Das von der Bundeswehr weitgehend geräumte Areal an der Rintheimer Querallee soll neue Nutzer finden | Foto: Sandbiller

Rintheimer Querallee

KIT interessiert sich für einstiges Gelände der Bundeswehr in Karlsruhe

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Die Einweihungsfeier für die neue Fachschule der Bundeswehr in der Kirchfeldkaserne ist schon länger vorbei. Die moderne Schule am Rand der Kirchfeldsiedlung ist in Betrieb. Lange vor der offiziellen Eröffnung stand die einstige Bundeswehrfachschule in der Rintheimer Querallee in großen Teilen leer. Das riesige Gebäude in idyllischer Waldrandlage hinter dem Komplex der Deutschen Flugsicherung und neben der vom KIT genutzten einstigen Mackensen-Kaserne gammelt bereits seit Jahren vor sich hin.

Ungelöster Brandschutz und marode Bausubstanz sorgten für die Stilllegung. Das Gebäude, das einst Schule für ausscheidende Zeitsoldaten war und außerdem als Wohnheim für Zeit- und Berufssoldaten diente, erinnert an die großen Zeiten der Bundeswehrgarnison in Karlsruhe.

Karriereberatung auf riesigem Areal

Genutzt wird auf dem Areal zur Zeit nur noch das einstige Kreiswehrersatzamt hinter der einstigen Schule – für die dort untergebrachte Karriereberatung der Bundeswehr ist dies aber viel zu groß. So ein riesiges Areal nahezu ungenutzt – das muss doch die Fantasien der ständig nach potenziell bebaubaren Flächen suchenden Stadt erregen?

Wer aber wissen will, was mit dem Areal passiert, muss fast von Pontius bis zu Pilatus gehen, bis man den richtigen Ansprechpartner hat. Bei der Stadtverwaltung verweist man auf die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die die ehemaligen Flächen der Bundeswehr oder der Stationierungsstreitkräfte vermarktet.

Bundeswehr hat Gelände weitgehend geräumt

Günther Danziger, von der in der Freiburg sitzenden Hauptstelle Facility Management der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben informiert auf Nachfrage der BNN, dass das komplette Areal der ehemaligen Bundeswehrfachschule und des Kreiswehrersatzamts sich inzwischen im Eigentum der Bundesanstalt befindet. Das Gebäude der ehemaligen Bundeswehrfachschule steht seit dem Umzug der Fachschule in den Neubau in der Kirchfeld-Kaserne leer.

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Das Gebäude des Kreiswehrersatzamtes wird allerdings noch durch die Bundeswehr neben der Nachwuchsgewinnung auch für den Berufsförderungsdienst genutzt. Eine Freigabe durch die Bundeswehr sei für das Jahr 2022 in Aussicht gestellt, heißt es weiter.

Das Areal bietet aufgrund seiner Art und Lage viele Möglichkeiten einer Folgenutzung

Was soll nun mit dem hektargroßem Areal am Waldrand passieren? „Das Areal bietet aufgrund seiner Art und Lage viele Möglichkeiten einer Folgenutzung. Darüber spreche man auch schon mit der Stadt Karlsruhe im Rahmen regelmäßig stattfindender Gespräche. Konkrete Überlegungen und Planungen über Nach- und Folgenutzungen des Areals gibt es allerdings noch nicht“, so Günther Danziger zurückhaltend.

Auf Nachfrage fügt er noch hinzu, dass bei diesen Gesprächen mit der Stadt auch Vertreter des Landes Baden-Württemberg mit dabei sind. Diese „nehmen die Interessen des KIT wahr“. Wer von der einstigen Bundeswehrfachschule auf das Areal der einstigen Mackensenkaserne schaut, heute KIT Campus Ost, ahnt die Zielrichtung.

KIT sieht Bundeswehrareal als mögliche Option

Dort wird ein großes Gebäude nach dem anderen in die Höhe gezogen. Der Platz scheint schon wieder zu eng zu sein. KIT-Sprecherin Margarete Lehné präzisiert auf Nachfrage der BNN die Wünsche des KIT. Man erarbeite zur Zeit einen baulichen Entwicklungsplan mit einem Zeitrahmen 2030plus.

Für die erfolgreiche Zukunftsentwicklung des KIT in Forschung, Lehre und Innovation sowie für die Reduktion von Mietflächen seien adäquate Flächenpotenziale von entscheidender Bedeutung. Denn diese Mietflächen sind im Gegensatz zu den dem KIT zur Nutzung kostenlos zur Verfügung gestellten Landesimmobilien aus dem Universitätshaushalt zu finanzieren.

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Lehné sagt klar: „Das angesprochene Gelände mit seiner unmittelbaren Nähe zum Campus Ost des KIT ist hier eine mögliche Option.“ Das Amt Karlsruhe Vermögen und Bau stehe hierzu im Kontakt mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, so die KIT-Sprecherin weiter. Das Amt verwaltet auch die Landesliegenschaften, die dem KIT im Stadtgebiet zur kostenlosen Nutzung überlassen sind.

Stadt wartet auf das KIT

Bei der Stadtverwaltung bestätigt eine Sprecherin, dass die zuständigen Ämter der Stadt an diesen Gesprächen beteiligt sind. Man warte momentan aber noch die Positionierung des KIT ab.

Gibt es aber auch eine Chance für private Investoren? „Mit privaten Investoren spricht man seitens der Bundesanstalt gegenwärtig noch nicht. Falls private Investoren eingebunden werden wollten oder Kaufinteresse haben sollten, müsste die Liegenschaft zur Verwertung ausgeschrieben werden“, informiert Günther Danziger.

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Das bisher letzte Mal, als die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Karlsruhe ein großes Areal öffentlich ausgeschrieben hatte, nämlich das C-Areal in der Nordstadt, kam die Firma GEM zum Zug. Die ebenfalls mitbietende städtische Volkswohnung ging leer aus.