Die Lutherkirche wird ausgeräumt.
In der Lutherkirche in der Oststadt hat das Ausräumen begonnen. In den kommenden Monaten wird sie innen umfassend saniert. Pfarrerin Ulrike Krumm (Mitte) hat viele ehrenamtliche Helfer, auch aus der rumänischen Gastgemeinde. | Foto: jodo

Sanierung in Karlsruhe beginnt

Klar Schiff in der Lutherkirche

Die Lutherkirche in der Karlsruher Oststadt: Gut ein Dutzend Helfer schiebt sich durch den engen Kellergang unter dem Luthersaal. Im Krieg war er Zufluchtsort bei Bombenalarm, jetzt verbindet er Heizzentrale, Nebenräume und Jugendkeller. Drei Besen wirbeln den Staub von Jahrzehnten auf. Thorsten Schwanninger klettert auf einen Mauervorsprung und öffnet Fensterflügel in einem Lichtschacht. Die Innensanierung der Lutherkirche beginnt, und dafür muss sie ausgeräumt werden. „Es ist wie bei einem privaten Umzug“, seufzt die Pfarrerin Ulrike Krumm. „Man überlegt bei jedem Ding, was machen wir damit?“

Sanierung ausgerechnet im Lutherjahr

In der Lutherkirche am Gottesauer Platz steht ausgerechnet im Lutherjahr die ersehnte und dringend nötige Innensanierung an. Jetzt bereiten fleißige Helfer aus der Kirchengemeinde und der rumänischen Gastgemeinde den Platz für die Handwerker. 15 Monate lang werden Heizung, Elektrik, Akustikanlage und Beleuchtung modernisiert. Schäden im Altarraum, an Fenstern und Decken, Ornamenten und Wänden sind zu reparieren. Die Kirchenbänke werden restauriert, der Linoleumboden im großen Kirchenrund komplett erneuert. Die kostbare Orgel wird verpackt zum Schutz vor Staub, aber der Rest muss raus. Spätestens am Sonntagabend, 23. April 2017, nachdem die Pfarrerin am Wochenende noch ein Brautpaar getraut und ein Baby getauft haben wird, wandert letztes bewegliches Inventar in den Luthersaal. Der dient bis weit ins Jahr 2018 als „Ersatzkirche“.

Mauerdurchbruch zur Lutherkirche

Dany Gotzmann, die Vorsitzende des Ältestenkreises, führt Regie, damit die ehrenamtlichen Helfer zielsicher vorankommen. Nach knapp einer halben Stunde ist das erste Etappenziel geschafft – klar Schiff in einem Teil des Kellers. Nun geht es viele Stufen hoch zur Orgelempore. „Der Schrank muss runter“, dirigiert Dany Gotzmann. Lautsprecherboxen und ein Koffer voll Kabel gehören aufs Podest, das im Luthersaal den provisorischen Altarraum bildet. „Hier kommt ein Mauerdurchbruch hin“, zeigt die Aufräum-Strategin. Zwischen Gemeindehaus und Empore entsteht dann eine praktische Direktverbindung – zugleich ein zusätzlicher Fluchtweg.

Landeskirche gibt 1,8 Millionen Euro

Die Heizungsanlage, die Wände und Bemalung mit Schmutzfahnen überzieht, wird ebenso verschwinden wie elektrische Sicherungen, die noch aus dem Entstehungsjahr 1907 stammen. Im Arbeitskreis „Bauhütte“ knobeln Josef Franz und neun weitere Experten der Gemeinde an kniffligen Details, und für 350 000 Euro Eigenbeteiligung sammelt die Gemeinde Spenden. 1,8 Millionen Euro gibt die Landeskirche als Sondermittel für das Jugendstil-Juwel.

Als Kleinod des Jugendstils gilt die 1907 eingeweihte Lutherkirche an der Durlacher Allee beim Gottesauer Platz. Fachleute erkennen den Einfluss damaliger englischer und amerikanischer Architektur. Das Meisterstück der Architekten Robert Curjel und Karl Moser wurde überregional beachtet und zog auch Le Corbusier an, einen der einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts.

Außen trutzig, überrascht die Lutherkirche innen mit lichter Weite. Trotz Kriegsschäden sei der Raumeindruck „glücklicherweise wieder hergestellt“, schreibt Gerhard Kabierske (Südwestdeutsches Architekturarchiv) in einem Faltblatt, das die anstehende Innensanierung erklärt. Die Altarwand mit dem plastischen Motiv der Bergpredigt, die dekorative Wandbemalung, die Glasfenster, der große Radleuchter und anderes machen das Innere der Lutherkirche laut Kabierske „zu einem grandiosen Gesamtkunstwerk des Jugendstils, das in Karlsruhe und darüber hinaus nicht seinesgleichen hat“.

Wir können sehr dankbar sein

„Wir können sehr dankbar sein“, sagt Gotzmann. Marius Mezinca, Pfarrer der rumänischen Gemeinde, ist es auch. Er schleppt Partyzelte in den Jugendkeller und zieht einen Leiterwagen durch die Katakomben unter der Lutherkirche. Quietschend und ratternd passiert der Erntedank-Wagen ein Spielzeugregal. Das Baufix-Tönnchen aus Pappe, ein Plastikeimerchen mit Lego-Bausteinen, ein Sack Spielsand, „Risiko“ und „Letra-Mix“ in Original-Schachteln erinnern an früheren Zeitvertreib.

Heller, wärmer, schöner

Ab Montag, 24. April 2017, muss die Luthergemeinde auf ihr Gotteshaus verzichten, das beschäftigt die Gläubigen schon, gesteht die Pfarrerin. Aber im Vordergrund stehe die Freude darüber, dass die Lutherkirche heller, wärmer und schöner wird – und auch einige Barrieren schwinden. Aktuelle Informationen zum Stand der Sanierung gibt es hier.

Die evangelische Luthergemeinde Karlsruhe erbittet zur Unterstützung der Kirchensanierung Spenden auf das Konto mit folgender IBAN: DE65 6605 0101 0009 1951 81 – Stichwort „Sanierung“.