlich unmoralischer seien. „Es liegt nicht an unterschiedlichen Moralvorstellungen“, betont die Wissenschaftlerin im Gespräch mit den BNN. Da habe eine Befragung der Frauen und Männer keine Unterschiede erbracht.

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Männer sind nicht unmoralischer

Der springende Punkt sei ein anderer: „Männer gehen davon aus, dass die Welt wettbewerbsorientierter ist“, sagt Nieken. „Sie überschätzen grundsätzlich die Sabotage von Mitbewerbern – folglich sabotieren sie auch stärker“. Die Herren halten demnach also die Welt für „böser“ als sie es tatsächlich ist.

Und so funktionierte der Versuch: Studentinnen und Studenten wurden zu einem „wirtschaftswissenschaftlichen Experiment“ eingeladen. Ihre Aufgabe: Sie sollten Wörter in ein Zahlencode-System übertragen. „Für jeden Buchstaben gab es in einer Tabelle einen zweistelligen Code, der sich nach jeder Runde änderte“, erklärt Nieken. Das Ziel: möglichst viele Punkte und Euro sammeln – und den Sieg über den Gegner plus einen Geldbonus erringen.

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Männer ergatterten auf unehrliche Weise öfter den Duell-Sieg

Die Gegner: unbekannte Frauen oder Männer aus der 384-köpfigen Versuchsgruppe. Jede Person spielte unterschiedliche „Duelle“ und saß dabei in einer Einzelkabine am Rechner. Das Ergebnis? Zunächst durchaus ausgewogen. „Frauen und Männer können das gleich gut“, sagt Nieken. „Es hätten gleich viele Frauen und Männer gewonnen.“ Hätten.

Denn dann zündete die nächste Versuchsstufe: Die Konkurrenten durften ihr gewonnenes Geld einsetzen, um sich gegenseitig Punkte wegzukaufen. Und davon machten die Herren deutlich größeren Gebrauch als die Frauen. Finanziell lohnte sich das nicht: „Die Männer haben dafür so viel Geld aufgewendet, dass sie am Ende im Schnitt die gleiche Summe übrig hatten wie die Frauen“, sagt Nieken.

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Aber die Männer ergatterten auf unehrliche Weise eben öfter den Sieg im Duell. Allerdings stellte sich heraus, dass sich diese Art des unlauteren Konkurrenzdenkens aushebeln lässt. In weiteren Experiment-Runden erhielten alle Teilnehmer statistische Daten dazu, wie häufig Menschen in gleichen Situationen überhaupt auf Sabotage umschalten und wie viel Geld sie dafür ausgeben.

„Frauen sind die Realisten“

Und siehe da: Das menschliche Verhalten ist im Schnitt nicht so extrem wie etliche Männer annahmen. Bemerkenswert: „Nach dieser Entwarnung gab es kaum noch Unterschiede im Verhalten von Frauen und Männern“, berichtet Nieken. Vor allem die Unsicherheit über das Verhalten der Konkurrenz würde Männer demnach also zu verschwenderisch fiesen Typen machen.

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„Was ich spannend finde: Frauen sind die Realisten“, sagt Nieken. Sie schätzten das Ausmaß der Sabotage von vorneherein häufiger „goldrichtig“ ein. Die Wirtschaftswissenschaftlerin zieht den Vergleich zur Arbeitswelt: Dort seien es nicht Punkte und Euro, die gegen Konkurrenten eingesetzt werden.

Bei Sabotage verlieren alle

Im Kampf um Karriere-Jobs würden dann eben Informationen über Kunden und Gesprächstermine unterschlagen, die Leistungen des Kollegen schlecht gemacht – oder gar Festplatten gelöscht. „Dabei verlieren alle: die Mitarbeiter, die für die Sabotage viel aufwenden, die Unterlegenen, deren Leistung nicht belohnt wird – und die Firma.“

Welche Lehren nun Unternehmen daraus ziehen können? Wichtig wäre es, eine Arbeitsatmosphäre der Transparenz zu schaffen und so die Unsicherheit des männlichen Geschlechts zu mindern, rät Nieken. „Es sollte klar sein: illegale Mittel werden nicht geduldet, sondern sanktioniert.“