Ehrenamtliche Helfer vor Ort sind für das Projekt unerlässlich. Hier im Bild Mitarbeiterin Sabrina Kraus mit Gerhard Bullinger (links) und Rolf Knam in Malsch.
Ehrenamtliche Helfer vor Ort sind für das Projekt zur Erfassung der Kleindenkmale im Landkreis Karlsruhe unerlässlich. Hier im Bild Mitarbeiterin Sabrina Kraus mit Gerhard Bullinger (links) und Rolf Knam beim Zollstock aus dem Jahr 1786 an der Landstraße zwischen Malsch und Freiolsheim. | Foto: Philipp Kungl

Viele Ehrenamtliche aktiv

Wegkreuze, Grenzsteine & Co: Kleindenkmale im Landkreis Karlsruhe

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Ob Wegkreuz, Grenzstein,  Brunnen oder Hausinschrift: Über 75.000 Kleindenkmale in 21 Landkreisen Baden-Württembergs wurden mit Hilfe von  2.700 ehrenamtliche Helfern schon systematisch erfasst. Seit November läuft das Projekt nun auch  im Landkreis Karlsruhe. Viele Heimatvereine und Einzelpersonen sind mit Begeisterung dabei. Und einige können sagenhafte Geschichten über die Kleindenkmale in ihrem Ort erzählen.

Von Philipp Kungl

Als im November 2017 das landesweite Projekt zur Erfassung von Kleindenkmalen auch im Landkreis Karlsruhe begonnen wurde, rechnete man nicht mit einer so großen Resonanz. „Schon bei der Auftaktveranstaltung waren rund 100 interessierte Personen dabei“, erinnert sich Kreisarchivar Bernd Breitkopf. „Inzwischen können wir auf etwa 180 freiwillige Kontaktpersonen bauen, die sich vor Ort um die Erfassung der verschiedenen Kleindenkmale kümmern.“

Von Anfang an große Resonanz

Aber was ist überhaupt ein Kleindenkmal? Das Kreisarchiv im Landratsamt nennt folgende Definition: Es handele sich grundsätzlich um ein ortsfestes Objekt aus stabilem Material wie Stein, Holz oder Metall, das meistens freistehend ist und einen bestimmten Zweck erfüllt. „Kleindenkmale können religiöse Zwecke erfüllen wie zum Beispiel Wegkreuze – es gibt aber auch viele historische Monumente“, berichtet Mitarbeiterin Sabrina Kraus.

Kleindenkmale sind nicht immer wirklich klein: Vor dem Mittelgiebel des ehemaligen Siemens-Verwaltungsgebäudes in Bruchsal – demonstrieren Kreisarchivar Bernd Breitkopf und Sabrina Kraus verschiedene Möglichkeiten der Erfassung: Klassisch mit einer Landkarte oder ganz modern mit der neuen App.
Vor einem gar nicht so kleinen Kleindenkmal – dem Mittelgiebel des ehemaligen Siemens-Verwaltungsgebäudes in Bruchsal – demonstrieren Kreisarchivar Bernd Breitkopf und Sabrina Kraus Möglichkeiten der Erfassung: Klassisch mit einer Landkarte oder mit der neuen App. | Foto: Philipp Kungl

Kleindenkmale können auch ein bisschen größer sein…

Von kleinen Heiligennischen bis hin zu großen Brücken ist von der Größe her alles möglich – der Ausdruck „Kleindenkmal“ kann schon mal etwas in die Irre führen. Und auch das Alter der Denkmale geht mitunter weit auseinander: „Sühnekreuze können durchaus bis ins Mittelalter zurück gehen“, sagt Breitkopf. Dagegen sei in Philippsburg erst vor kurzem ein ganz neues Denkmal für die deportierten Juden errichtet worden.

Ein Beitrag zur Heimatkunde

Diese verschiedenen Kleindenkmale im Landkreis Karlsruhe möchte das Projekt zentral erfassen und mehr ins öffentliche Bewusstsein rücken – auch um für mehr Rücksicht etwa bei Bau- oder Baumfällarbeiten zu werben. „Das Projekt soll außerdem einen Beitrag zur Heimatkunde leisten und kann für Einheimische, Schulklassen und auch Touristen sehr interessant sein“, meint Breitkopf.

Damit alle Kleindenkmale einheitlich in die Datenbank aufgenommen werden, folgt der Erfassungsvorgang festen Regeln, die den Ehrenamtlichen bei Schulungen vermittelt wurden. „Zunächst wird das kostenlose Material an die Helfer vor Ort verschickt“, erläutert Sabrina Kraus. Dazu gehört ein standardisierter Erfassungsbogen, der im ersten Schritt sorgfältig ausgefüllt wird. Die Helfer tragen etwa den Namen ein, zudem die Kategorie (religiöses Denkmal, historisches Denkmal), Größe und Besonderheiten ein. Hinzu kommen zwischen ein und vier Bilder des Monuments. Zuletzt erfolgt ein Eintrag auf einer Landkarte mit der genauen Adresse und den Koordinaten.

Onlinesystem im Aufbau

Derzeit befindet sich ein Onlinesystem im Aufbau, das bisher nur ganz wenige Kreise anbieten. Über dieses soll künftig jedermann sämtliche erfassten. Kleindenkmale finden und genauer studieren können. Für das Einpflegen der an das Kreisarchiv in Bruchsal zurückgesandten Daten ist Sabrina Kraus zuständig – eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn sie muss mit den Besonderheiten der Denkmale bestens vertraut sein. „Wir achten auch speziell darauf, dass die lokale Schreib- und Sprechweise beibehalten wird, die Bezeichnungen aber dennoch für alle verständlich sind“, sagt sie. Inzwischen gibt es auch eine spezielle App für die Ehrenamtlichen, die leicht zu bedienen ist und die aufwändige Digitalisierungsarbeit vereinfacht.

Die Heimatfreunde Malsch können auf Vorarbeiten zurückgreifen

Ein großer Vorteil sei es, dass das Projekt von Beginn an auf umfangreiche Vorarbeiten von Einzelpersonen oder Heimatvereinen aufbauen kann. „Das Ausfüllen der Bögen ist nicht sonderlich kompliziert, da wir schon davor viel dazu gemacht haben“, erzählen Gerhard Bullinger und Rolf Knam von den Heimatfreunden Malsch, die die Kleindenkmale in ihrem Ort – und davon gibt es wahrlich einige – wie die eigene Westentasche kennen.

„Malsch war früher ein reicher Ort, weshalb man hier vor allem viele zum Dank gestiftete Kreuze findet“, berichtet Bullinger. Sein Kollege Rolf Knam hat im „Malscher Büttel“ sämtliche Kleindenkmale und Kreuze in Malsch aufgelistet und genau beschrieben – auf dieses Wissen kann man nun bei der Erfassung zurückgreifen.

Einmalig im Landkreis Karlsruhe: der „Landzoll“ von 1786
Einmalig im Landkreis Karlsruhe: der „Landzoll“ von 1786 an der L 608 zwischen Malsch und Freiolsheim | Foto: Philipp Kungl

Einmalig: der Zollstock zwischen Malsch und Freiolsheim

Und es gibt nicht nur religiöse Denkmale in Malsch, sondern auch sehr viele Grenzsteine.
Einmalig im Landkreis Karlsruhe ist ein „Zollstock“ an der L 608 zwischen Malsch und Freiolsheim. Das Monument aus dem Jahr 1786 trägt die Inschrift „Landzol“ und ist mit der badischen Flagge geschmückt.
„Der Zollstock galt als Gemarkungsgrenze“, erklärt Bullinger. „Wurden Kühe von Württemberg nach Baden geführt, war ab hier ein Zoll zu errichten.“ Bezahlt wurde dieser wohl bei einem zweiten Zollstock unten im Dorf, der leider nicht erhalten ist.

Wie ein Wegkreuz einen zum Tode Verurteilten das Leben rettete

Am auffälligsten sind aber die zahlreichen Wegkreuze im Ort, die allesamt von Freiwilligen gepflegt werden. Dringend restaurierungsbedürftig ist das älteste Wegkreuz in Malsch an der Muggensturmer Straße. Es stammt von 1698.

Das älteste Wegkreuz in Malsch stammt aus dem Jahr 1698 - es bedarf dringend der Restaurierung.
Das älteste Wegkreuz in Malsch stammt aus dem Jahr 1698. | Foto: Philipp Kungl

„Wer das Kreuz gestiftet hat, ist nicht bekannt. Auch die Inschrift auf der Seite ist leider nicht mehr lesbar“, sagt Knam. Wie bei Kleindenkmalen nicht unüblich, gibt es zu dem Wegkreuz aber eine Legende: Ein Verbrecher wurde zum Tode verurteilt. Er bat um die Erfüllung eines letzten Wunsches, was der Richter gewährte. So meißelte er aus einem einzigen Stein das Kreuz mit der daran hängenden Christusfigur. Von der Schönheit des Kreuzes soll der Richter wiederum so bewegt gewesen sein, dass er das Todesurteil schließlich zurücknahm und den Mann freiließ.

„Man spürt die Begeisterung vor Ort“

Allein wegen solcher Geschichten lohnt das Erfassungsprojekt, dessen Verlauf bisher positiv stimmt. „Wir sind sehr zufrieden, man spürt regelrecht die Begeisterung und das Interesse vor Ort“, freut sich Kreisarchivar Breitkopf. In den wenigen Gemeinden ohne Ansprechpartner mache man weiterhin viel Werbung für das Projekt. Doch an vielen Orten komme man bestens voran. „In Bretten, Bruchsal oder im Kraichtal sind große Gruppen unterwegs. Am Ende können durchaus Tausende erfasste Kleindenkmale zusammen kommen“, glaubt Breitkopf.

Anfang 2020 soll alles fertig sein

Apropos Ende: Spätestens Anfang 2020 möchte man fertig sein und die Unterlagen ans Landesamt für Denkmalpflege weitergeben. Dann soll es kreisweit eine Grundausstellung mit den schönsten Exemplaren sowie eine Publikation geben. „Geplant ist außerdem eine Veranstaltung 2019, bei der eine Zwischenbilanz gezogen werden soll“, verrät Bernd Breitkopf.

Hier gibt es weitere Infos zum Kleindenkmalprojekt.